Großkarolinenfeld – Steckerlfischduft und Bierzeltmusik wabern durch die Luft, aber Volksfestatmosphäre sieht anders aus. „Es wird in diesem Jahr kein normales Volksfest mehr geben“, ist sich Christian Fahrenschon sicher. Das „Volksfest to go“ in Großkarolinenfeld aber, das wird angenommen. Der Start sei bei Regenwetter etwas verhalten gewesen, „aber jetzt läuft’s“, sagt Fahrenschon. Augenzeugen berichten von großen Essensbestellungen – in einem Fall: zwei Steckerlfische, ein Hendl, zwei Lachsfilet, Riesenbreze, zweimal Obazda, zweimal komplettes Gericht mit Sauce. Auch sein Cousin mit der Burgerbraterei sei sehr zufrieden, so Fahrenschon, oft nähmen die Leute gleich drei, vier Burger auf einmal mit. „Am Sonntag ist er so überrannt worden, dass er mittags ausverkauft war.“ Und auch die heißen, duftenden, gebrannten Mandeln und andere Süßigkeiten fänden guten Absatz. „Schmeckt halt ganz anders als die gebrannten Mandeln, die jetzt in den Supermärkten auftauchen.“
Was Fahrenschon bedauert: Kaum jemand bringt eigene Gefäße mit, seien es die gängigen Kunststoffmarken oder auch Porzellanteller oder -schüsseln, über die dann nur eine Alufolie gespannt werden muss. So müsse er leider auf die Styroporverpackungen zurückgreifen, die Müll verursachen. „Aber in Gmund hat es auch ein paar Tage gedauert, bis es sich eingespielt hat“, ist er optimistisch.
Fahrenschon hatte, als die mögliche Wiedereröffnung für die Gastronomie bekannt wurde, noch einen Antrag gestellt, wenigstens ein paar Tische aufstellen zu dürfen. Er hätte den Gemeinderäten auch gerne sein Konzept vorgestellt, wie das gehen kann, „denn ich werde mich hüten, Mist zu machen, schließlich bewirte ich auch Freunde, Verwandte und Stammgäste“.
Dazu kam es nicht. Zum einen, weil laut Bürgermeister Bernd Fessler am Sitzungstag, dem 12.Mai, noch nicht bekannt war, ob die vorübergehende Gastronomie – und um die handelt es sich in diesem Fall – auch unter diese Regelungen fällt. Und dann waren da noch die Begleiterscheinungen wie Toilettenwagen und dessen Desinfektion. „Da war dem Gemeinderat das Infektionsrisiko zu groß“, so Fessler. Hinzu kam: Man sei Fahrenschons so weit entgegengekommen, dass sie heuer keine Pacht zahlen und da wollte der Gemeinderat nicht noch mit Tischen am Volksfest der lokalen Gastronomie Konkurrenz in den Ort holen, so der Bürgermeister.
Autos und Fahrräder fahren am Volksfestplatz gleich beim Rathaus vor. Die Leute stehen diszipliniert und mit Abstand Schlange fürs Essen, bezahlen und fahren wieder. Geredet wird nach Augenzeugenberichten kaum.
Da hilft auch die Bierzeltmusik vom Band nicht: Volksfeste 2020 „zum Midnehma“ sind, wenn sie denn überhaupt stattfinden, ganz weit weg vom „Prosit der Gemütlichkeit“.