„Brenner-Nordzulauf bedroht Existenzen“

von Redaktion

Gemeinderat Brannenburg beschließt Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren

Brannenburg – Einstimmig und ohne Debatte votierte der Brannenburger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung für die von einer internen Arbeitsgruppe verfassten Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren für den Brenner-Nordzulauf. In drei Treffen von mehreren Gemeinderäten und externen Fachleuten wurde die umfangreiche Stellungnahme erarbeitet, die die gravierenden Auswirkungen für Brannenburg bündelt. Das 15-seitige Schreiben legt dar, weshalb die vorgeschlagenen westlich des Inns verlaufenden Varianten gelb, türkis und oliv mit allen Untervarianten als nicht raumverträglich betrachtet werden.

Bahnhof müsste
verlegt werden

Eines der Hauptargumente gegen die drei Trassen ist die Verlegung des Bahnhofs Brannenburg (wir berichteten), die sich durch den Bau der Verknüpfungsstelle Breitmoos ergeben würde. Dies wird durch den Bau einer Hochleistungstrasse mit größeren Kurvenradien nötig. Zusätzlicher Flächenverbrauch durch neue Zufahrtswege, Parkplätze, eine geringere Attraktivität der Bahn für Pendler und zusätzlicher Individualverkehr seien dabei zu erwartende negative Folgen.

Auch für die Landwirtschaft hätten die Trassenvarianten gravierende Auswirkungen, heißt es in der Stellungnahme. Der Neubau eines dritten und vierten Gleises, verbunden mit einer Verknüpfungsstelle, verbrauche große Mengen an nicht ersetzbaren landwirtschaftlichen Flächen. Dazu kämen weitere Flächen für die Einrichtung der Baustellen und Lagerflächen für Abraum- und Baumaterial. Durch den Mindestabstand zur Autobahn gehe weiterer Nutzgrund verloren, ein Ausgleich durch die dann aufgelassene Bestandsgleisstrecke sei aufgrund deren Kontaminierung nicht möglich.

Dies schränke das Angebot an möglichen Pachtflächen weiter ein und führe zu Preissteigerungen, was existenzbedrohende Folgen für mehrere Betriebe hätte, heißt es in der Stellungnahme. Es drohe eine Zerstörung der gesamten Kulturlandschaft des Inntals mitsamt seiner Almgebiete. Bei allen Trassenvorschlägen würden jeweils bis zu 255 Hektar Fläche versiegelt.

Die Stellungnahme verweist auch auf den Standort der Kläranlage, die sich im Bereich der vorgesehenen Neubautrassen befindet. Für eine möglicherweise in absehbarer Zeit gesetzlich geforderte Erweiterung müssten unbedingt Flächen freigehalten werden.

Durch die möglichen Trassenführungen werde das Landschaftsbild unwiederbringlich zerstört und es drohe insbesondere mit einer Verknüpfungsstelle eine dramatische Änderung und Entstellung. Als staatlich anerkannter Luftkurort befürchtet Brannenburg gravierende Nachteile im Tourismus.

Nachteile für

den Luftkurort

Ein erheblicher Attraktivitätsverlust durch das geänderte Landschaftsbild, steigende Schadstoffbelastung und zusätzliche Lärmbelästigungen seien zu erwarten, was sinkende Übernachtungszahlen und damit weniger Einnahmen für zahlreiche Betriebe zur Folge hätte. Eine umweltschonende Anreise per Bahn käme bei einer Verlegung des Bahnhofes sowohl für Tagesgäste als auch Urlauber kaum mehr in Frage.

Zudem liege die geplante Trasse in vollem Umfang im Landschaftsschutzgebiet Inntal-Süd, in dem laut Beschreibung alle Handlungen verboten sind, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Verwiesen wird dabei auf die starke Gefährdung der Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere innerhalb der Moorflächen. Zudem müsse die Bedeutung intakter Moorflächen für den Klimaschutz aufgrund der Fähigkeit zur Speicherung von CO2 beachtet werden. Der instabile Untergrund der Moorgebiete Tiefenbach/Breitmoos könnte für so ein Bauwerk zu kaum abschätzbaren Problemen führen. Der dort vorherrschende hohe Grundwasserspiegel (rund 80 Zentimeter unter der Geländeoberfläche) und die im gesamten Gemeindegebiet vorherrschende Ablaufrichtung des Grundwassers zum Inn seien weitere Gegenargumente.

Besonders für den Hochwasserschutz sei das Überschwemmungsgebiet Tiefenbach/Breitmoos von immenser Bedeutung für die Gemeinde.

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