„Wir werden den Geburtstag feiern“

von Redaktion

Trachtenverein Unterinntaler Vogtareuth verschiebt Jubiläumsfest zum 100-jährigen Bestehen

Vogtareuth – Wer mit dem Gebirgstrachtenerhaltungsverein (GTEV) Unterinntaler Vogtareuth schon gefeiert hat, der schätzt und genießt das: Gast sein, umsorgt werden, sich wie bei Freunden zu fühlen. Entsprechend haben sich bestimmt sehr viele alte, neue und künftige Freunde auf Pfingsten gefreut: Am Pfingstsamstag und Pfingstsonntag, 30. und 31. Mai, wollte der GTEV den 100. Geburtstag feiern – und darf nicht.

Die Söchtenauer Musi und die Riederinger Musikanten standen schon in den Startlöchern, die Speisekarte für das Festwochenende war fertig, die Festzugroute festgelegt. Zusammen mit Feuerwehr und Chor, die beide in diesem Jahr auch runde Geburtstage haben, war das Festzelt organisiert. Und dann kam Corona.

Dank allen
Helfern im Vorfeld

Vorsitzender Emmeran Kirchhuber junior, seine Stellvertreterin Ottilie Schwaiger, Schriftführerin Doris Huber und Kassiererin Veronika Teufel sind nach den zwei Jahren an Vorbereitung traurig, aus Vernunft und Vorsorge erklären zu müssen: „Wir haben uns entschlossen das geplante Trachtenfest zu unserem 100-jährigen Bestehen wegen der Corona-Pandemie abzusagen. Allen, die sich an den Vorbereitungen zum Fest so engagiert haben, danken wir sehr herzlich. Wir wünschen Euch allen beste Gesundheit.“

Vor 100 Jahren, zwei Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie der Spanischen Grippe, wurden Burschen, Bauernsöhne und Dienstboten noch von einigen Seiten verlacht, als sie am 1. Mai 1920 im Gasthaus Bader in Straßkirchen „de Griabinga vo Strasskirchen“ mit dem geradezu prophetischen Vereinsspruch „Gsund sam ma“ gegründet haben. 1921 hatten die jungen Leute endlich genug Platz, um Plattler und Trachtentänze zu proben, als sie nach Vogtareuth ins Gasthaus Bräu umzogen. Im Herbst 1922 luden die Trachtler unter dem heutigen Namen „Inntaler“ zu ihrem ersten eigenen Fest, dem Trachtenball, Freunde ein. Dazu gehörte auch der GTEV „Almengrün“ Riedering, der Patenverein der Vogtareuther. Kirchhuber versichert: „Wir werden unseren Geburtstag feiern, denn wir pflegen auch die Tradition, nach vorne zu schauen, auch wenn es mal schwierig ist.“ Schwieriger als nach dem Zweiten Weltkrieg war es nie. Die US-Soldaten zeigten kein Verständnis für kulturelle Vereine. Sie verboten die Trachten als eine Art Uniform und sogar die Vereinsfahne musste auf einem Dachboden versteckt werden. Doch schon 1947 trauten sich die Trachtler wieder in die Öffentlichkeit. Viele junge Leute verhalfen zum Aufschwung. Aus der neuen Kinder-Trachtlergruppe entstand eine starke Aktivengruppe. Die Dirndl und Buam schneiden auch heute noch gut bei Wertungsplatteln ab. Die Maul- und Klauenseuche auch in Vogtareuth und Umgebung belastete die Trachtler im Jahr 1957 bei der Weihe der neuen, zweiten Fahne. Dieses Fest musste der GTEV deswegen von Mai auf September verschieben.

Mit Freude an
den zweiten Anlauf

Wann der 100. Geburtstag gefeiert werden kann, weiß der Vorstand noch nicht, doch Kirchhuber, Ottilie Schwaiger, Doris Huber und Veronika Teufel wissen, „der GTEV Unterinntaler Vogtareuth hat genügend gestandene Trachtler und Trachtlerinnen, die auch beim zweiten Anlauf ein Fest auf die Beine stellen, das viel Freude bringt. Der Vereinsspruch soll wahr sein: „Gsund samma“.

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