Maxi wird es schaffen – dank Pate Walter

von Redaktion

Projekt „Jugend in Arbeit“ – Beispiel zeigt, wie gut es funktionieren kann

Wasserburg/Amerang/Eiselfing – 200 Ehrenamtliche kümmern sich im Landkreis Rosenheim um etwa 200 junge Leute, die auf ihrem Weg ins Berufsleben Unterstützung benötigen. So wie Maxi Ledermüller aus Eiselfing, der dank Rentner Walter Rieger aus Amerang jetzt kurz vor der Gesellenprüfung bei einer Ameranger Schreinerei steht. Eins von vielen Erfolgsprojekten der Patenaktion „Jugend in Arbeit“ im Raum Wasserburg..

Maxi hat mit seinen 18 Jahren schon viel mitgemacht. Die Eltern sind geschieden, die Mutter war alleinerziehend, bis sich eine neue Patchworkfamilie zusammenfand. Entwicklungen, an die sich Jugendliche erst gewöhnen müssen. Doch der schlimmste Schicksalsschlag war der Tod des Bruders im Jahr 2014, mit dem Maxi eine enge Geschwisterliebe verband.

Jemand, der
einfach nur da ist

In diese Zeit der Trauer fielen die entscheidenden Phasen an der Mittelschule Eiselfing, wo Maxi trotz der seelischen Krise, in die ihn der Tod des Bruders gestürzt hatte, sein großes Ziel, den Quali, schaffte. Über die Schule entstand der Kontakt zum Patenprojekt „Jugend in Arbeit“ und zum Paten Walter Rieger. Seit 2017 begleitet der 65-Jährige den jungen Mann durch seine Schreinerlehre – und hat sich auch zu einem Freund der Familie entwickelt, wie Maxis Mutter Ingrid Rösch berichtet. „Wir sind so froh, dass wir Walter haben“, sagt sie. Die Entscheidung, sich Hilfe über das Patenprogramm zu holen, habe sie nicht bereut.

Das Beispiel von Maxi macht Mut, findet auch die Koordinatorin des Projektes für den Raum Wasserburg, Regina Haidn. Der Fall zeige, wie wirkungsvoll die Unterstützung eines Paten sein könne wenn er, so wie Rieger, einen Zugang zu einem Jugendlichen findet. „Ich bin kein Lehrer, kein Ausbilder, kein Elternersatz“, betont der Pate, „ich bin einfach nur da.“ Das galt auch in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen. Rieger war für Maxi immer erreichbar – halt per Telefon und Handy statt persönlich.

Er weiß aus seiner vier-jährigen Erfahrung als Pate außerdem, dass er es als Außenstehender oft leichter hat, Zugang zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu finden. Wenn Mama ermahnt, das Berichtsheft ordentlich zu führen oder für Prüfungen zu lernen, dann verhallt der Appell oft ungehört. So ist das halt bei Heranwachsenden, die in der Regel genervt und ablehnend reagieren, wenn die Eltern mit gut gemeinten Ratschlägen daherkommen, weiß auch Maxis Mutter Ingrid Rösch. Der Pate hat in diesem Beziehungsgeflecht eine andere Rolle inne: Er ist – im optimalen Fall – eher ein väterlicher Freund und Begleiter. Das funktioniert jedoch nur dann, wenn der Auszubildende die Hilfe auch annimmt. „Ich stelle Pferd und Sattel“, sagt Rieger, „drauf setzen und losreiten: Das musste Maxi selber.“ Der sagt: „Ich fühle mich durch Walter nach all dem Stress, den ich erlebt habe, gefestigter.“

Mutmacher, Ratgeber
und Begleiter

Rieger, der drei Jugendliche gleichzeitig durch ihre Schulzeit und Lehre begleitet hat, stellt immer wieder fest, dass viele gar keine fachliche Hilfe benötigen – etwa in der Berufsschule – sondern eher lernen müssen, wie sie am besten lernen können. „Oft geht es nur darum, die Fragestellung – beispielsweise im Rechnungswesen – zu verstehen.“ Rieger gibt keine Lösungsansätze vor, sondern Hilfestellung, damit der Jugendliche einen Weg findet, sich den Stoff zu erschließen. Manchmal reicht es aus, auf einen Kaffee vorbeizukommen und einfach Mut zu machen, manchmal bedarf es konkreter Tipps. Rieger drängt sich nicht auf, bemüht sich stets um eine lockere Atmosphäre, ist da, wenn er gebraucht wird. „Ich hole die jungen Leute stets dort ab, wo sie stehen, und begleite sie so lange, wie sie es wollen und bis sie am Ziel sind“, sagt der Ehreamtliche.

Dass dies so gut gelingt, wie das Beispiel Maxi zeigt, liegt meistens an der Persönlichkeit der Paten, berichtet Koordinatorin Haidn. Rieger ist kein Lehrer, sondern Ingenieur in Rente. Doch er bringt viele Qualitäten aus einem reich gefüllten Leben mit – als ehrenamtlicher Jugendschöffe am Amtsgericht Rosenheim, als Vater von zwei Töchtern, heute 33 und 37 Jahre alt, als Organisator von Benefiz-Aktionen wie dem Wasserburger Lauf für das Mehrgenerationenhaus.

Rieger ist außerdem Ultralangstreckenläufer – ein Sportler durch und durch. Einer, der nicht aufgibt, der immer dranbleibt, der durchhält – auch wenn es mal schwierig wird. Ein Vorbild für Maxi. Und so hat dieser die Langstrecke Richtung Lehrabschluss bald geschafft – an der Seite seines Paten.

Das sollten Paten mitbringen

„Jugend in Arbeit“ sucht weitere Paten – vor allem vor dem Hintergrund, dass das Homeschooling während der Corona-Pandemie bei einigen Schülern vermehrt zu Problemen geführt hat. Die Projektleitung erwartet zum neuen Schuljahr wieder steigende Anfragen von den Schulen.

Sie hat für mögliche Paten ein Profil erarbeitet.

Diese Fähigkeiten sollten Paten mitbringen:

Kontaktfähigkeit, Geduld und Ausdauer, Organisationstalent, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Ein Pate sollte authentisch, offen und zuverlässig sein und den Jugendlichen in seiner Entwicklung emphatisch begleiten.

Zeitfaktor: zwei bis drei Stunden pro Woche (hier sind alle Treffen mit dem Jugendlichen eingerechnet ebenso wie eventuelle Fortbildungen, Austauschtreffen und Betriebsbesichtigungen. Die Teilnahme ist immer freiwillig.

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