Flintsbach – „Durch Corona lasse ich mir nicht kaputt machen, was in vier Generationen aufgebaut wurde.“ So die entschiedenen Worte von Anja Schweinsteiger, Wirtin der Gaststätte Dannerwirt in Flintsbach. Um Corona den Kampf anzusagen, hat sie jetzt die Aktion „Dannerwirt to go“ ins Leben gerufen. Ob Schnitzel, Schweinshaxe oder Kuchen – all diese Speisen gibt es seit einigen Tagen zum Mitnehmen. Doch damit nicht genug: Die Botschaft soll weiter verbreitet werden – mithilfe von gedruckten Autoaufklebern mit der Aufschrift „Dannerwirt to go“. Die bisherige Resonanz? „Total überwältigend“, berichtet Schweinsteiger.
Ende März habe sie „unter Tränen“ die Türen der Gaststätte geschlossen, schildert Schweinsteiger. Das wisse sie noch ganz genau. Während dieser Zeit erhielt sie moralische Unterstützung von ihrer besten Freundin Ines Lerch. Tagelang renovierten sie, entrümpelten, vertrieben sich irgendwie die Zeit. Dabei stand auch immer die Frage im Raum: Wie geht es weiter? Sie überlegten und verfolgten auch, was andere Gaststätten so machten. Irgendwann fassten die beiden dann den Entschluss: Der Dannerwirt stellt jetzt auf „To Go“ um.
Die Idee sei sofort auf große Resonanz gestoßen, berichtet Schweinsteiger. Über die sozialen Netzwerke hätten sie vorab Werbung gemacht und prompt zahlreiche Bestellungen entgegengenommen. Die Unterstützung aus dem Ort sei unglaublich gewesen, sagt Schweinsteiger.
Zunächst seien Stammgäste gekommen, später dann Leute aus den Nachbarorten.
Und mittlerweile würden auch neue, bis dato unbekannte Leute die Gaststätte aufsuchen. Seit etwa einer Woche gebe es Autoaufkleber mit der Aufschrift „Dannerwirt to go“. Die habe Schweinsteigers Lebensgefährte drucken lassen. Wer klebe sich so etwas schon auf sein Auto, dachte sich die Wirtin zunächst. Aber, wie sie berichtet: Viele Gäste würden die Sticker tatsächlich an ihren Autos befestigen und damit ihre Solidarität zum Ausdruck bringen.
Zuvor hätten die Wirtsleute noch keinerlei Erfahrungen mit einem „To-Go-Service“ gehabt, schildert Schweinsteiger. Natürlich habe der ein oder andere Gast schon mal ein Gericht zum Mitnehmen bestellt. Aber um ihre Idee jetzt in dieser Krise wirklich realisieren zu können, musste einiges organisiert werden. So wurde der stillgelegte Nebeneingang wieder reaktiviert und als Verkaufsstelle umfunktioniert. Sonst hätten die Leute quer durch die Gaststätte marschieren müssen, erklärt die Wirtin. Und wenn schon to go, dann ökologisch, sei ihre Devise gewesen. Verpackt werde das Essen in Pappschachteln, das Besteck sei recycelbar. Die Wirtin glaubt, auch das ziehe bei den Kunden.
Freitag, Samstag und Sonntag: An diesen Tagen werden die Speisen zubereitet und verkauft. Jede Woche gebe es neue Gerichte, und es sei auch schon vorgekommen, dass einige in kürzester Zeit schon ausverkauft waren, sagt Schweinsteiger. Allein am Osterwochenende seien an die 500 Essen über die Theke gewandert.
„Eine Krise ist
auch eine Chance“
Auch ortsansässige Vereine und Firmen würden die Gaststätte unterstützen. Im Ortseingang von Flintsbach gebe es nun ein Schild, das auf den neuen Service der Gaststätte hinweise. Der Bürgermeister habe das abgesegnet, sagt Schweinsteiger. Normalerweise seien solche Schilder Vereinen vorbehalten. Aber das zeige eben, wie der gesamte Ort hinter der Gaststätte stehe. Bürgermeister Stefan Lederwascher ist ebenfalls Fan dieser Aktion. Er habe den „To-Go-Service“ bereits in Anspruch genommen, verrät er den OVB Heimatzeitungen.
Auch der Gasthof Falkenstein (Schwaigerwirt) biete Essen zum Mitnehmen an. „Ich finde es wichtig, dass wir unsere Wirtshäuser erhalten.“ Jede Krise sei auch eine Chance, findet Schweinsteiger. „Reich werde ich dadurch nicht“, stellt sie klar. Aber darum gehe es der Wirtin nicht. Mit dieser Aktion möchte sie mit ihren Gästen einfach in Kontakt bleiben.
Schweinsteigers Fazit: Auch nach der Krise möchte sie den „To-Go-Service“ weiterführen.