Rott – Wann kann sich der rote Theatervorhang in Rott endlich wieder heben und den Blick freigeben auf die Inszenierungen des Rotter Theatervereins? Zwar dürfen ab Montag Theater wieder öffnen. Doch was zunächst gut klingt, funktioniert im Kleinen nicht gleich auf Anhieb, wie der Vorsitzende Helge Wilker feststellen muss. Für bäuerliche Komödien und Lustspiele, Boulevardtheater und Krimis, Passionsspiele und Musiktheater ist in Rott nach wie vor kein Platz auf der Bühne, denn es gilt weiter die Abstandsregelung von 1,50 Meter – auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten.
Und da wird es bei kleinen Bühnen besonders schwierig, rechnet Wilker vor: Die Bühne des Theatervereins im Rotter Pfarrsaal ist sechs Meter breit und 4,5 Meter tief, also exakt 27 Quadratmeter. Jeder Schauspieler muss nach allen Seiten 1,50 Meter einhalten, also braucht einer allein schon neun Quadratmeter plus einen Quadratmeter für sich selbst. Einfache Rechnung: 27 geteilt durch zehn ergibt 2,7, abgerundet dürfen höchstens zwei Schauspieler gleichzeitig auf der Bühne sein und auch dann nur, wenn sich niemand stark bewegt, singt oder laut spricht.
„Dann bräuchten wir nur noch ein Stück, in dem sich niemand zu nahe kommt, das unterhaltsam ist und das die Zuschauer bis zum Schluss trotz Mundschutz genießen“, erklärt Wilker mit Galgenhumor. Damit ist die lustige Boulevardkomödie „Neurosige Zeiten“ schon mal nicht möglich. Alles ein wenig schwierig und kaum machbar.
Bei Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen liegt die Grenze bei 50 Gästen. Beim Theaterbesuch muss die ganze Zeit über eine Mundschutzpflicht und ein Abstandsgebot bestehen. Wie bei den Gaststätten müssen Name und Telefonnummer notiert werden. Der Theaterverein Rott muss in Abstimmung mit der Kirchenverwaltung ein Hygienekonzept für Desinfektion, Reinigung und Handwaschmöglichkeit erarbeiten und den Zugang regeln.
Wilker sagt, mit all diesen Vorgaben sei das Theaterspielen in Rott noch nicht möglich. Er will auch keine Risiken auf sich nehmen. „Wenn nicht alles so eingehalten werden kann und wir dann trotzdem Theater spielen, drohen empfindliche Geldbußen“, fürchtet er. Wie schön war es doch 2004, als das Musiktheater „Der Holdedauer Fidel“ von über 1200 Zuschauern beklatscht wurde. Da bleibt nur, weiter geduldig abzuwarten, bis sich der rote Vorhang wieder hebt.