Aschau – Reger Trubel an der Bushaltestelle, volle Schulbusse am Morgen, Mittag und Nachmittag – so sah der Alltag in den Schulbuslinien noch bis Mitte März aus. Dann kam die Schulschließung. Seit 4. Mai werden die Schulen wieder stufenweise geöffnet. Für Busunternehmer Gerhard Reiter aus Aschau bedeutet das die Wiederaufnahme seiner Schulbuslinien. Doch noch finden nicht alle Fahrten statt. Auch bei der Entschädigung für den coronabedingten Ausfall reagieren die Kommunen unterschiedlich.
Noch sind wenige
Schüler unterwegs
„Seit 14 Tagen fahren wir wieder mit reduziertem Umlauf“, sagt Gerhard Reiter, Inhaber des Aschauer Omnisbusunternehmens Reiter. Seit diesem Montag, 18. Mai, gehen auch wieder die Erstklässler in die Schule. Schulschluss ist derzeit um 11.30 Uhr. Die Linie um 13 Uhr und die Busse am Nachmittag entfallen nach wie vor. Und noch hält sich auch die Zahl der Schüler in Grenzen: „Die ersten Tage waren sehr ruhig. Noch gehen ja nicht alle Klassen wieder in den Unterricht“, sagt Reiter.
Zudem habe er den Eindruck, dass viele Schüler von ihren Eltern in die Schule gebracht werden, statt den Schulbus zu nehmen. „Auch in unserem Linienverkehr, den wir auch während der Ausgangsbeschränkungen aufrecht erhalten haben, fahren noch immer sehr wenige Gäste mit“, sagt Reiter.
Im Auftrag der Gemeinden Stephanskirchen und Riedering betreibt Reiter die Schulbuslinien zur Annette-Thoma-Grundschule in Riedering und zur Otfried-Preussler-Schule in Stephanskirchen. In Aschau sind die Schulbuslinien in den regulären Linienverkehr eingebunden. Seit Montag hat er etwa 20 bis 25 Schüler pro Bus an Bord. Die Einhaltung von Mindestabständen sei bislang noch kein Problem. „Außerdem gelten diese nicht zwingend für den öffentlichen Nahverkehr und den Schulbus“, sagt er. Der Mindestabstand solle zwar bei Möglichkeit eingehalten werden, sei aber im Schulbus nicht verpflichtend. Dafür gilt die Maskenpflicht. Es sollten zudem in den Bussen sowie an den Haltestellen und in der Schule die allgemeinen Hygieneregeln eingehalten werden. Die Gemeinden Riedering und Stephanskirchen hätten laut Reiter reagiert und Markierungen am Boden der Bushaltestellen angebracht. In den ersten Tagen seien die Schüler sehr ruhig gewesen. Mit zunehmender Zahl und Zeit sei die Stimmung im Schulbus auch über die Sitzbänke hinweg „quirliger“ geworden. „Kinder sollen das auch sein“, sagt Reiter. Problematisch sei für Gerhard Reiter jedoch der finanzielle Ausfall. Kurzarbeitergeld für seine Fahrer hat Reiter nicht beantragt. Derzeit könne er noch nicht kostendeckend arbeiten. „Wir fahren sozusagen voll in die Miese“, sagt er. Auf kommunale Hilfe für die Vorhaltekosten – quasi die „Grundkosten“ des Fahrzeugs wie unter anderem Steuer, Versicherung, Betriebskosten, Abschreibung – habe er gehofft. Aber einige Kommunen wollen für diesen Ausfall nicht zahlen. Man berufe sich auf die Rahmenverträge, wonach nicht durchgeführte Fahrten nicht bezahlt werden. „Manche übernehmen 66 Prozent, andere 80 und manche wollen gar nichts zahlen“, sagt Reiter. Auch der Landkreis beauftragt Unternehmen für die Bereitstellung von Schulbuslinien. Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen erklärt Pressesprecher Michael Fischer, dass das Landratsamt Rosenheim 66 Prozent der Vorhaltekosten übernimmt. „Diese zwei Drittel dienen dazu, die Fixkosten des Unternehmens zu decken“, sagt Fischer. Entfallen seien bestimmte Fahrten, die laut Fahrplan nur an Schultagen stattfinden, und die Kleinbusse für Kinder im Förderschulbereich.
Nicht alle
Kommunen helfen
Doch 66 Prozent reichen nicht aus, um die Fixkosten für die Fahrzeuge zu decken. „Die liegen bei über 80 Prozent“, sagt Reiter. Dabei sind die Löhne für die Busfahrer noch nicht berücksichtigt. Für den Schulbusverkehr erhalten die Kommunen einen Zuschuss vom Land Bayern. Mit der Gemeinde Aschau habe sich Reiter einigen können. Die Gemeinde Riedering bezahle laut Reiter gar nichts.
Am Montag hatte er mit der Gemeinde Stephanskirchen ein Verhandlungsgespräch geführt. „Ich bin positiv überrascht. Die Gemeinde übernimmt etwa die Hälfte der Vorhaltekosten. Damit ist uns schon geholfen“, sagt er. Bei dem Gespräch sei aufgefallen, dass Reiter seit 21 Jahren den Preis für die Beförderung der Schüler nicht erhöht hat. Auch künftig wolle er am gleichen Preisniveau festhalten. „Die Kommunen haben ja auch finanzielle Ausfälle. In Krisenzeiten muss man sich gegenseitig entgegenkommen“, so Gerhard Reiter.