Kiefersfelden/Kufstein – „Ja, es hat am Sonntag Tränen gegeben“, gab die Kiefersfeldenerin und gebürtige Kufsteinerin Helga Schmidt zu, als sie nach über zwei Monaten erstmals wieder ihren Bruder in Kufstein besuchen konnte. Und das ging völlig unbürokratisch. In der Nacht von Samstag auf Sonntag waren wie von Geisterhand die Barrikaden am Grenzübergang Kiefersfelden-Staatsstraße abgebaut worden und der Weg zum nahen Kufstein – zumindest für Familienbesuche- wieder frei. „Brav hatten wir das Bundespolizei-Formular „Selbstdeklaration“ ausgefüllt und mitgeführt, aber es gab keine Kontrollen – wie in alten Zeiten,“ begeisterte sie sich.
Besuchte die Kiefersfeldenerin sonst ihren Bruder jede Woche, so gab es während der Corona-Totalsperre nur telefonischen Kontakt: „Das ist nicht annähernd dasselbe.“ Um so emotionaler war das Treffen am Sonntag, zumal man sich Auge in Auge viel zu erzählen hatte. „Am meisten fehlte mir der Kontakt, als mein Mann vor drei Wochen einen Herzinfarkt hatte. Nicht nur, dass ich ihn im Krankenhaus nicht besuchen konnte, auch meine Geschwister in Kufstein konnten mir nur telefonisch beistehen.“ Das sie so etwas in Friedenszeiten erleben würde, hätte sie sich Anfang des Jahres nicht vorstellen können. Zumindest für die familiären Kontakte scheint dies nunmehr der Vergangenheit anzugehören.
Jetzt hoffen alle, dass sich die Situation weiter normalisiert und es am 15. Juni wirklich die völlige Grenzöffnung gibt. „Für uns Kieferer ist Kufstein wie für Stephanskirchen das nahe Rosenheim. Man kauft dort ein und hat dort all seine gesellschaftlichen Kontakte. Das lässt sich nicht ersetzen.“ roc