„Nicht auf Kosten der Einheimischen“

von Redaktion

Gemeinderat Prutting diskutiert Antrag auf Aufstellung eines Tiny Houses

Prutting – Die Nachfrage nach alternativen Wohnformen in Zeiten von Wohnraumknappheit und explodierenden Grundstücks- und Immobilienpreisen wächst stetig. Der Gemeinderat Prutting hat sich in seiner jüngsten Sitzung am 26. Mai ebenfalls mit diesem Thema auseinandergesetzt. Die Idee, alternative Wohnformen in der Gemeinde zuzulassen, stieß auf offene Ohren bei den Gemeinderäten. Da durch die Erschließung eines Grundstücks für ein sogenanntes Tiny House Baugrund für Einheimische verloren gehen könnte, lehnten die Gemeinderäte das Vorhaben aber mehrheitlich ab.

Antragsteller ist
nicht aus Prutting

„Es geht um einen Antrag von Anfang März von einer Person, die in der Gemeinde Prutting häufig und gerne Urlaub macht. Der Antragsteller würde für seine Aufenthalte gerne ein sogenanntes Tiny House aufstellen“, sagte Bürgermeister Johannes Thusbaß (CSU) und eröffnete damit die Debatte. Als Erster meldete sich Sebastian Harster (CSU) zu Wort. „Grundsätzlich finde ich es nicht schlecht, sich alternative Wohnformen anzuschauen“, sagte er. Man solle sich definitiv Gedanken machen, aber nicht auf Kosten der Einheimischen. Der Baugrund für junge Familien ist rar. Dieser Meinung schloss sich auch Gemeinderätin Barbara Stein (FW) an. „Wir brauchen unsere Baugründe selbst“, sagte sie.

„Wenn es sich nur um einen Zweitwohnsitz handelt, dann haben wir ja nicht viel davon“, sagte Petra Linner (CSU). Christoph Vorderhuber (ULP) pflichtete bei, keinen Baugrund für Einheimische zu opfern, wandte aber ein, dass ein Tiny House ja auch auf einem privaten Grundstück stehen könnte. „Früher standen auf den Bauernhöfen ja auch Zuhäusl“, sagte er. Eine eigene Tiny-House-Siedlung lehne er ab. „Man müsste sich schon auch mal anschauen, wie so etwas aussieht. Wir machen uns ja sonst auch immer sehr viele Gedanken über unsere Bebauungspläne“, warf Peter Brunner (CSU/Parteifreie) ein. Gemeinderat Stefan Schöne (FWB) fragte, ob es nicht bereits ein Tiny House in Prutting gebe. Allerdings handelt es sich dabei um ein Gartenhaus.

In diesem Zusammenhang stellte sich das Gremium erstmals die Frage, was ein Tiny House überhaupt ist. Ob es beweglich sei oder fest installiert. (Beides ist möglich; Anm.d.Red.) Vorderhuber sagte, dass der Vorteil dieser alternativen Häuser darin läge, dass man sie schnell auch wieder abbauen könnte – ohne dabei alles einreißen zu müssen.

Auch für einen
Campingplatz

Auch die Idee eines Campingplatzes auf einem der Seegrundstücke der Gemeinde am Simssee stieß nicht auf taube Ohren. Mehrere Gemeinderäte sprachen sich für diese Variante als Möglichkeit aus.

Barbara Stein lenkte die Diskussion dann aber wieder auf den Ursprung: „Was sagen wir denn nun unserem Antragssteller? Ich würde vorschlagen, wir teilen mit, dass wir an dem Thema dranbleiben, aber derzeit kein Grundstück zur Verfügung haben“, sagte sie. Christoph Vorderhuber schlug vor, sich die Bauordnung der Gemeinde genauer anzuschauen, um zu sehen, was diese in Sachen alternatives Wohnen hergibt. „Ich schlage vor, wir behalten die Idee mit dem Campingplatz und der Bauordnung auf dem Schirm“, sagte Thusbaß abschließend. Der Gemeinderat sprach sich einstimmig gegen eine Zustimmung zum Antrag aus.

Was ist ein Tiny House?

Das Konzept der sogenannter Tiny Houses stammt aus den USA. Tiny Houses haben meist eine Wohnfläche zwischen 15 und 45 Quadratmetern. Für alleinstehende Personen sind funktionale Konzepte mit bis zu 20 Quadratmetern umsetzbar. Familien können ein größeres Tiny House mit einer Wohnfläche bis etwa 40 Quadratmetern beziehen. Es gibt mobile Tiny Houses auf Rädern sowie fest installierte Wohneinheiten.

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