Als Heimatabende noch boomten

von Redaktion

Erinnerungen eines Chiemgauer Humoristen und Musikers an vergangene Tage

Frasdorf/München – Auf Spurensuche im Chiemgau war der in Hendenham bei Frasdorf aufgewachsene Humorist Werner Fütterer. Jahrzehntelang waren mit Beginn der Heimatabend-Saison seine Auftritte mit Gitarre, Mundharmonika und viel Witz eine Zugnummer für Einheimische und Gäste. Über 500 Heimatabende allein für den Trachtenverein „Edelweiß“ Niederaschau sind es gewesen, an denen Werner Füller mitgewirkt hat. Mitte der 50er-Jahre war der erste und vor fünf Jahren machte Füller – ebenfalls in der Festhalle von Aschau – seinen Schlusspunkt.

2500 Auftritte in Bayern und der Welt

Dazwischen liegen gut 2500 Auftritte als Mitglied einer Musikgruppe oder als Solist in Form eines musizierenden Ansagers – im Chiemgau, in Bayern, national und international. Unnachahmlich war sein zeitgleiches Spiel mit Gitarre und Mundharmonika. Diese bewegte er – ohne dabei seine Hände zur Hilfe zu nehmen – zwischen den Zähnen und entlockte ihr so bekannte Melodien. Dabei begleitete er sich selbst auf der Gitarre. „Mein Zahnarzt hat am Anfang nicht verstanden, warum ich bei meinen Zähnen eine Lücke brauche. Aber als ich ihm einmal in seiner Praxis vorspielte, war auch er begeistert“, erinnert sich Werner Fütterer an seinen Start.

Die Ansage der ersten Heimatabende in Aschau vereinbarte er mit dem damaligen Vorsitzenden der „Edelweißer“, Paul Kink, Großvater des heutigen und gleichnamigen Vorsitzenden. Auch dessen Vater war viele Jahre Vorsitzender beim Trachtenverein Niederaschau gewesen, ebenso wie dazwischen Heinz Scheck. Alle zusammen hatten viel Freude und Gaudi bei den Heimatabenden, die viele Jahre immer eine voll besetzte Festhalle brachten.

Kaum Interesse an Brauchtumsabenden

Erst in den vergangenen paar Jahren hat das allgemeine Interesse an Heimatabenden nachgelassen. Inzwischen sind sie rar geworden. Früher war es in Aschau Brauch, dass die Heimatabend-Saison ab Pfingsten losging. Bis zum Herbst gestalteten jeweils die Niederaschauer sowie die Hohenaschauer Trachtler in der Festhalle acht Heimatabende. Während Werner Fütterer, der im 88. Lebensjahr steht, für Niederaschau ansagte, war für Hohenaschau der auch heute noch mit 93 Jahren rüstige Ernst Rupp aus Prien als Ansager auf der Bühne.

Fütterer war schon bald ein gefragter Mann. Zufällig kam er bei einem Münchner Auftritt mit dem 2015 verstorbenen Jodler Franzl Lang ins Gespräch. Daraus entwickelte sich eine langjährige Freundschaft. „Mit Franzl Lang war ich mehrmals in Südtirol, andere Auftritte führten mich unter anderem nach Frankreich, in die Niederlande, nach Dänemark, nach Schweden, in die Schweiz und natürlich des Öfteren auch nach Österreich“, sagt Fütterer.

Bei den Auftritten in Tirol habe er sich mit den Kasermandeln Klaus und Ferdl, einem Tiroler Volksmusikanten-Duo, angefreundet. Er hätte die Auftritte sogar zu seinem Beruf machen können, erzählt der 87-Jährige. Doch dies wollte er nicht. Denn nach seinem ersten Beruf als Milchfahrer für die damalige Aschauer Molkerei wechselte er in die Justizvollzugsanstalt nach Bernau und er hielt lieber enge und freundschaftliche Verbindung mit den Chiemgauer Trachtenvereinen. Von 1970 bis zu seiner Pensionierung 1983 war er schließlich als Beamter im Justizdienst in München-Stadelheim tätig.

Auf Spurensuche
in Frasdorf

Von München aus, seinem inzwischen langjährigen Wohnsitz, machte er sich dieser Tage wieder auf den Weg ins Chiemgau, um alte Freunde zu besuchen. Unter anderem traf er sich mit dem langjährigen Musikmeister der Priener Blaskapelle, Peter Huber. Gemeinsam haben sie nicht nur viele Heimatabende mit den Trachtenvereinen Prien und Atzing im Großen Kursaal in Prien erlebt. Oftmals ging es auch gemeinsam auf Reisen: unter anderem nach Hasselbach im Hochtaunus und nach Steinhagen in Westfalen.

„Das waren noch Zeiten. Die Säle und Festzelte waren voller Leute, die schier aus dem Häuschen waren und getanzt wurde auch viel mehr als heute, sagt der heute 82-jährige Peter Huber. Bei den Heimatabenden im Chiemgau, aber auch in Niederbayern und im Berchtesgadener Land konnte Füller Kontakte knüpfen, die unter anderem zu Einladungen für Auftritte in Frankfurt oder an den Weissenhäuser Strand führten.

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