Aschau – Imposant, blitzschnell und flink – unter anderem diese Worte hört man von den Zuschauern nach der Flugshow der Falknerei Burg Hohenaschau. Wenn Falkner Johannes Lenhart seine Greifvögel fliegen lässt, sind alle Augen gen Himmel gerichtet. Aber man sollte vorsichtig und nicht schreckhaft sein. Die Greifvögel fliegen um Haaresbreite über die Köpfe der Zuschauer hinweg. So schnell, dass nur ein leichter Luftzug zu spüren ist. „Normalerweise berechnen die das ganz gut“, kommentiert Lenhart mit einem Schmunzeln.
Schon das Ambiente rund um die Falknerei ist beeindruckend. Auf halber Höhe unter dem Schloss Hohenaschau hat sich Lenhart 2007 niedergelassen. Das Gelände liegt am Hang und eröffnet den Zuschauern einen Blick auf die Berge. Dort lässt Lenhart seine Greifvögel kreisen. Entlang des Grundstücks sind die Volieren der Vögel platziert, sodass man bei einem Rundgang alle 20 Vögel besichtigen kann.
Keine Reisegruppen und Schulklassen
Doch zurzeit kommen deutlich weniger Besucher in die Falknerei. Zu wenige. Corona hat auch an diesem idyllischen Fleck Erde seine Spuren hinterlassen. „Alle Schulausflüge und Busreisegruppen haben abgesagt“, sagt Lenhart. Das reiße ein enormes Loch in die Kasse der Falknerei. „Wenn das so bleibt, dann muss ich an meine Altersvorsorge ran“, sagt er. Einen oder mehrere Vögel abzugeben, kommt für ihn nicht in Frage.
In der Hochsaison zwischen Juli und September seien für gewöhnlich mindestens 30 Reisegruppen zu Gast. Aktuell sind es null. Bis Ende Oktober hat seine Falknerei für Besucher geöffnet. Zahlreiche Schulklassen strömten in der Vergangenheit zu dieser Zeit auf das Gelände unterhalb der Burg Hohenaschau – auch aus dem Ausland. „Jedes Jahr kommen eine chinesische und eine mexikanische Schulklasse zu uns“, erläutert Lenhart.
Diese Gruppen hätten in der Vergangenheit den Erlebnistag „Ein ganzer Tag als Falkner“ gebucht. Dabei erfahren die Kinder alles rund um die Greifvögel, nehmen am Training teil, helfen beim Reinigen der Volieren und der Pflege der Tiere und bereiten die jeweiligen Vögel gemeinsam mit Lenhart für die Flugshow vor. Doch in Zeiten von Corona bleiben die ausländischen Gäste aus. Und auch Klassenfahrten und -ausflüge an deutschen Schulen finden derzeit nicht statt. Für die Zeit nach den Sommerferien und bis Ende Oktober hat Lenhart noch keine Reservierungen. „Wir hängen alle vollkommen in der Luft“, sagt er. Denn man könne auch noch nicht mit Sicherheit sagen, ob der Regelbetrieb in den Schulen wie geplant wieder aufgenommen wird. „Man weiß ja auch nicht, ob, wie viele annehmen, eine zweite Welle kommt.“ Deswegen ist Lenhart mehr denn je auf Einheimische und Besucher aus den Nachbarlandkreisen angewiesen. „Leider wissen anscheinend nicht so viele Leute, dass es uns gibt“, sagt der Falkner. Zu den Zuschauerlieblingen gehört auch der regenscheue Falklandkaraka – eine Geierfalkenart – mit dem Namen „Hotzenplotz“. Vor allem bei den Kindern ist er sehr beliebt. „Er hat nur Blödsinn im Kopf“, sagt Lenhart. Aber auch die seltenen peruanischen Agujas sind sein ganzer Stolz. In der Flugshow zum Einsatz kommen nicht alle Greifvögel – und nicht immer sind es die gleichen Tiere. Uhu „Paul“ kommt laut Lenhart vor allem bei Frauen und Kindern gut an, nimmt aber nicht an der Show teil, weil er nachtaktiv ist. Lenharts Steppenadler stecken derzeit noch in der Mauser. Dabei können die Greifvögel auch die Schwungfedern verlieren. Zum Schutz der Zuschauer müssen sie deswegen aussetzen.
Weißkopfseeadler
bei Vorführung dabei
Der junge Weißkopfseeadler „Ludwig“, genannt „Wiggerl“, ist zwei Jahre alt, stammt aus dem Berliner Zoo und darf noch vor den Zuschauern fliegen. „Je älter die Adler werden, umso aggressiver werden sie“, erklärt Lenhart. Weil Weißkopfseeadler einen sehr starken Revierverteidigungsinstinkt hätten, kann Wiggerl nur noch ein bis zwei Jahre vor die Zuschauer. Auch Adlerbussard „Anderl“ hat sich schon zur Ruhe gesetzt. „Er ist 26 Jahre alt. Normalerweise werden diese Vögel acht bis zwölf Jahre alt“, sagt der Falkner. Mit der richtigen Ernährung und Pflege können sie älter werden. Auch das Leben außerhalb der freien Wildbahn hat Einfluss auf das Lebensalter. Aber: „Egal, ob sie bei der Flugshow dabei sind oder nicht, alle Vögel haben Ausflug“, sagt Lenhart.
Im Herbst
geht es zur Jagd
Um Falkner zu werden, benötigt man einen Falknerjagdschein, der auf den allgemeinen Jagdschein aufbaut. Lenhart ist anerkannter Ausbilder. Wenn er seine Falknerei von Oktober bis März für die Besucher schließt, dann beginnt die Jagdsaison. „Immerhin laufen die Jagdkurse an“, sagt er.