Kiefersfelden – Als vor rund vier Wochen im Kieferbach das große Fischesterben begann, befürchteten viele Mitglieder des örtlichen Sportfischereivereins E. W. Sachs, dass der Schmutzwassereintrag aus dem benachbarten Wachtl (Tirol) den Wildbach verseucht und die Population darin auf lange Zeit eliminiert habe (wir berichteten). Wie Zuchtwart Udo Herbig verkündete: Ziel wird es sein, einen erneuten Versuch zu starten und mit einem neuen Zuchtstamm der Bachforelle die Population zu erhalten und zu verbreiten.
Zuchtwart erinnert
sich an das Unheil
Die örtliche Katastrophe zog diverse kostenintensiven und zeitaufwendigen Säuberungsaktionen der Vereinsmitglieder nach sich. Gewässer- und Zuchtwart Udo Herbig erinnert sich genau an den zurückliegenden Pfingstmontag, als er morgens am Kieferbach entlangging und sofort gesehen habe, „dass der Bach ganz schwarz war“. Ihm schwante nichts Gutes, als er unmittelbar danach die Zuchtanlage des Vereins betrat: „Auch die Becken waren schwarz von dem Dreckwasser, das in die Anlage mit ihren Brut- und Aufzuchtbecken geflossen war.“ Besonders tragisch sei gewesen, dass man gerade mal 14 Tage vorher einen sehr seltenen Stamm alter Bachforellen („Gießenbacher Stamm“) ins Außenbecken überführt hatte. Schon ein erster Blick habe genügt, um zu sehen: „Bereits mehrere der etwas über ein Jahr alten Tiere waren verendet. Sie trieben an der Wasseroberfläche. Wir haben die Fische sofort rausgefangen und zurück in eins der runden Zuchtbecken gesetzt“. Doch das tat dem Sterben der Fische keinen Abbruch: Waren es am ersten Tag der Verseuchung elf tote Bachforellen, steigerte sich die Zahl in den nächsten drei Tagen auf insgesamt 137. „Also fast die Hälfte unseres seltenen Zuchtstammes“, berichtet Herbig.
Erst später habe sich das Sterben etwas verlangsamt, da der Verein die Becken aus einem anderen Zufluss mit sauberem Wasser gespeist hatte. Die Symptome an den Fischen waren eindeutig, sagt Herbig. Sie hatten „große offene Geschwüre, die von innen heraus wucherten und die Fische langsam abtöteten“.
Einen Teil dieser Bachforellen brachte Vereinsvorsitzender Stefan Sporer zum Tiergesundheitsdienst Bayern in Poing zur Untersuchung. Bis ein Ergebnis feststand, wurde das Wasser aus den Becken nochmals abgelassen und die Zuchtkammern penibel gereinigt. Ab Mitte Juni wurde dann auf Anraten des Tiergesundheitsdienstes Bayern dem Zuchtwasser für zehn Tage ein Antibiotikum zugesetzt. „Erst danach ging die Fischsterblichkeit deutlich zurück“, erinnert sich der Zuchtwart.
Ein nicht zu beziffernder Schaden bleibe zurück. Vor allem aber die intensive Zuchtarbeit der Vereinsmitglieder habe einen Rückschlag erlitten.
Lage hat sich
jetzt stabilisiert
Doch die Vereinsverantwortlichen blicken jetzt nach vorne. Über 200 Euro mussten bereits für die Untersuchungen und das Breitbandantibiotikum hingeblättert werden. „Jetzt hat sich die Lage einigermaßen stabilisiert“, so der Vereinsvorsitzende Sporer. Der erhebliche Mehraufwand für den Verein müsse erst noch in Zahlen umgesetzt werden. Dieser bilde dann die Basis für einen Schadenersatz, dem der Verursacher, ein Tiroler Landwirt, bereits zugestimmt habe.
Herbig: Dilemma
„unfassbar“
Für Zuchtwart Udo Herbig ist das Dilemma immer noch „unverständlich und unfassbar“. Die intensive Arbeit über viele Monate hinweg könnte vergebens sein. Auch der Verlust der Zuchtfische sei bedauerlich und werfe den Verein wieder weit zurück.
Hoffnung setze man nun auf eine erneute Zucht der Bachforelle: Mit einem neuen Zuchtstamm soll die Population erhalten und verbreitet werden. Dazu werden „die Muttertiere abgestreift“, erklärt Herbig. Soll heißen: Der Laich wird den Fischen per Hand entnommen. „Danach beginnt wieder die Zeit des Wartens, der Hoffnung und der Beobachtung. Wann schlüpfen die kleinen Fischlein, wie ist die Schlupfrate und so weiter.“