Großkarolinenfeld – „Wir bereiten uns auf vieles vor, aber nicht in Richtung Volksfest.“ Das sagte Gastronom Christian Fahrenschon vor vier Wochen gegenüber der Heimatzeitung zum Volksfest in Großkarolinenfeld, das erste Volksfest im Landkreis. Dieses Jahr vom 15. bis 24. Mai. Da war noch offen, ob das Fest stattfinden kann. Heute ist klar: Es gibt ein Volksfest „zum Mitnehmen“. Die Vorschriften lassen nichts anderes zu, bedauert Fahrenschon.
Die Vorschriften änderten sich zwar täglich, so Bürgermeister Bernd Fessler, aber aktuell sei ein Frühlingsfest nicht möglich. Als Fahrenschon den Antrag stellte, habe er wegen der einheimischen Gastronomie gezögert, sagt Fessler, dann aber den Antrag an den Gemeinderat weitergegeben, denn die Erfahrungen mit Fahrenschons seien immer gut gewesen. Fahrenschons Antrag fand im Rat auch eine große Mehrheit.
Hendl und Zuckerwatte
2020 nur „to go“
Ladenschlusszeiten und Marktrecht lassen es zu, dass Fahrenschon und einige weitere Verkaufsstände ab 15. Mai auf dem Frühlingsfestgelände die klassischen Festzeltschmankerl wie Hendl, Steckerlfisch, Kässpatzen und Fischsemmel verkaufen, „dann haben d‘Leit wenigstens Volksfestgeschmack im Mund“, so Fessler.
Alles, was verkauft wird, muss mitgenommen werden. Fahrenschons freuen sich über jeden, der Mehrweggeschirr mitbringt – denn auch Stehtische sind nicht erlaubt. Am Kinderkarussell sind sie noch dran. Derzeit läuft in Gmund der Testlauf für Großkarolinenfeld. „Sehr gut, ich bin selber überrascht“, sagt Fahrenschon. „Am ersten Tag hatte ich Tränen in den Augen, so gut nehmen die Leute uns an.“
Da hätten seine Kinder wirklich eine gute Idee gehabt, sagt der stolze Vater. Gleich am ersten Tag sei die Seniorenbeauftragte der Gemeinde Gmund gekommen, habe mit ihm überlegt, wie der Seniorentag zu retten sei.
Geeinigt haben sie sich auf einen Hol- und Bringservice. Mit Anmeldung, damit genug Hendl auf dem Grill stecken. „300 Senioren kamen und holten sich ihr Hendl – zum Seniorentag kommen sonst ungefähr 150“, so Fahrenschon begeistert. „Die haben sich richtig gefreut, dass sie rauskommen – und haben ganz super Abstand gehalten.“ Christian Fahrenschon ist dankbar, dass das Angebot in Gmund so gut angenommen wird. Die Stände, die Lebensmittel verkaufen, von der gebrannten Mandel und der Zuckerwatte bis zur Currywurst, die litten zwar auch, er selber mache derzeit Kleingastronomie, aber sie könnten damit etwas kompensieren, so Fahrenschon. Schlimm treffe es alle Schausteller mit Fahrgeschäften. Denn denen breche ein ganzes Jahr weg – existenzgefährdend.
Keine Extrawurst
für Freizeitparks
Wenn jetzt die ersten Freizeitparks unter Auflagen wieder aufmachen dürften, sei nicht einzusehen, warum die Fahrgeschäfte es nicht auch dürften. Natürlich müssten sämtliche Hygieneregeln und anderen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, „aber was Freizeitparks können, können Schausteller schon lange.“ Er hofft auf Fingerspitzengefühl bei den Behörden, hat deswegen auch das Pfingstfest in Bad Aibling noch nicht aufgegeben. Und vielleicht änderten sich ja bis dahin auch weitere Vorschriften. „Die ändern sich im Moment stündlich“, stimmt Fessler zu. „Ich schließe nicht aus, dass sich kurzfristig noch Änderungen ergeben“, so der Bürgermeister. Der neue Gemeinderat trifft sich drei Tage zuvor zur Sitzung, bevor das „Volksfest zum Midnehma“ in Großkarolinenfeld beginnen kann.