Hilfe für größten Slum Afrikas

von Redaktion

Weltweite Gerechtigkeit, Überwindung von Benachteiligung und Armut – das sind die zentralen Ziele des Bad Endorfer Vereins „Moja kwa Moja“. In Corona-Zeiten sammeln die Ehrenamtlichen Spenden für Menschen im kenianischen Kibera – dem größten Slum Afrikas.

Bad Endorf/Kibera – Während die einen wegen Corona Lebensmittel und massenweise Klopapier hamsterten, wissen andere nicht, was sie ihren Kindern auf den Teller bringen sollen. Beispielsweise im kenianischen Kibera. Hilfe kommt aus Bad Endorf: Der gemeinnützige Verein „Moja kwa Moja – Sei selbst das Projekt“ (MkM) sammelt Spenden, damit die Menschen in Afrikas größtem Slum Lebensmittel und Seife kaufen können. Aber auch auf Dauer wollen die Ehrenamtlichen eine Partnerorganisation unterstützen, damit die Menschen dort künftig selbstbestimmt und unabhängig von Spendengeldern leben können. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.

Mehr Angst vor Hunger als vor Virus

„Anfang März waren wir zuletzt in Kibera, um uns ein Bild von der Lage zu machen“, sagt Julia Weber (21) vom Verein Moja kwa Moja und Leiterin des Kibera-Projekts „KISUG Initiative“. Geplant war, dass die Ehrenamtlichen einen Monat in Kenia bleiben. Dann kam Corona und sie mussten nach zwei Wochen wieder abreisen. „Wir haben mit unseren Partnern vor Ort gesprochen. Sie haben erzählt, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie Lebensmittel bezahlen sollen“, sagt Julia Weber.

Die Angst vorm Virus sei bei Weitem nicht so groß wie die existenziellen Sorgen, hieß es von den Partnern vor Ort. Denn Kurzarbeitergeld oder Soforthilfen gibt es in Kenia nicht. „Deswegen haben wir kurzfristig eine Spendenaktion ins Leben gerufen“, sagt Weber. Das Geld aus der „Aktion 4Kibera“ gehe direkt an die Partnerorganisation vor Ort, die davon Lebensmittel und Seife kaufen und diese verteilen, sagt Weber.

Kibera liegt wenige Kilometer entfernt der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Laut Schätzungen der UN leben in dem Slum zwischen 500000 und 700000 Menschen (Stand 2010). Um das mangelnde Sozialbewusstsein und die fehlende Infrastruktur in dem Slum aufzubessern, gründeten 1999 zehn Slum-Bewohner die „Kibera Silanga Ushirika (Swahili für „vereint“) Group – Community Based Organisation“. Kurz: die KISUG-CBO.

2000 habe die Organisation die Kibera Silanga Primary School gegründet, berichtet Julia Weber. Die Idee dahinter: mit schulzugehörigen Unternehmungen Gewinne generieren, um damit mehr Autarkie und Handlungsfreiraum für die Schule zu schaffen.

Reise veränderte
das Bild von Afrika

Die Gründer von Moja kwa Moja, darunter auch der jetzige Vorsitzende Maximilian Neumayer (26) aus Bad Endorf, wurden 2013 bei einer Reise nach Kenia auf die Schule und die KISUG-CBO aufmerksam. „Ich wollte damals wohin, wo die Menschen anders leben, als hier in Deutschland“, sagt Maximilian Neumayer. Wo Kommerz und Konsum keine Rolle spielen.

Als er in Afrika ankam, stellte Neumayer schnell fest, die afrikanische Infrastruktur ist anders als erwartet. „Vor allem aber habe ich gesehen, wie gut sich die Menschen organisieren“, sagt Neumayer. Die Klischees von den armen Afrikanern, die nichts haben, waren weggewischt. Aber dennoch: Die finanziellen Mittel sind knapp und Geld beschleunige die Entwicklung und die Umsetzung von geplanten Projekten.

Die KISUG-CBO traf Neumayer zufällig – auch der Besuch des Kibera-Slum war nicht geplant. Nach zwei Monaten des Reisens durch Afrika merkte Neumayer, er wolle etwas für die Menschen tun, mit anpacken. Also arbeitete er in Schulen und Waisenhäusern. Als er nach Kenia kam, lernte er eine Frau kennen, die wegweisend für die Zusammenarbeit mit der KISUG-CBO war, „Es stellte sich aber heraus, dass sie eine ehemalige Kollegin von Nelson Mandela war“, sagt Neumayer.

Sie habe ihm zwei der Mitglieder der KISUG-CBO vorgestellt, die ihn in den Kibera Slum mitnahmen und das Leben dort zeigten. „Viele haben ein falsches Bild von einem Slum. Dort herrscht nicht nur Armut und Kriminalität wie viele meinen, sondern es gibt ein Wirtschaftssystem, Struktur und viel Solidarität und Zusammenhalt in den Gemeinschaften“, sagt Neumayer. Die Schule der KISUG-CBO, die aus eigenen Mitteln gegründet und eröffnet wurde, ist ein Beispiel dafür.

Seitdem besteht die Partnerschaft zwischen den beiden Organisationen. Das Team von MkM war in den vergangenen Jahren schon mehrmals vor Ort. Die Kosten für diese Reisen tragen die Ehrenamtlichen selbst. „Es gab gemeinsame Fußballturniere und Tanzevents, aber auch Renovierungsarbeiten an der Schule wurden erledigt“, sagt Julia Weber. Mit der Kampagne 52 für Kibera habe das MkM-Team die Schulspeisung finanziell unterstützt.

Hilfe für eigene Unternehmungen

Aus dieser Zusammenarbeit entstand das Projekt „KISUG Initiative“, das Julia Weber federführend betreut. „Damit wollen wir die KISUG-CBO dabei unterstützen, weitere schulzugehörige Unternehmungen aufzubauen“, sagt Julia Weber. Dafür benötigt der Verein Spenden. Diese Gelder sollen in ein größeres Bauprojekt in Kibera fließen: Vor ein paar Jahren habe die KISUG-CBO ein Grundstück neben der Schule erworben. Auf diesem befinde sich ein einstöckiges Gebäude, das vermietet wird. Die Einnahmen daraus würden wieder in die Schule investiert, berichtet Weber.

Selbstbestimmt und unabhängig leben

In einem ersten Projektabschnitt soll ein neues, zweistöckiges Gebäude errichtet werden. „In diesem werden Mieträume integriert sein“, sagt Weber. In einem zweiten Abschnitt soll dann auch das bestehende Schulgebäude neu errichtet werden, da die marode gewordene Holzkonstruktion im ersten Stock nicht mehr sicher ist.

Gemeinsam mit einer anderen gemeinnützigen GmbH aus Deutschland, die ein wiederverwendbares, kostengünstiges und brandsicheres Bausystem für Gebäude in Slums entwickelt hat, soll der Bau realisiert werden. Für das Projekt sind laut groben Schätzungen von MkM rund 100000 Euro veranschlagt. „Ziel ist, die Menschen rund um die KISUG-CBO dabei zu unterstützen, eine stabilere wirtschaftliche und unabhängige Basis zu schaffen“, sagt Projektleiterin Julia Weber.

Moja kwa Moja: Wie kann man helfen?

„Moja kwa Moja“ ist Kiswahili (ostafrikanische Sprache) und bedeutet so viel wie ‚direkt‘ (wörtlich: ‚Einer nach dem Anderen‘). Der Name entstand angeregt durch die Grundsätze des gemeinnützigen Vereins: Direktheit und Transparenz. Den Ehrenamtlichen ist wichtig, dass alles Engagement und alle Ressourcen da ankommen, wo sie ankommen sollen. Wer die Arbeit des Vereins unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden: Moja kwa Moja – Sei selbst das Projekt e.V.; IBAN: DE50430609678232283800

GLS Bank. Verwendungszweck für Spenden für das langfristige Projekt „KISUG Initiative“; Verwendungszweck für die Spendenaktion zur Unterstützung während der aktuell schwierigen Corona-Lage „Aktion 4Kibera“. Weitere Infos zum Verein und den Projekten gibt es im Internet unter www.mojakwamoja.org.

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