Zum Baden geeignet, zum Leben weniger

von Redaktion

Aktionsbündnis „Sauberer Simssee“ will informieren und Politiker mobilisieren

Rosenheim – „Hygienisch einwandfrei“ ist das Wasser des Simssees. So steht es auf der Internetseite des Landratsamtes. Was den Befall mit E.-coli-Bakterien und Enterokokken angeht, stimmt das wohl auch. Andere Werte werden bei diesen Proben nicht untersucht. Sonst lässt die Wasserqualität des Simssees zu wünschen übrig. Was zu einem Brandbrief der Seebesitzer und zur Gründung des Aktionsbündnisses „Sauberer Simssee“ führte.

Landwirtschaft
und Reifenabrieb

Landwirtschaft oder Straßenentwässerung, was dem See mehr zu schaffen macht, darüber kann trefflich gestritten werden. Thomas Sandbichler senior vom Seebesitzerverband Baierbach gehört zu denjenigen, die den Straßenabrieb, das Asbest von den Bremsbelegen und die anderen Rücksände von rund 40000 Fahrzeugen im direkten Einzugsbereich des Simssees für die Hauptursache der schlechten Wasserqualität halten. „Der Landkreis und die Gemeinden scheren sich da nicht drum, lassen alles in den See laufen.“

Die Landwirtschaft spielt sehr wohl eine Rolle, sind sich Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt und Sportfischer Jürgen Obermaier einig. Beide haben festgestellt, dass in den Dürresommern 2003 und 2018 die Wasserqualität, vor allem der Sauerstoffgehalt, gerade in den tieferen Schichten des Simssees besser war, als in normalen Jahren. Und nach Starkregen hat Obermaier, der mit einem Profi-Gerät regelmäßig Proben nimmt, deutlich höheren Nitrat- und Phosphorgehalt – zu Lasten des Sauerstoffs – im Wasser festgestellt. „Typisch für viel Nährstoffeintrag“ nennt das Roch.

Dieses Hin- und Herschieben der Schuld war auch beim ersten Treffen des Aktionsbündnisses „Sauberer Simssee“ Thema. Alexandra Rieger aus Riedering war bei diesem ersten Treffen und hatte den Eindruck, dass die Diskussion für einige Teilnehmer etwas demotivierend gewesen sei. Beim zweiten Treffen seien schon deutlich weniger Leute gewesen, sagt die Wasserschutzpolizistin. Aber manchmal sei eine kleinere Kerngruppe ja auch effektiver. Allein auf die Kommunalpolitiker zu zählen, hält sie nicht für ausreichend. Mehr Information, aus verschiedenen Quellen, an die Öffentlichkeit zu tragen, sei schon sinnvoll.

Dr. Gerhard Vilmar aus Pietzing, Gemeinde Riedering, hat das Aktionsbündnis „Sauberer Simssee“ initiiert. Ihm sind die freiwilligen Projekte der Landwirtschaft – von denen es laut BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Steingraber und Abwasserzweckverbandsleiter Jürgen Lohse einige gibt, die auch gut angenommen werden – zu wenig, seien es Ackerfurchen quer zum Hang oder Zwischenfrucht auf den Feldern im Winter. „Darf „freiwillig“ eine Grundlage sein, wenn dem See mit seinen Fischen und als Naherholungsgebiet für viele Menschen das Umkippen droht?“ fragt er.

Aktuell werden nach Vilmars Angaben jährlich 3,5 Tonnen Phosphor in den Simssee eingeleitet. Zwar sei über den Abwasser-Ringkanal eine Halbierung der Phosphorfracht erreicht worden, aber das sei immer noch fast das Doppelte dessen, was der See vertrage. „Phosphor ist der Hauptverursacher für das Umkippen eines Sees und entsteht zu etwa 50 Prozent durch die Landwirtschaft.“

So weit er wisse, fließe zudem das Straßenwasser der Gemeinden Riedering, Stephanskirchen, Prutting, Söchtenau, Bad Endorf, Rimsting und des Frasdorfer Ortsteils Wildenwart ungeklärt in den See, so Vilmar. Nahezu jeder Gully bei einer Garage, jeder Gully am Straßenrand oder in den landwirtschaftlichen Flächen führe über flurbereinigte Bachläufe in den See.

Dem Antrag der ÖDP im Kreistag (2008), die Bachverläufe zu renaturieren, um die Wasserqualität zu verbessern, sei zugestimmt worden – ohne dass es bisher zu Aktivitäten gekommen wäre. Vilmar macht eine Rechnung für die drei Kilometer lange Strecke der Kreisstraße RO16 (Riedering – Prien) von Schlierholz bei Ecking bis zum Abzweig nach Moosen auf: Dem normalen Reifenverschleiß zu- grunde gelegt werden allein dort bei 10000 Autos täglich pro Jahr etwa 1360 Kilo an Abrieb in die Umwelt entlassen. Mit Gummi, Asbest, Kadmium, Blei, Zink und anderen Bestandteilen.

Der Landkreis ist für den See zuständig

Die vom Seebesitzerverband schon seit langem immer wieder geäußerten Bedenken fänden bei den Gemeinden kaum Gehör, so Vilmar, „oder eben nur Gehör“. Mehr als Gehör finden können sie da aber auch nicht. Denn die Gemeinden sind nicht zuständig. „Der Simssee ist ein Gewässer Erster Ordnung –- und damit ist der Landkreis zuständig“, sagt Karl Mair, Bürgermeister von Stephanskirchen und qua Amt Vorsitzender des AZV Simssee. Er wisse aber von Landrat Otto Lederer, dass dieser sich des Simssees annehmen wolle. Denn: Ein entsprechendes Treffen mit den Anliegerbürgermeistern, dem Seebesitzerverband und den Fachbehörden sei noch in diesem Monat angesetzt. Er selber habe sich mit den Kollegen rund um den See in Verbindung gesetzt, denn auch wenn sie nicht zuständig seien, „wichtig ist, dass sich was tut“.

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