Geht auch die Freibadsaison baden?

von Redaktion

Das ohnehin defizitäre Badria kämpft mit den Folgen der Zwangsschließung

Wasserburg – Leere Becken, leere Saunen: Das Wasserburger Badria ist seit vier Wochen geschlossen. Am 1. Mai beginnt hier traditionell auch die Freibadsaison. Geht diese heuer baden? Bürgermeister Michael Kölbl kann dazu noch keine Antwort geben, denn die Stadt wartet auf Anordnungen der Staatsregierung zu den Freizeiteinrichtungen. „Jetzt schon eine Aussage zu treffen, wäre Sterndeutung“, sagt der Rathauschef.

Revisionsarbeiten
vorgezogen

Draußen und drinnen haben die Stadtwerke in den vergangenen Wochen der Zwangsschließung die Revisionsarbeiten durchgeführt, die ansonsten immer im September stattfinden. Fliesen wurden erneuert, das Kinderbecken erhöht, Sanitäranlagen repariert, das Freibecken hergerichtet, berichtet Marius Regler, Chef der Stadtwerke, die das Badria betreiben. Demnächst werde das Wasser wieder eingelassen, denn der Beton der Becken trockne sonst aus und es komme zu Rissen. Das Badria wäre also schnell bereit für eine Öffnung. Auch die neue Gastronomie ist fertiggestellt. Doch schwitzen in der engen Sauna, planschen im Wasser, eng aneinander liegen auf der Wiese? Derzeit eigentlich unvorstellbar angesichts der Abstands- und Hygieneregelungen sowie Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsverbote. Offen ist auch die Frage, ob es möglich sein wird, Badeseen wie in Staudham zu besuchen oder ob auch diese gesperrt werden müssen.

Fest steht: Der im Januar beschlossene Geschäftsplan des Badria für 2020 und die vielen Marketingmaßnahmen, die geplant waren, fallen ins Wasser. Die Stadt erwartet ein großes Defizitjahr. Und hofft auf Ausgleichsleistungen des Staates.

Für die 44 Mitarbeiter des Badria kann die Stadt Kurzarbeitergeld beantragen – eine der Corona-Krise geschuldete Ausnahmeregelung für den Öffentlichen Dienst, deren Ausführungsbestimmungen und Details noch nicht feststehen, sagt Kölbl. Die tariflich gebundene Stadt werde das Kurzarbeitergeld bis zu 95 Prozent des ursprünglichen Lohns aufstocken.

Bisher haben alle 44 Mitarbeiter des Badria die Lohnfortzahlung bekommen. Die Angestellten arbeiten zum Teil in anderen Bereichen der Kernverwaltung mit, bauen Überstunden ab oder Minusstunden auf.

Das Badria muss damit rechnen, „dass eventuell eine ganze Saison wegbricht“, bedauert Kölbl. Mit der „Mutter“, der Stadt, gibt es eine Vereinbarung, Defizite aus dem kommunalen Haushalt auszugleichen. Die Kommune wird 2020 vermutlich noch tiefer in die Tasche greifen müssen als in den Vorjahren.

Im Geschäftsplan für heuer war schon vor der Corona-Pandemie ein Minus von zwei Millionen Euro prognostiziert worden, weil hohe Investitionen (vorgesehen waren 8557000 Euro) anstehen. 2019 lag das Defizit bei 1,5 Millionen Euro. Deutschlandweit gibt es kaum kommunale Bäder, die schwarze Zahlen schrieben. Die Stadt will sich das Bad mit Saunalandschaft und vergleichsweise günstigen Preisen als Angebot für Familien und Erholungssuchende sowie Sportler jedoch leisten. Der Stadtrat steht hinter dem notwendigen Defizitausgleich.

Regler weist darauf hin, dass eine längere Schließung die Wirtschaftlichkeit von Hallen- und Freibad sowie Saunalandschaft nicht so stark belastet wie vielleicht angenommen, denn die defizitäre Einrichtung hat jetzt auch weniger Unterhaltskosten – etwa für Wasser- und Strom – zu bezahlen. Doch das Badria ist Teil der Stadtwerke. Und hier rechnet Regler unter anderem mit zehn bis 20 Prozent Minus beim Strom- und Wasserverkauf an die Kunden – als Folge der geschlossenen Gastronomie und Geschäfte. „Wir müssen das Jahr 2020 völlig neu rechnen“, sagt er.

Umsatzziele
nicht zu halten

2019 gab es im Badria 176000 zahlende Besucher, 37000 schwitzten in der Sauna. Der Erfolgsplan für 2020 sah 180000 Besucher im Bad, 42500 in der Sauna und Umsatzerlöse in Höhe von 1,95 Millionen Euro vor. Drei Monate später sind diese Zahlen Makulatur.

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