Eggstätt – Um Umweltschule in Europa zu werden, dafür haben sich die Schüler sowie das Lehrerkollegium einiges einfallen lassen, etwa insektenfreundliche Sträucher und Stauden, die der Burschenverein für den frisch renovierten Schulpausenhof spendierte und coronabedingt gleich selbst einpflanzte. Denn eigentlich war hierfür im Frühjahr eine Pflanzaktion mit den Schülern angedacht. Auch Energieeinsparmaßnahmen im Rahmen einer energetischen Sanierung wurden ergriffen.
Umweltladen
nach Priener Vorbild
Von gesunder Ernährung (jeden Mittwoch gibt es beispielsweise einen Obsttag an der Grundschule) über Umwelt- und Klimaschutz-Themen, die in den Unterricht einfließen, bis hin zu Recycling-Kopierpapier lässt sich viel in Sachen Nachhaltigkeit machen. „Mir ist es ein Anliegen, die Kinder für den Umweltschutzgedanken zu sensibilisieren“, sagt Rektorin Sigrid Hübl.
Neu hinzugekommen ist nun der Umweltladen. Vorbild hierfür ist der Schulladen der Umwelt-AG am Priener Ludwig-Thoma-Gymnasium, das seit 2017 Umweltschule in Europa ist. Dort verkaufen Schüler schulgerechte Fair-Trade-Produkte wie Hefte, Blöcke, Stifte, Geodreieck und Radierer, aber auch fair gehandelte Schokolade. Für die neuen Fünftklässler gibt es dort nachhaltige Starterpakete.
„Das können und wollen wir auch“, dachten sich die Eggstätter und haben die Grundidee des Ladens übernommen. Grundschulgerecht mit entsprechenden Heften ausgestattet, arbeiten nun Schule und Eltern Hand in Hand für den Umweltgedanken. Aber auch die beiden örtlichen Banken beteiligten sich mit einem Zuschuss für den Umweltladen. Ein Schrank mitten im Eingangsbereich steht für alle Schülerinnen und Schüler als Laden offen und dort werden derzeit jeden Mittwochmorgen, ab dem kommenden Schuljahr öfters, Waren angeboten. Auch fair trade Schokolade liegt aus: „Fünf Tafeln = ein Baum“ steht auf der Packung und einem Poster. „Die ist natürlich nicht zum gleich naschen gedacht, sondern für zu Hause“ erklärt Sigrid Hübl mit einem Schmunzeln.
Zur Eröffnung kamen Christine Plank und Fabian Olbrich von der Eggstätter Sparkasse sowie Birgit Gruber und Anna-Carina Veit von der VR Bank Rosenheim-Chiemsee mit einem Scheck für die Anschubfinanzierung, aber „wir sind ja nicht hier, um einzukaufen, sondern um Stück für Stück was Gutes zu tun“, so die Bankenvertreter unisono. Martina Künzel und Franziska Langl vom Elternbeirat als Verkäuferinnen hinter dem Tresen hatten alle Hände voll zu tun, auch wenn die jungen Kunden anfangs noch schüchtern um „ein liniertes Heft für die zweite Klasse, bitte“ baten.
Zufrieden zeigten sich beide Verkäuferinnen nach dem ersten Verkauf, „sogar die Kasse hat gestimmt“, berichtet Martina Künzel. „Natürlich können wir nicht unsere Schüler verkaufen lassen,“ sagt Rektorin Hübl. Die Rechenkompetenzen seien bei Grundschülern noch nicht ganz so schnell wie bei den Schülern des Priener Gymnasiums. Aber dennoch fördere ein solcher Laden den Umweltschutz im Kleinen, davon ist Hübl überzeugt.
Nachhaltigkeit
im Alltag erlernen
Die Schüler erfahren Alltagskompetenz: Sie lernen selbstständig einkaufen und rechnen und sind selbst verantwortlich für das, was sie einkaufen. „Wenig Aufwand, große Wirkung“, sagt Hübl. Das Projekt soll natürlich auch in die Bewerbung für den Titel „Umweltschule in Europa“ miteinfließen. Anfang Juli ist Bewerbungsschluss, im Herbst werden die prämierten Schulen bekannt gegeben. Zu Beginn des kommenden Schuljahrs gibt es für alle Erstklässler ein Starterpaket. Die Schüler der nächsten Jahrgangsstufen können sich auch im Laden mit für die jeweilige Jahrgangsstufe passenden Schulheften eindecken. Mit dem Umweltladen und den vereinten Anstrengungen ist der erste Schritt in Richtung Umweltschule in Europa getan.