Frasdorf – „Du hast als Bürgermeisterin nur zwei Möglichkeiten: Entweder musst du den Mund aufmachen, oder den Geldbeutel.“ Zwölf Jahre stand Marianne Steindlmüller als Bürgermeisterin an der Spitze der Gemeinde Frasdorf, jetzt hinterlässt sie ihrem Nachfolger Daniel Mair ein geordnetes Haus. Bei der letzten Sitzung des Gemeinderates in der Lamstoahalle – drei Tage vor Ablauf der Wahlperiode – erledigte das Gremium noch ein paar offene Baustellen, darunter auch den Haushalt für das laufende Jahr (wir berichten gesondert).
Eine Vielzahl
von Ehrenämtern
Nach dem grundlegenden Wechsel im Gemeinderat vor sechs Jahren, damals wurde mit sieben „Neuen“ der halbe Gemeinderat ausgetauscht, verlassen in diesem Jahr zusammen mit der Bürgermeisterin drei langjährige Räte – darunter die beiden stellvertretenden Bürgermeister – das Gremium.
Sepp Hollinger kam als Nachrücker vor 25 Jahren in den Gemeinderat, er war während dieser Zeit in allen Ausschüssen tätig, lange Sprecher seiner Fraktion und in den letzten sechs Jahre war er als Zweiter Bürgermeister der Stellvertreter der Rathauschefin. Peter Freund und Martin Wagner waren 18 Jahre Mitglied des Gemeinderates, beide wirkten viele Jahre im Bauausschuss mit. Martin Wagner war zusätzlich als Jugendbeauftragter tätig, Peter Freund vertrat die Gemeinde Frasdorf seit zwölf Jahren bei vielen Anlässen als Dritter Bürgermeister.
Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller bedankte sich bei allen Gemeinderatsmitgliedern, der Verwaltung und allen Mitarbeitern für die gute und meist angenehme Zusammenarbeit, vor allem in den zwölf Jahren ihrer Bürgermeistertätigkeit.
Doch ihre Tätigkeit zum Wohle der Gemeinschaft reiche viel weiter zurück, berichtete der Zweite Bürgermeister Sepp Hollinger, die Zahl ihrer Ehrenämter und Nebenbeschäftigungen sei Legion. „Leider können wir sie zurzeit nicht so ehren, wie wir es eigentlich wollten, wir werden das aber ganz bestimmt nachholen“. 1990 zog sie zusammen mit Gertraud Riepertinger als erste Frau für die Frasdorfer Frauenliste in den bis dahin von Männern bestimmten Gemeinderat ein, seit 1996 war sie für die CSU im Gremium in allen Ausschüssen der Gemeinde tätig.
Die letzten zwölf Jahre führte sie die Gemeinde als erste Bürgermeisterin in der Geschichte Frasdorfs. 30 Jahre führte sie die Aufgaben der Ortswaisenrätin und Betreuungshelferin der Gemeinde. Von 1990 bis 2020 war sie im Kreistag als Anwältin für die Gemeinden, davon einige Jahre in der Vorstandschaft des Bayerischen Gemeindetags.
Sechs Jahre war sie als stellvertretende Landrätin für den Landkreis tätig und Mitglied im Kreisausschuss. Sie arbeitete im Mittelschulverband mit, war bei der Leadergruppe Chiemgauer Seenplatte, sie war Verbandsrätin der Müllverbrennungsanlage Burgkirchen und im Aufsichtsrat der Bürgerenergie Chiemgau, sie war Stiftungsrätin in der Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung Landkreis Rosenheim und Verbandsrätin der Sparkasse Rosenheim. Daneben engagierte sie sich noch im Rechtswesen: Acht Jahre war sie Schöffin am Jugendgericht in Traunstein, 25 Jahre ehrenamtliche Richterin am Bayerischen Verwaltungsgericht und 20 Jahre ehrenamtliche Richterin am Bayerischen Landessozialgericht.
Vier Jahre war sie im Musterungsausschuss, bis diese Aufgabe an die Kreiswehrersatzämter übertragen wurde und von 1996 bis zur Auflösung der Wehrpflicht im Ausschuss für Kriegsdienstverweigerer.
„Kaum zu glauben, dass bei dieser Vielzahl der politischen Ehrenämter noch Zeit für Familie und Hobbys blieb“. Seit dem Bau der Lamstoahalle durch den Trachtenverein half sie dem Verein als verantwortliche Hallenwirtin mit bei der Nutzung und Bewirtschaftung der Halle. Bei allen Veranstaltungen des Trachtenvereins war es ihr keine Pflicht, sondern stets ein Bedürfnis, aktiv mit dabei zu sein. Für dieses Engagement wurde sie mit allen Ehrenzeichen des Vereins ausgezeichnet, ebenso bei den Schützen. Entspannung findet sie bei den Schießabenden der Thomasschützen, zahllose Preise und Urkunden fanden ihren Weg nach Walkerting. Schließlich ist sie noch Fahnenmutter bei der Krieger- und Soldatenkameradschaft Frasdorf.
Sepp Hollinger nannte ihre Amtszeit einen Glücksfall für Frasdorf, die von Neubauten und Restaurierungen geprägt gewesen sei. Nach ihrer Amtsübernahme folgten der Bau und der Umzug ins neue Rathaus, neue Mitarbeiter in leitender Position mussten gefunden und eingearbeitet werden. Mehrere neue Baugebiete in allen Gemeindeteilen sorgten dafür, dass junge Familien im Ort blieben, das Bauen und der Straßenerhalt blieben eine Dauerbeschäftigung im Rathaus.
Weichen für
die Zukunft gestellt
Die „katastrophale Staatsstraße S2093“ nach Wildenwart wurde ausgebaut, auch die Kindertagesstätte in Frasdorf. Das Musikhäusl in Wildenwart und der Dösdorfer Steg folgten in jüngster Vergangenheit. Mit dem Konzept „Frasdorf 2030“ stellte sie – zusammen mit dem Gremium – am Ratstisch – die Weichen für die kommenden Jahre in der Gemeinde.
Als nächste Großprojekte sind bereits der Bau der neuen Schulturnhalle in Frasdorf und des neuen Kinderhauses am Kirchbergerl von Wildenwart in Vorbereitung. Lediglich den Bau und die Fertigstellung der Autobahn A8 konnte sie in ihrer aktiven Zeit nicht mehr verwirklichen. Dieses Mammutprojekt hinterlässt sie ihrem Nachfolger Daniel Mair.