Aschau – „Was bin ich?“ – An diesem Kandidaten und seinem Beruf hätte sich auch das Rateteam von Robert Lembke schon alleine vom Erscheinungsbild her die Zähne ausgebissen. Der 24-jährige Lukas Kraus ist hauptamtlicher Mesner beim Pfarrverband Oberes Priental. Hauptsächlich ist er in der Aschauer Pfarrkirche Darstellung des Herrn beschäftigt. Als Hausmeister kommt er aber auch zu den anderen Kirchen und kirchlichen Einrichtungen des Pfarrverbands in Frasdorf, Sachrang und Umrathshausen.
Jüngster Mesner
der Diözese München
Mit seinen gerade einmal 24 Jahren ist Kraus einer der jüngsten Mesner in der ganzen Diözese von München und Freising: „Normalerweise sind die Mesnerinnen und Mesner ehrenamtlich für die Gemeinde tätig, als Hauptamtlicher falle ich eh schon total aus dem Rahmen und dem Klischee, das die Leute vom Mesnerberuf haben“, sagt er.
Aber wie kommt man denn nun zu diesem Beruf? Bei Lukas Kraus war der Weg irgendwie schon vorgezeichnet: Mit zehn Jahren fing er als Ministrant in der Aschauer Kirche an. Damit sind ihm das Gotteshaus mit all seinen Räumen von der Sakristei bis zur Orgelempore und die weiteren kirchlichen Bauten im Pfarrverband bestens bekannt. Als Ministrant war er natürlich überall in der Kirche zuhause und half in dieser Zeit dem Mesner oder vertrat ihn später auch einmal bei der Vorbereitung und Durchführung der Gottesdienste.
Nach seinem Schulabschluss lernte er zunächst den Beruf des Garten- und Landschaftsbauers. Als klar wurde, dass sein Vorgänger Walter Genzinger in den Ruhestand geht, überlegte er es sich ganz ernsthaft, sich für diese Stelle zu bewerben. Die Ausbildung zum Mesner dauert nicht lange: Bei einem dreiwöchigen Kurs an der Schule in Freising lernen die angehenden Mesner alles, was man dafür wissen muss. „Aber es ist wie so oft im Leben: Die Praxis fordert vieles, was an der Schule gar nicht gelehrt werden kann. Erst daheim in der eigenen Kirche lernt man, was man braucht“, sagt der 24-Jährige.
Im Juli 2019 trat Lukas Kraus seinen Dienst als hauptamtlicher Mesner und Hausmeister in Aschau an. Einen Teil seiner Arbeiten – vor allem die Pflege der liturgischen Gewänder, das Waschen der anfallenden Chorröcke und Tücher sowie den Blumenschmuck – übernahm dabei seine Co-Mesnerin Christa Maurer. Es bleibt jedoch genug zu tun, um eine Sechs-Tage-Woche mit Arbeit zu füllen. „Der Mesner sperrt die Kirche jeden Tag um 8 Uhr auf und um 20 Uhr wieder zu, im Winter bereits um 17 Uhr. Er ist zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang der Erste und der Letzte im Haus – an sechs Tagen in der Woche“, sagt Kraus.
Die Hausmeisterarbeiten nehmen auch einen bedeutenden Anteil seiner Zeit in Anspruch. Doch Rasenmähen und Pflegearbeiten sind keine spezifischen Mesnerarbeiten. Die Renovierungsarbeiten an der Kreuzkapelle sind zeitlich befristet, da gibt es erst danach wieder etwas zu tun, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind.
„Die alltäglichen Arbeiten, das Vorbereiten der Gottesdienstfeiern bei ganz normalen Messen war mir aus vielen Ministrantenjahren in der Sakristei bestens bekannt. Neu waren die großen Arbeiten im Haus, die häufigen Wechsel der Altardecken und des Blumenschmucks und noch vieles, das ich bis dahin immer für selbstverständlich gehalten hatte. Aber irgendjemand musste das auch früher getan haben – jetzt mache ich das“, erzählt der 24-Jährige.
Der Mesner muss eng mit dem Pfarrer, den Diakonen, den Gemeindereferenten, den Ministranten, den Lektoren und den Kommunionausteilern zusammenarbeiten. Auch der Kirchenchor oder die Musik hoch oben auf der Empore haben ihre Wünsche an ihn. „Es gibt nichts in der Kirche, was der Mesner nicht wissen müsste“, sagt Kraus. Auch das erste Weihnachtsfest: „Die gesamte Kirche wurde für das hohe Fest herausgeputzt, denn an den Feiertagen werden besonders viele Kirchenbesucher erwartet. Der Herrgott hatte in diesem Winter ein Einsehen mit mir, dass ich erst im ersten Jahr im Amt war und schickte nur ganz wenig Schnee zum Räumen“. Kaum waren mit dem Patrozinium am 2. Februar die Weihnachtsfeiertage vorbei, ging es los mit der Fastenzeit und den Vorbereitungen auf das Osterfest. Doch dann kam unverhofft Corona – zunächst ganz klein mit dem Verzicht auf Weihwasser und Friedensgruß. Dann wuchs es sich zur Pandemie aus: „Unser schönes Ostern, mein zweites großes Kirchenfest als Mesner war plötzlich abgesagt und statt Weihwasser gab es plötzlich Desinfektionsmittel“.
Corona-Pause
sinnvoll genutzt
Aber ein Mesner kennt kein Nichtstun. Die Zwangspause wurde genutzt, um alle Arbeiten zu erledigen, die immer wieder aufgeschoben worden waren. Die Kirchenbänke wurden geputzt und überholt, die Sitzbezüge und Teppiche gereinigt – lauter Arbeiten, die „ohne Besucherverkehr“ gut zu erledigen waren. Sogar das große Weihwasserfass erhielt eine Generalüberholung und -sanierung. Mit der ersten Öffnung galt es, die Plätze im Kirchenschiff möglichst sinnvoll aufzuteilen und die Gottesdienstbesucher in den Kirchenbänken unterzubringen – zwei Meter vom nächsten Nachbarn entfernt. „Wir hoffen jetzt auf weitere Lockerungen, schließlich bin ich vor allem Mesner und erst in zweiter Linie Hausmeister“, sagt Lukas Kraus.