Aschau – Als Holzner, der an diesem Tag zum Wildern aufgebrochen war, sein Gewehr auf Hornberger richtete, war dieser schneller und schoss dem Wilderer in den Oberschenkel. Der Getroffene sei noch rund 500 Meter gelaufen, auf die Felsen gestürzt und verblutet. Der sonntägliche Pirschgang des Jägers Hubert Hornberger auf die Kampenwand habe demnach in Notwehr geendet. Aber es gibt auch abweichende Überlieferungen.
Neue Erkenntnisse
nach 80. Todestag
Vor etwa 20 Jahren, zum 80. Todestag des Bojer-Martl, meldete sich Ludwig Bojer aus Frasdorf. „1898 wurde Martin Holzner laut Geburtsurkunde in Aschau geboren. Er kam als Pflegekind zu meinen Großeltern Michael und Elisabeth Bojer“, schrieb er. Michael Bojer sei 1916, die Pflegemutter 1924 gestorben. Sie hatten sechs Kinder.
1919 sei Martin Holzner aus dem Krieg zu seiner Pflegemutter zurückgekommen. Er wurde Holzarbeiter bei Baron Cramer-Klett. Aufgrund der damaligen Notlage ging er, wie manch andere auch, zum Wildern. Sein Pech war, dass Jäger Hornberger zur Holzausweisung auf den Berg ging und dabei einen Schuss hörte, der nicht dem Wild gedacht war, sondern laut Ludwig Bojer ein Signal an einen Kameraden war.
„Warum kam der Jäger Martin nicht zu Hilfe?“, fragt Ludwig Bojer. Stattdessen sei der Jäger nach Hause gegangen und verständige wahrscheinlich die Forstarbeiter, die mit Hornberger und dessen Sohn Toni hinaufgingen, um Martin zu bergen. Auch von der Fraueninsel kam eine Zuschrift, allerdings mit einer etwas anderen Version. Otto Holzmayer berichtete, dass es sich damals um keinen Notwehrschuss gehandelt habe. Holzmayer beruft sich auf die Niederschriften des Aschauer Barons Ludwig Benedikt Freiherr von Cramer-Klett in seinem Buch „Des Jägers Glück kennt kein Verweilen“.
Darin hält der Baron Erinnerungen an den Förster Hornberger fest. Unter anderem heißt es wörtlich: „Um den Anruf des Försters auf etwa 100 Schritt kümmerte der Schütz Bojer-Martl sich kaum, sah kurz zu ihm hinunter und setzte, den Karabiner in beiden Händen haltend, seine Pirsch fort.“
Verärgert darüber habe Hornberger einen Warnschuss abgeben wollen, knapp an den Beinen des Wilderers vorbei.
Stattdessen traf er ihn unglücklich am Oberschenkel, was letztlich auch zum Tode führte. Cramer-Klett schrieb, der Förster hätte gemeint, es mit einer Wildschützengruppe aus dem Nachbartal zu tun zu haben, die schon oft ihre Raubzüge über die Schneid herüber in sein Revier vorgetrieben hatte. Auch Ludwig Hornberger, Sohn von Jägers Hubert Hornberger, hat auf Wunsch von Wolfgang Bude für den Heimat- und Geschichtsverein Aschau im Jahr 1995 seine Erinnerungen ausführlich festgehalten.
Erinnerungen des Jägers Hornberger
Er berichtet, dass sein Vater unterwegs in Richtung Branden-Alm und Huber-Alm gewesen sei. Plötzlich habe er Schüsse gehört und sei schließlich in Richtung Steigwandl gerannt, von wo aus er in die sogenannte Goß schauen konnte. Dort habe er einen Mann ausgemacht, der auf Gämsen hinschoss. Mit seinem Gewehr habe er den Wilderer aufgefordert, die Waffe wegzuwerfen. „Dieser dachte gar nicht daran, sondern drehte sich sofort um und feuerte auf meinen Vater einen Schuss ab, der jedoch Gott sei Dank über seinen Kopf hinwegpfiff“, schrieb Ludwig Hornberger. Daraufhin habe sein Vater das Feuer erwidert. Als er sich dem Verletzten näherte, den er mit einem Streifschuss eigentlich nur leicht außer Gefecht setzen wollte, bemerkte er das Blut. Und sah, dass sein Widersacher eine Kotz’n trug, einen Umhang, wie ihn die Holzknechte benutzen. „Mein Vater veränderte nichts, sondern eilte nach Aschau, um den Vorfall der Polizei und der Staatsanwaltschaft zu melden“, berichtete Ludwig Hornburger. Wie es weiter in den Aufzeichnungen heißt, hatte der wildernde Bojer-Martl nach seinem ersten Schuss nochmals durchgeladen. Die leere Patrone vom ersten Schuss wurde bei den Nachforschungen gefunden.