Aschau – „Wir haben seit dem ersten Spatenstich im Mai des letzten Jahres mit mittlerweile 57 Prozent über die Hälfte unserer Bauarbeiten bei der Erschließung und Versorgung des Ortsteils Staffelstein auf der Kampenwand getan und sind schon auf einer Höhe von 1360 Metern angekommen.“ Dies erklärte Florian Solfrank vom Aschauer Tiefbauamt dem Gemeinderat bei der Sitzung in der Festhalle zum aktuellen Stand des Jahrhundertbauwerks auf der Kampenwand.
3430 Meter Leitungen bislang verlegt
„3430 Meter Wasserrohre, Abwasserleitungen, Telekommunikationsleitungen und Stromkabel wurden bisher im Graben verlegt“. Die Bauarbeiten gehen planmäßig voran und werden voraussichtlich im November 2020 nach anderthalb Jahren Bauzeit abgeschlossen sein. 854 Meter Höhendifferenz liegen zwischen dem niedrigsten Punkt am Fuß der Kampenwand bei Fuchslug bis zum Scheitelpunkt der Rohrstrecke bei 1484 Metern. Alleine für den Leitungsbau stehen 2,75 Millionen Euro zur Verfügung, 1,04 Millionen Euro wurden davon bisher verbraucht.
Die Baumaßnahmen erfolgen in diesem sensiblen Berggebiet unter größten Auflagen durch die Behörden und gestalten sich für die ausführende Baufirma LKS aus Berchtesgaden daher schwierig. „Der felsige Boden stellt für die Firma mit ihrer großen Erfahrung im Leitungsbau auf dem Berg kein so großes Hindernis dar, wie wir es zunächst befürchtet haben.“ Bislang gab es nur an wenigen Stellen ernsthafte Probleme mit dem Untergrund. Der Graben konnte durchgehend auf 1,70 Meter Tiefe ausgehoben werden. „Ein paar Mal mussten wir mit dem Bohrmeißel ins Gestein gehen, der ‚Specht‘ hat uns den Weg geebnet. An einer Stelle ging es aber auch mit Bagger und Meißel nicht mehr weiter, da mussten wir im Hohlweg auch einmal sprengen. Aber das stellte die absolute Ausnahme dar“, so Solfrank.
Ökologische Baubegleitung
Für die ökologische Baubegleitung wurden die beiden Öko-Fachleute Magister Irmgard Silberberger und Dr. Manfred Föger aus Österreich verpflichtet, die ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der naturschutzrechtlichen Forderungen haben. Auch unmittelbar neben den vielbegangenen Wegen der Kampenwand gibt es wertvolle Biotope, die es zu erhalten und zu schützen gilt. Neben der Pflege der Almweiden und der Almpflanzen müssen bei den Arbeiten die Balz- und Brutzeit der Birkhühner beachtet und die Lebensräume der Berg- und Feuersalamander geschützt werden. Daher waren bis zum 31. Mai keine Arbeiten über 1360 Metern erlaubt, bis zum 31. Juli ist die tägliche Arbeitszeit auf die Zeit zwischen 8.15 Uhr und 20 Uhr beschränkt, und Hubschrauberflüge zur Materialversorgung dürfen nur im August stattfinden.
Die Bauarbeiten finden meist unmittelbar neben der ausgebauten Straße zur Versorgung der Almen statt, diese Straße wird intensiv von den Materiallastwagen genutzt. „Die Mountainbiker auf dem Weg zur Kampenwand und vor allem auf ihrem Weg zurück müssen schon die Augen offenhalten und die Geschwindigkeit anpassen, um nicht in die Baustelle oder einen der Lastwagen zu brettern wenn die Bauarbeiten wieder in vollem Umfang beginnen“, sagt Solfrank.
Die Gemeinde Aschau will künftig das Abwasser von allen Berggaststätten und Almen im Kampenwandgebiet sammeln und im Tal in die bestehende Kanalisation einleiten. Bisher wurde das Schmutzwasser in Kleinkläranlagen nach dem Dreikammernsystem gesammelt, das gereinigte Wasser versickerte unkontrolliert auf dem Berg und kam irgendwo im Tal wieder zum Vorschein. Zugleich wird das gesamte Gebiet an die gemeindliche Wasserversorgung angeschlossen. Der tägliche Anfall an Abwasser ist so hoch wie bei einem Dorf mit 500 Einwohnern, 3000 Kubikmeter Wasser werden jeden Tag verbraucht.
Künftig werden die saisonalen Schwankungen der almerischen Wasserversorgung entfallen und die bestehenden Quellen ausschließlich für die Versorgung des Viehs zur Verfügung stehen. Das Bayernwerk nutzt die notwendigen Erdarbeiten für Abwasser und Wasser, um durch eine neue Netzanbindung zeitgleich eine moderne Energie- und Stromversorgung zu gewährleisten.
Bislang werden die Almen eigenverantwortlich und dezentral mit Strom versorgt, diese Dieselgeneratoren sollen künftig wegfallen. Schließlich wird im offenen Baugraben noch ein Leerrohr für eine künftige Ausstattung der Almen und Berggaststätten mit einem Glasfaserkabel verlegt.
Abwässer werden
ins Tal geleitet
5,3 Kilometer Abwasserrohre müssen insgesamt verlegt werden, dazu 7,3 Kilometer Wasserleitung; das Bayernwerk steuert ein vier Kilometer langes neues 20 kV-Kabelsystem bei. Drei Hochbehälter und mehrere Pumpstationen sorgen für die Trinkwasserversorgung, das Abwasser kommt im freien Fall weitgehend ohne mechanische Hilfen zu Tal ins bestehende Kanalsystem.
Erstmals kommt bei dieser Baumaßnahme das Berghüttenförderprogramm des Freistaates zum Einsatz. Von den veranschlagten Gesamtkosten von 4,3 Millionen Euro übernimmt der Freistaat 2,9 Millionen Euro, rund 75 Prozent. Der verbleibende Rest wird zwischen der Gemeinde Aschau und den Nutzern aufgeteilt.