Notfalls muss gelost werden

von Redaktion

Gemeinden erwarten Einschränkungen beim Ferienprogramm

Großkarolinenfeld/Prutting/ Riedering/Rohrdorf/Schechen/ Söchtenau/Stephanskirchen/ Vogtareuth – Sie wollen alle. Aber sie wissen nicht, ob sie dürfen. Und wie es gehen soll. So recht kommen die Gemeinden rund um Rosenheim nicht weiter mit ihren Ferienprogrammen. Zumal auch die Treffen mit den üblichen Verdächtigen, die regelmäßig mit Angeboten dabei sind, heuer dem Coronavirus zum Opfer fielen.

„Normalerweise bin ich um diese Zeit schon lange fertig mit dem Ferienprogramm“, sagt Martina Bühler aus Riedering. Dieses Jahr hat sie jetzt erst ihre Anbieter angeschrieben. Genau wie Christine Eckl in Söchtenau. Und auch Christine Gaßner hat die Vogtareuther Vereine und Organisationen jetzt erst angeschrieben.

Viel Liebgewonnenes
geht 2020 nicht

Da können sich die Vereine gleich Angebote überlegen, bei denen Abstand halten und Hygieneregeln befolgen zu machen wäre. Ramona Wiesböck hat für das Rohrdorfer Ferienprogramm viele alternative Angebote vorliegen, die an der frischen Luft stattfinden. Bei Martina Kettner in Stephanskirchen liegen die Angebote schon seit Monaten vor, aus Zeiten vor der Corona-Pandemie. „Etliche Veranstaltungen gehen nicht mehr“, sagt sie.

„Natürlich hat das Virus massive Auswirkungen“, sagt auch Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes. Die Spielstadt Mini-RO ist abgesagt, auch Fahrten und Übernachtungen fallen flach. „Wir hoffen, dass möglichst viel stattfinden kann“, so Fischer. Allerdings müsse das Gesundheitsministerium die Jugendarbeit, die derzeit noch ruht, erst wieder freigeben, „sonst hat sich‘s eh erledigt“.

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums teilte auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit, dass noch nichts entschieden sei, der Ministerrat habe das Thema zwar auf dem Schirm, sich aber noch nicht geäußert. Eine Entscheidung hänge natürlich ab vom weiteren Infektionsgeschehen und falle frühestens Anfang bis Mitte Juni. Mehr könne sie leider aktuell nicht sagen.

Alle Organisatoren der Ferienprogramme in den Gemeinden sind sich einig, dass ein Angebot für die Sommerferien dieses Jahr vermutlich so nötig ist, wie selten zuvor. Denn Sandburgenbauen am südlichen Strand ist schwierig bis unmöglich. Für viele heißt es heuer „Ferien dahoam“. Und „die Kinder wollen doch auch mal wieder unter Kindern sein“, weiß Martina Kettner.

Auch viele Eltern hoffen auf ein Ferienprogramm, hat Johannes Thusbaß bei einer Blitzumfrage in Prutting festgestellt. Sabine Kellermayer, für das Großkarolinenfelder Ferienprogramm zuständig, ist ebenfalls sicher, dass der Bedarf da ist. Bei Kindern und Eltern.

Abspecken
ist nötig

20 bis 30 Veranstaltungen im Rahmen des Ferienprogrammes, wie sie auch Sabine Kellermayer meist im Angebot hat, das ist in den Gemeinden normal, in größeren Gemeinden sind es zum Teil mehr. Aber die normalen Zahlen, da sind sich alle Ferienprogramm-Verantwortlichen einig, die werden in diesem Jahr sicher nicht erreicht. Bei Martina Schmidbauer in Schechen gibt es erst ein halbes Dutzend Rückmeldungen. „Da stellt sich schon die Frage, ob wir weiterplanen.“ Das will Christine Eckl unbedingt, denn „jede Aktion ist besser als keine“.

Für die Vereine und Organisationen ist es problematisch, Angebote zu machen, denn Vieles geht einfach nicht. „Bowling und Kegeln ist bei uns immer sehr gefragt, das wird heuer schwierig“, sagt Christine Gaßner. Stockbrot und Gruselgeschichten am Lagerfeuer und danach im Acht-Kinder-Zelt in den Schlafsack kriechen – im Sommer 2020 kaum denkbar. Der vor allem bei den Buben so beliebte Besuch bei der Feuerwehr? Könnte schwierig werden.

„Handwerkliche Geschichten, bei uns zum Beispiel Körbe flechten, und das draußen, das geht eher“, sagt Johannes Thusbaß, und seine Kolleginnen in den anderen Gemeinden sehen das ähnlich. Suchen zudem nach Alternativen. „Bei uns könnte ich mir Eselwanderungen vorstellen“, erzählt Martina Bühler. Nur Geschwister bei einem Tier und mehrere Tiere in großem Abstand, das könnte gehen, hofft sie. Christine Eckl denkt schon darauf herum, wie die Kinder-Olympiade abzuwandeln wäre und Christine Gaßner könnte sich eine Bildersuchfahrt in und um Vogtareuth vorstellen. Nur für Kinder mit dem Radl oder für Familien mit Auto.

Auf Ferienprogramm-Hefte haben heuer alle Gemeinden verzichtet – da wäre der Vorlauf einfach zu groß gewesen. Etliche Gemeinden haben auf ihrer Internetseite schon einen Infopunkt zum Ferienprogramm, andere richten ihn gerade ein. „Das hat letztes Jahr bei uns gut funktioniert“, berichtet Ramona Wiesböck. In Rohrdorf lief es 2019 noch parallel mit Heft und schriftlicher Anmeldung oder mit Anmeldung online, für dieses Jahr war ohnehin nur noch die Online-Anmeldung vorgesehen. Auch in Stephanskirchen setzt man vollständig auf die Online-Anmeldung. In anderen Gemeinden war die Anmeldung über Sammelboxen in den Schulen oder Briefkasten am Rathaus noch gängig. Die Schulvariante fällt aus bekannten Gründen aus. Ebenso wie Anmeldetage, wo sämtliche Veranstaltungen gebucht und bezahlt werden sollten. Der Briefkasten am Rathaus wird in anderen Gemeinden noch genutzt werden, beispielsweise in Schechen.

Haftungsfrage
ist ein Thema

Dass für das eine oder andere Angebot die Zahl der teilnehmenden Kinder begrenzt werden müsste, da sind sich die Verantwortlichen einig. Notfalls muss gelost werden, wer darf und wer nicht.

Und dann ist da auch noch die Frage der Haftung. Falls trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch ein Lauser nicht nur gute Laune, sondern auch da Virus mit nach Hause bringt. Ob der Ministerrat da eine von der Norm abweichende Regelung treffen will und wird, stellt sich noch heraus.

So lange wollen die Gemeinden auch ihre Entscheidung offenhalten, ob sie nun ein Ferienprogramm anbieten. Johannes Thusbaß hat in Prutting zwar für seine jüngsten Bürger die Mittagsbetreuung in den Pfingst- und Sommerferien sichergestellt, sagt zum Ferienprogramm aber ganz klar: „Wir versuchen es. Und wenn es nicht geht, ziehen wir die Notbremse.“ Und das, sagt Martina Kettner, notfalls auch noch am Tag vor der Veranstaltung.

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