Warten auf Schilderbrücken im Inntal

von Redaktion

Automatische Tempoanzeigen geplant – Umsetzung dauert noch

Rosenheim/Kiefersfelden – In Tirol ist Blockabfertigung und im oberbayerischen Inntal werden Autofahrer auf 80 Kilometer pro Stunde abgebremst. Ganz egal, ob die rechte Spur voller Lkws steht oder nicht. Was bei immer mehr Autofahrern auf Unverständnis stößt. „Bei uns geht automatisch die Anordnung von Tempo80 sowie ein Überholverbot für Lkws hinaus, wenn uns das Land Tirol Blockabfertigung meldet“, sagt Katharina Holzapfel von der Autobahndirektion Südbayern. Schlicht, um die Gefahr auf der zweispurigen A93 zu mindern.

Es gibt aber einen Silberstreifen am Horizont: Laut Holzapfel hat die Autobahndirektion Südbayern eine Vorplanung für eine „Verkehrsbeeinflussungsanlage“ an das bayerische Verkehrsministerium geschickt. Verkehrsbeeinflussungsanlage (VBA) ist der Fachterminus für das, was in der breiten Öffentlichkeit „Schilderbrücke“ heißt. Allerdings umfasst eine VBA mehrere Schilderbrücken, kann den Verkehr stufenweise abbremsen.

Zwei bis drei Jahre
bis zur Umsetzung

Bis dahin brauchen aber alle Beteiligten Geduld, denn die Planung muss von München erst ins Bundesverkehrsministerium, in Berlin abgenickt und finanziert werden, bevor die erste Schaufel Erde bewegt werden kann. „Zwei bis drei Jahre“ werde es laut Holzapfel sicher noch dauern bis die Umsetzung beginnen könne.

Natürlich seien Schilderbrücken von Vorteil und wünschenswert, so Bernd Emmrich vom ADAC. Allerdings seien die nicht aus der Portokasse zu bezahlen. „Da reden wir schon für den Bau von einem Millionenbetrag. Und die Wartung ist auch nicht umsonst.“ Der langjährige Stauberater des ADAC findet Geschwindigkeitsbeschränkungen bei der Blockabfertigung sinnvoll, „vor allem, wenn sich die Lkws bei hohem Verkehrsaufkommen mal wieder bis auf die A8 zurückstauen“, wünscht sich aber mehr Flexibilität. Die begrüßte auch Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber, erklärtermaßen kein Fan der Blockabfertigung, weil die Tiroler so die Probleme mit dem Verkehrsfluss schlicht auf den bayerischen Teil des Inntals verlagerten. Da könne eine flexiblere Lösung möglicherweise Besserung bringen.

Flexibilität aktuell
nicht möglich

Die lässt aber noch eine Weile auf sich warten. Denn wollte man beim aktuellen Stand der Technik flexibel auf das Verkehrsaufkommen reagieren, hieße das reichlich Arbeit für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei: Die müssten Dauer-Streife fahren, das Verkehrsaufkommen beobachten und die Geschwindigkeitsbegrenzungen gegebenenfalls von Hand ändern. Unrealistisch.

Tempolimit bei Blockabfertigung

Vorerst bleibt es also bei Blockabfertigung bei Tempo80 auf den knapp 30 Kilometern zwischen Inntaldreieck und Grenze Kiefersfelden. „Ich kann jeden Autofahrer verstehen, der da genervt ist“, sagt Emmrich. Das kann Gruber auch – und gibt freimütig zu, dass es ihm auch so geht, wenn er von Rosenheim nur mit 80 nach Hause fahren kann. „Ich sehe aber auch die andere Seite, nämlich dass das Inntal bei langsamerem Verkehr weniger belastet wird.“

Ein Punkt, den sein Kollege weiter nördlich im Inntal vermutlich unterschriebe. Allerdings gibt Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch amüsiert zu, die Geschwindigkeitsbegrenzung bei Blockabfertigung noch gar nicht registriert zu haben. Zum einen wegen der aktuellen Baustelle auf „seinem“ Abschnitt der A93, zum anderen, weil er offensichtlich, wie die meisten Brannenburger, über die Staatsstraße fährt, nicht über die staugefährdete Autobahn.

Wohl dem, der das kann. Alle anderen brauchen noch ein paar Jahre Geduld, bis die Schilderbrücken der VBA eine flexiblere Verkehrslenkung auf der deutschen Seite einer der meistbefahrenen Nord-Süd-Verbindungen Europas ermöglichen.

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