Amerang – Mathias Schneider ist Ortsheimatpfleger mit einem großen Faible für Kunst und Geschichte. Als selbstständiger Holzbildhauer ist er mit der „Expedition Hoiz“ erfolgreich.
Wie definiert sich Heimat? „Heimat ist dort, wo man lebt und sich heimisch fühlt“, sagt Mathias Schneider. Das sei weit mehr, als der Platz, an dem man wohne. Auch Identität oder Mentalität aber auch Kultur- und Baudenkmäler, Brauchtum und Ortsgeschichte kommen ihm da in den Sinn. Kurz gesagt: Zeitzeugen von unschätzbarem Wert – manchmal auch als „alter Krempel“ abgetan – die Einblicke in das Leben vergangener Generationen gewähren.
Das schaffe ein Gefühl der Zugehörigkeit und auch Verständnis füreinander und genau das möchte der neue Ameranger Ortsheimatpfleger für die Kindeskinder erhalten. Er sieht sich als Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Entdecken, bewahren und vermitteln
Die Voraussetzungen dafür sind bestens. Der angestellte Schreiner und selbstständige Holzbildhauer arbeitet seit gut zehn Jahren mit Kirchenmalern und Restauratoren zusammen, um Altes fachgerecht und möglichst originalgetreu zu erhalten.
Nicht zuletzt berufsbedingt, hat er neben handwerklichen und kreativen Fähigkeiten auch den Blick fürs Detail und historische Hintergründe. Schon als Kind hat sich der gebürtige Traunwalchener für Geschichte interessiert. Mit großer Begeisterung hat er mit seinen Eltern Museen, Burgen und Schlösser aber auch Kirchen und Klöster besucht. Das Eintauchen in die Ortsgeschichte geht in seiner Aufgabe als Heimatpfleger natürlich tiefer. „Entdecken, aufdecken, bewahren und vermitteln sind die vier Schlagwörter“, erzählt der Wahl-Ameranger, der seit 2015 mit seiner Ehefrau, der Malerin Elvira Schmidt, in Ellerding lebt. Man finde überall in der Gemeinde Spuren aus der Vergangenheit. Dabei gebe es viel Neues zu entdecken und genau das sei der Reiz der Aufgabe. Nachdem aufgrund der Corona-Krise sein Betätigungsfeld ein wenig eingeschränkt sei, lernt der 39-Jährige, der sich selbst in der Einarbeitungsphase sieht, momentan sich wissenschaftlich in geschichtliche Themen einzuarbeiten.
Das historische Archiv ist derzeit im Aufbau. In naher Zukunft will Schneider die Sammlung erweitern und Geschichten, Biografien und Bilder in der Gemeinde zusammentragen. „Wir freuen uns über jede interessante Spende für das Archiv oder die Sammlung, damit die Gemeindegeschichte weitergeschrieben werden kann“, sagt Schneider. Zudem hat der gelernte Schreiner ein Herzensprojekt. „Ich möchte nachforschen, wie gerade Handwerker früher lebten. In einer Hofmark wie Amerang hatten sich sehr viele Spezialisten angesiedelt. Sie haben ihre Spuren hinterlassen, und die versuche ich zu verstehen“, sagt Mathias Schneider und ist dabei voll in seinem Element, denn er ist selber Handwerker.
Mit seiner Tätigkeit als Holzbildhauer schließt sich der Kreis, denn auch in diesem Metier spielen Material und Arbeitstechniken früherer Meister eine große Rolle.
Der Werkstoff Holz hat es dem gelernten Schreiner angetan. Die dreijährige Ausbildung zum Holzbildhauer machte den Beruf schließlich zur Berufung. „Die Faszination liegt für mich darin, aus einem Stück Holz scheinbar Unmögliches möglich zu machen und noch feiner, noch größer noch spektakulärer zu arbeiten und den künstlerischen Vorstellungen Ausdruck zu verleihen. Dafür brenne ich“, schwärmt Schneider, der seine Skulpturen und seine Schnitzkunst auch schon bei Markus Wasmeier im Freilichtmuseum Schliersee präsentierte. Seit 2015 macht der Holzbildhauer mit Ehefrau Elvira auch künstlerisch gemeinsame Sache und begibt sich auf die „Expedition Hoiz“. Die beiden Künstler bearbeiten Holzfundstücke und regionale Hölzer mit Zeitspuren. Mathias Schneiders Figuren entstehen teilweise aus Vorbildern in der Kunstgeschichte. Elvira Schmidt schafft es, vergessene und verstaubte Bretter, Truhendeckel, Türen und Fensterbretter mit Acrylmalerei und Collage-Elementen aus Fundbüchern wach zu küssen. Ganz nach ihrer beider Lebensg’fui: „Der Chiemgau ist unser Lebensort. Die Landschaft unsere Quelle. Amerang ist angenehm anders und unsere Kunst auch.“