Gefahrenreicher Weg durch das Inntal zur Basilika Tuntenhausen

von Redaktion

Wallfahrt und die Tiroler: Großzügige Weihegaben der Nachbarn sind einzigartig – Blick auf historische Kreuzgänge

Tuntenhausen – Mehr als 550 Jahre alt ist die Marienverehrung in Tuntenhausen. Sie gehört neben Altötting und Andechs zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten im südbayerischen Raum. Selbst das bayerische Herzogshaus der Wittelsbacher brachte in der Zeit der Reformation und Gegenreformation Tuntenhausen seine fromme Aufmerksamkeit entgegen und reihte sich mit großzügigen Schenkungen in die stattliche Zahl der Hilfesuchenden ein.

Aber auch eine stattliche Zahl an Wallfahrten kam jahrhundertelang aus Österreich. Ein Stück Tirol, nämlich die Landgerichte Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel, war bis zum Jahre 1504 bayerisch.

Als diese 1504 aufgrund des verlorenen Krieges zu Tirol kamen, wurden die Tiroler Wallfahrer Pilger über die Landesgrenze hinaus, jedoch in ein ihnen längst vertrautes Gebiet.

Salzspende schafft
Verbundenheit

Zudem bestanden zwischen dem Kloster Beyharting und Tirol enge Beziehungen. Besonders durch eine Salzspende fühlte sich Beyharting, Betreuer der Wallfahrt Tuntenhausen, mit Tirol verbunden. Noch in der Widmung des Tuntenhausener Mirakelbuches von 1738 bedankt sich Stiftspropst Georg II. Mayr bei der Bayerischen Kurfürstin Maria Amalia, geborene Erzherzogin in Österreich, für die Salzspenden aus Hall.

Von 1459 bis 1495 muss sich die Wallfahrtsfrequenz zu Tuntenhausen bedeutend gesteigert haben, und zwar so stark, dass die einzige tägliche Messe nicht mehr ausreichte, sondern zwei dazu gestiftet wurden.

Unter der großen Zahl waren wohl als erste jene Tiroler Pfarreien, welche links des Inns zum Bistum Freising seit alter Zeit gehörten, nämlich: Langkampfen, Angath und Breitenbach. Diese Kreuzgänge der Pfarreien hatten einen bestimmten Termin und Weg sowie von Anfang an ein bestimmtes Motiv. Termin und Motiv dürften sich geändert haben, der Weg wird wohl im Großen und Ganzen der gleiche geblieben sein.

So hatten Langkampfen und Thiersee bereits 1600 ihre eigene Kerze, weil sie 1605 „nun alles abgerichtet und keinen Rest haben“, wie das älteste Kerzenbuch von Tuntenhausen besagt. Auch Angath hatte schon vor 1600 eine Kerze, denn 1605 lässt man sieben Pfund Wachs „anmachen“, nämlich an die alte Kerze.

Es liegt die Vermutung nahe, dass beide Kerzen noch ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Gerade das Entzünden dieser Opferkerzen „ist ein besonderes Zeichen in den Kirchen“, so Pfarrer Bruno Bibinger. Welchen Weg haben die Tiroler Pfarrkreuzgänge eingeschlagen, wenn sie Tuntenhausen aufsuchten? Hier gibt es nur Vermutungen. Von der Petersberg Wallfahrt bei Flintsbach war den Tirolern die Gegend wohl vertraut, weshalb die Route wohl Kufstein, Kiefersfelden, Flintsbach, Litzldorf, Lippertskirchen, Au, Dettendorf, Willing, Aibling und Tuntenhausen gewesen sein dürfte. Dass man über Bad Aibling ging, ergibt sich aus dem Mirakelbericht aus dem Jahr 1717: Am 3. Mai ist beim Kreuzgang der Brandenberger Maria Neuhauser von dort „nächst bei dem Markt Aybling an dem tieffisten Orth“ in die Mangfall „auf das Angesicht hinunder gefallen und schon weiter als einen Bichsen-Schuß von dem reißenden Wasser fortgetragen worden“.

Sie dachte dabei an Tuntenhausen mit inniger Bitte um Rettung, und sie wurde unbeschädigt auf die Hilfe Mariens hin gerettet.

Gebet in
Zweier-Reihen

Schon damals hatten Pfarrkreuzgänge ihre Vorteile: Man brauchte sich nicht um den Weg zu sorgen, wenn man sich in eine der zwei Beter-Reihen einreihte. Zudem waren die Gläubigen auf dem Weg, der ja auch oftmals durch einsame und waldige Strecken führte, in der Gruppe sicher und brauchte sich nicht zu fürchten. In einzigartiger Weise lassen die Mirakelbücher von Tuntenhausen hineinschauen in die einstige Frömmigkeit des altbayerischen und des Tiroler Volkes. Die Anliegen und Gelöbnisse zeigen aber auch, was die Menschen in der damaligen Zeit bewegte: Geburtsnöte, Unglücksfälle, unbestimmte Krankheiten, Geisteskrankheiten, Gliederkrankheiten, Epilepsie, Geschwüre, Stummheit und vieles mehr. Werner Stache

Der Bauer von Söll: Ein Tiroler Geschenk an die Wallfahrtskirche

Alte Inventare zeugen von Spenden aus Tirol. In der Sakristei wurden sie verwahrt, mit Freude gezeigt und für die Liturgie benutzt, wie es im Wallfahrtsbuch heißt. Allerdings ist von den Stücken keines mehr vorhanden. Ein Geschenk ist besonders: Eine Weihegabe des „Söller Bauern“, eine volkstümliche Schnitzgruppe der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dargestellt ist ein Bauer am Pfluggespann. An der Platte, auf der die Gruppe steht, ist die Inschrift um Mitte des 19. Jahrhunderts: „Söll in Tyrol 7 Jahr mit Unfruchtbarkeit heimgesucht, erhält durch die Fürbitte der mächtigen Jungfrau in Tuntenhausen von Gott des Pfluges Segen wieder. Darum dieß renov. 1787 und 1846“. Auch wegen einer ersten Erwähnung 1776 wird sie auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert.

Für Pfarrer Bruno Bibinger eine „absolute Rarität, auf die die Kirche besonders stolz ist“.

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