Der Weg des Glaubens als Weg zu sich

von Redaktion

Das eigene Leben als Dienst für die Gemeinschaft, für den Glauben und die Botschaft Jesu: Josef Schmid ist 28 Jahre alt, Pastoralreferent in Aschau und wurde jetzt zum Diakon geweiht. Den OVB-Heimatzeitungen erzählt er, warum er Priester werden will.

Aschau – Das Leben eines Priesters ist voller Entbehrungen – das denken viele junge Menschen. Dann lieber eine Ausbildung oder ein Studium, dann folgt die Karriere und eventuell die Familienplanung. Josef Schmid, Priesteramtskandidat im Pastoralkurs in der katholischen Pfarrgemeinde Aschau, hat sich aber für ein Leben in der Kirche entschieden. Wenn auch eher zufällig.

„Nach dem Abitur 2011 wusste ich nicht, was ich machen will. Also habe ich Elektrotechnik in München studiert“, sagt der 28-Jährige. Zwei Semester habe er es versucht, bis er merkte, dass ihm der menschliche Kontakt fehlte. Dann war ihm klar: „Das ist nicht das Leben, das ich führen möchte.“

Früher war er ein „Alltagskatholik“

Seine Familie bezeichnet der gebürtige Partenkirchener als „alltagskatholisch“. „Bei uns wurde vor dem Essen gebetet und sonntags ging‘s zur Messe“, sagt Schmid. Auch Ministrant sei er gewesen. Impulse vonseiten der Eltern, er solle Priester werden, gab es aber nicht. Der neue Pfarrer seiner Heimatgemeinde sei auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, wie es ihm eigentlich so gehe. Schmid habe ihm daraufhin erzählt, dass er nicht so zufrieden sei im Studium. „Dann hat der mich angeschaut und gefragt: ‚Magst nicht Pfarrer werden?‘“, erinnert sich der Priesteramtsanwärter.

Zunächst habe er noch überlegt, Lehramt zu studieren: Mathe und Religion. Doch die Idee, er könnte wirklich Pfarrer werden, ließ ihn nicht los. Also ging er auf „gut Glück“ zum Priesterseminar und unterhielt sich dort mit dem Seminarleiter. „Der riet mir ganz locker, es einfach mal auszuprobieren“, sagt Schmid. 2013 begann er das Propädeutikum – eine Einführung in das Leben des Priesterseminars. Im vergangenen Jahr beendete er sein Magisterstudium der Theologie an der LMU München. Seit September 2019 ist er Priesteramtskandidat im Pastoralkurs in Aschau. Am Samstag wurde er in München von Kardinal Marx zum Diakon geweiht.

„Das Studium war sehr fordernd. Weil man denkt auch sehr viel über das Leben nach“, sagt der 28-Jährige.

Das Singenlernen sei bei ihm auch „ganz schwierig“ gewesen. Auch das Priesterseminar fordere einen, sich stark mit den eigenen Werten und Sehnsüchten auseinanderzusetzen. „Ich habe mich sehr lange damit befasst, was eigentlich Beten bedeutet – und Sehnsucht“, sagt er.

Und wonach sehnen sich angehende Priester? „Die vergangenen Wochen waren sehr stressig. Ich war immer auf Achse, musste jeden Tag sehr früh aufstehen“, sagt er. Auch zukünftige Priester könnten Morgenmuffel sein. „Deswegen wünsche ich mir, dass die Freude darüber, als Diakon geweiht zu sein, jetzt auch im Herzen ankommt“, sagt Schmid. Langsam käme er zur Ruhe und spüre diese auch.

Doch ein Leben für den Glauben bedeutet für katholische Priester auch ein Leben im Zölibat. Keine Frau, keine eigenen Kinder. „Das ist eine sehr intime Entscheidung, die man treffen muss“, sagt der 28-Jährige. Besonders wichtig sei, dass es eine Entscheidung ist und kein Zwang, zu dem man sich genötigt fühlt. „Ich will mit meinem Leben für eine Hoffnung einstehen, die ich während meines Lebens kennengelernt und erfahren habe.

Und deswegen ist das für mich okay. Ich habe das Vertrauen, diesen Schritt zu gehen“, sagt Schmid.

Auch die Negativ-Schlagzeilen über die katholische Kirche – die Missbrauchsaffären und Korruptionsskandale – sind für Schmid kein Grund, der Kirche den Rücken zu kehren. „Im Priesterseminar spricht man auch ganz offen über diese Themen“, erzählt Schmid. Die Kirche stehe für ein Ethos, für Werte, die sie im Missbrauchsskandal und in der Korruption verfehlt hat, meint er.

Die Corona-Krise sei eine Möglichkeit gewesen, wieder näher an die Menschen heranzutreten. „Viele Kirchengemeinden haben das sehr gut gemacht. Aber man hätte die Menschen noch mehr abholen müssen. Gerade in dieser Zeit. Und man hätte als kirchliche Gemeinschaft stärker aufstehen können. Zum Beispiel um der Frage öffentlich nachzugehen: Ist Beten mit Maske wirklich gemeinsames Beten?“, sagt er.

Doch Schmid unterscheidet auch ganz klar zwischen der Kirche als Institution und Kirche als Gemeinschaft. „Das Essenzielle ist die Botschaft Jesu. Das ist auch das, was mich ruft“, sagt er. Glaube sei auch immer die Suche. Und man dürfe nicht aufhören zu suchen, müsse ehrlich sein. Auch zu sich selbst.

„Deswegen will ich als Priester auf der Suche nach Gott auch berührbar bleiben. Aber vor allem möchte ich für die Menschen da sein und die frei machende Botschaft Jesu weitergeben.“

Sich auf die
Menschen einlassen

Schmids Chef, Pfarrer Paul Janßen, ist ebenfalls überzeugt, dass Schmid ein guter Priesteramtskandidat ist. „Seine Persönlichkeit ist geprägt von der Bereitschaft, voll da zu sein, sich auf alle Aufgaben einzulassen“, sagt er. Schmids Stärke läge laut Janßen aber vor allem darin, sich auf die Menschen und deren Geschichten einzulassen.

„Der Beruf des Pfarrers hat eine große Bandbreite und auch viele organisatorische Aufgaben. Jetzt muss Josef nur noch in diese vielen Aufgaben hineinwachsen“, sagt Pfarrer Janßen.

Und dafür hat Schmid noch Zeit. Am 26. Juni 2021 wird er zum Priester geweiht. Als Diakon darf er jetzt aber schon mal trauen und taufen – sobald das wieder möglich ist. An Aschau gefalle ihm besonders gut, dass die Menschen am Gemeindeleben teilnehmen. „So wie es jetzt ist, damit geht‘s mir richtig gut“, sagt Josef Schmid.

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