Blechblasinstrumente made in Aschau

von Redaktion

Er ist einer der Letzten in Bayern und einer der Wenigen in ganz Deutschland, die dieses Handwerk noch am Leben erhalten: Peter Baumann aus Aschau baut Blechblasinstrumente. Musiker aus Japan, Australien und Europa zählen zu seinen Kunden.

Aschau – „Ich liebe das, was ich mache. Deshalb funktioniert es“, sagt der Blechblasinstrumentenbaumeister Peter Baumann (52) über seinen Beruf. Musiker und Instrumente gibt es viele – dank der Musikschulen und der frühen musikalischen Bildung bei Kindern sei ein Riesenbedarf an Blasinstrumenten entstanden, sagt Baumann. Dieser wird vor allem durch industriell gefertigte Instrumente gedeckt.

Kundschaft aus
der ganzen Welt

Eine Baumann-Trompete, ein Flügelhorn oder Bariton ist dagegen etwas ganz Besonderes. Musiker aus der ganzen Welt schätzen die über 30 Jahre lange Erfahrung Peter Baumanns. Egal ob aus Japan, Italien, Australien oder Hayingen – sie alle kommen nach Aschau.

Wer meint, er könne sich im Laden einfach eine fertige Trompete oder ein Flügelhorn mitnehmen, der ist an der falschen Adresse. „Ich bin Instrumentenbauer und kein Instrumentenladen“, sagt Baumann. Jedes Instrument ist einmalig. Die Kunden suchen sich in der Werkstatt eine Instrumenten-Variante aus, die zu ihnen und ihren Fähigkeiten passt. Baumann baut sie ihnen nach Maß. „Ich muss wissen: Was spielt der Musiker – Orchester oder Kammermusik? Was kann er, welche Stärken muss ich betonen, welche Schwächen ausgleichen?“, erklärt er.

Aus den Teilen einer Trompete können 78 verschiedene Varianten des Instrumentes gebaut werden. Ein Jahr müssen die Kunden üblicherweise auf ihr Instrument warten. Dann ist es fertig – und einmalig auf der Welt. Zum Abholen kommen die Kunden wieder in seinen Laden. „Es ist schön, zu sehen, wenn die Leute ihr Instrument abholen und total begeistert sind. Viele sparen ewig dafür und die Reise nach Aschau. Da kann es schon passieren, dass ein Kunde nasse Augen hat, wenn er sein Instrument zum ersten Mal in den Händen hält“.

Konzerttrompeten, Jazz-Trompeten, Flügelhörner, Basstrompeten, Ventil-Posaunen, Tenorhörner und Baritone entstehen in der Werkstatt. Allerdings nimmt die Anfertigung eines einzigen Instruments so viel Zeit in Anspruch, dass Baumann im Monat maximal drei bauen kann. Das macht im Jahr 30 bis 35 Instrumente. Davon sind etwa zehn Basstrompeten. Diese sind zusammen mit dem Flügelhorn Baumanns Spezialität.

„Corona hat für mich keine Beschränkungen gebracht, da Wohnung und Werkstatt in einem Haus sind. Ich habe keinen Arbeitsweg und muss das Haus nicht verlassen. Die Bestellungen liegen für das ganze Jahr vor und werden nach und nach abgearbeitet. Da fast alle Arbeitsschritte im Haus erfolgen, gab es auch keine Engpässe bei Einzelteilen. Ich kann arbeiten“.

Aber wie wird man Blechblasinstrumentenbaumeister? Bei Baumann fing alles damit an, dass er in der Jugendblaskapelle in Rosenheim das Flügelhorn spielte und ein gutes neues Instrument haben wollte. Das gab es bei Instrumentenbauer Axel Müller in Brannenburg – kostete aber viel Geld. Der junge Peter Baumann brachte das Geld zusammen. Müller baute das Flügelhorn nach Maß.

Der Kontakt blieb bestehen: Als Müller ein paar Jahre später einen Lehrling suchte, war der berufliche Weg von Baumann vorgegeben. „Mich faszinierte die Kombination von Musikalität und Technik“. Die Berufsschule machte er an der Geigenbauschule in Mittenwald. Bei seiner Gesellenprüfung war er Innungsbester und zugleich Landessieger im Blechblasinstrumentenbau.

Weiterbildung
in Kalifornien

Als Weiterbildung und um das Herstellen von Jazztrompeten und Pumpventilen zu lernen, ging er für einige Zeit in die USA nach Kalifornien. Aber die Aufteilung der Fertigung in so viele verschiedene einzelne Gewerke war nicht das, was er gelernt hatte. „Ich habe Instrumentenbauer gelernt und nicht Baugruppenmonteur“. In seiner Freizeit spielte er dort in der „Golden Gate Blaskapelle“ mit. Nach dem schweren Erdbeben in Kalifornien 1989 kehrte er zurück in die Heimat und machte seinen Meister.

Zwei Jahre später gründete er seine eigene Firma in Aschau und baute sich seinen Kundenkreis auf – erst regional, dann national und schon bald international. Sein Arbeitstag ist keineswegs auf acht Stunden beschränkt. Auch an Samstagen hat er selten frei. Das Herstellen einer Trompete oder eines Horns ist extrem aufwendig und erfordert das Fachwissen mehrerer Gewerke: Baumann ist Mundstückdreher, Schallstückmacher, Maschinenbauer und Instrumentenkonstrukteur in einem.

Die Maschinen für besondere Anforderungen konstruierte und baute er zum Teil selbst. Weil er während seiner Lehr- und Gesellenjahre in allen Sparten, die für den Bau eines Blechblasinstruments nötig sind, einmal gearbeitet hat, erledigt Baumann fast alle Arbeitsschritte selbst. „Lediglich die Ventilbüchse und das Ventil bekomme ich geliefert. Da arbeite ich mit einem Betrieb zusammen, der seit 1866 nur Ventile macht“, sagt er, „die können das, wie nur wenige auf der Welt“.

Den Korpusbau macht er alleine. „Das wichtigste Werkzeug beim Bau meiner Instrumente sind meine Hände. Ich bin alleine in meiner Werkstatt, mache vom Rohzuschnitt bis zum spielfertigen Instrument alles selber. Ich bin alleine für das Ergebnis verantwortlich“.

Am Anfang eines jeden Instruments steht eine Rolle Blech – Messing oder Neusilber – frisch aus der Fabrik. Der Bau beginnt mit dem Zuschnitt des Blechs mit einer Schablone. Anschließend werden die Teile zusammengelötet. Niemand könnte in dem unförmigen Teil schon eine elegante Trompete oder ein glänzendes Flügelhorn erkennen.

Vor der Gravur
wird erst poliert

Dann wird der Schallbecher herausgedrückt und die Oberflächen werden hartgeklopft. Die Materialstärke beträgt dabei nur 0,35 bis 0.5 Millimeter. Dann wird das ganze Instrument gebogen, anschließend gefeilt und geschliffen. Wenn alles fertig zusammengelötet ist, kommen noch einmal bis zu zehn Stunden Arbeit auf den Meister zu: Das Instrument muss überall auf Hochglanz poliert werden, damit es für die Galvanik und die Vergoldung bereit ist.

Nach der Gravur schickt er seine Instrumente schließlich nach Wien zum Versilbern und Vergolden. „Es gibt nicht mehr viele solcher Spezialisten. In Wien bekommt man die höchste Qualität“. Wenn die Instrumente zurückkommen und von Baumann zusammengebaut und hochglanzpoliert wurden, können sie endlich von den neuen Besitzern abgeholt werden.

Kann Baumann ein paar Stunden Freizeit abzweigen, dann malt er. Zurzeit arbeitet er an einem Selbstporträt. Ob und wann es fertig wird, kann er nicht sagen. Das entscheiden seine Kunden. Lediglich für die Feuerwehr macht er eine Ausnahme: Wenn der Alarm ertönt, rückt Baumann auf einem der ersten Wagen mit aus: „Wenn man helfen kann, dann soll man das tun. Wer weiß, ob man auch selbst einmal Hilfe benötigt und dann ist man froh darum“.

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