Vogtareuth – Weg vom Straßendorf, hin zur echten Ortsmitte, das ist Ziel der Dorferneuerung für den Kernort der Gemeinde. Mit den Plänen dafür beschäftigte sich jetzt der Gemeinderat.
Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter (ÜWG) bekannte, dass er sich jedes Mal freue, wenn er in Rosenheim durch das ehemalige Landesgartenschaugelände gehe und sehe, was daraus geworden ist. „Ich hoffe für unsere Ortsmitte auf einen ähnlichen Erfolg.“
Dorfplatz entsteht
gegenüber der Kirche
Konkret geht es um die Umgestaltung der Vogteistraße und des Mooswegs, wobei Planer Gerhard Hajer auch einen Blick auf den Stichweg zum Kindergarten warf. In beiden Straßen sollen Gehwege und Parkplätze neu geregelt werden, der Vorplatz der Kirche wird umgestaltet, der Gehweg an der Moosstraße so weit den Hügel hochgezogen, dass die Lücke zum Gehweg zum Klinikum geschlossen ist und vor allem soll an der Ecke Vogteistraße/Moosweg ein Dorf- oder Marktplatz entstehen.
Die Einmündung der Vogteistraße in die Rosenheimer Straße ist nach Ansicht von Hajer sehr üppig, die soll schmaler gestaltet werden. Während er an der östlichen Seite der Vogteistraße einen Gehweg plant, sollen gegenüber Parkplätze entstehen – damit das unsortierte Parken am Rand der Pfarrstadel-Wiese ein Ende hat. Für den Pfarrer gibt es eine neue Garage. Die sollte, so der Planer, optisch an den Pfarrstadel angelehnt und als Garage erst auf den zweiten Blick zu erkennen sein. Denn diese Garage, ein paar Meter neben der Feuerwehr, soll zugleich auch ein Info-Punkt für die Vogtareuther und ihre Gäste werden: An den Wänden werden diverse Schaukästen angebracht, die vom künftigen Dorf- oder Marktplatz gut zu finden sind, denn der ist an der Einmündung Moosweg/Vogteistraße geplant. Ob Markt oder kleineres Fest, dieser Platz soll Dorfmittelpunkt werden. Und im Alltag kann dort geparkt werden.
Die Moosstraße wird im unteren Bereich verschwenkt, damit an der Kirche ein etwas größerer Vorplatz und ein Gehweg entstehen können. Dieser Bürgersteig wird an der Nordseite des Mooswegs Richtung Osten fortgesetzt, sodass eine lückenlose Verbindung für Fußgänger von der Ortsmitte bis zur Schön Klinik entsteht. Auf der Südseite läuft der Gehweg neben Parkplätzen nur entlang des Friedhofs. Er wird nur drei Zentimeter über Straßenniveau liegen, sodass ein Begegnungsverkehr zwischen Pkw und Lkw möglich ist. Im oberen Bereich des Mooswegs sind zudem an beiden Straßenseiten Parallel-Parkplätze geplant.
Der Dritte Bürgermeister Anton Görgmayr (ÜWG) meinte, da seien doch einige Flächen überplant, die gar nicht der Gemeinde gehören. Das sei richtig, so Leitmannstetter. Da aber zum Beispiel die Garage für den Pfarrer auf Gemeindegrund errichtet werden soll, könne man da Grund tauschen. Die Kirche habe ja schon vor Längerem zugesagt, sich am Gesamtprojekt zu beteiligen. Und natürlich müsse man mit der Kirche, aber auch mit den Anliegern reden, was möglich sei, ob Grund getauscht werden kann, wie sich die Anlieger vielleicht selber mit den Zufahrten zu ihren Grundstücken an der Umgestaltung des Moosweges beteiligen wollen. Peter Höcherl vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) – der die Dorferneuerung in Vogtareuth federführend begleitet – merkte an, dass Grundtausch zwar der Idealfall sei, aber auch Nutzungsvereinbarungen möglich seien.
Die Kosten bezifferte Hajer auf 1,3 bis 1,6 Millionen Euro, je nachdem, welche Materialien verbaut werden. Da befand der Bürgermeister, es sei nicht gut, jetzt 100000 Euro irgendwo zu sparen, da frage in zehn Jahren kein Mensch mehr nach. Da werde höchstens Kritik laut, wenn es nicht gut aussehe.
Aus den Reihen der Gemeinderäte wurden leise Zweifel geäußert, ob denn die Maßnahme, wie vorgesehen, in den Haushalten 2021 und 2022 unterzubringen sei. Da grätschte der Zweite Bürgermeister Johann Bürger-Schuster (CSU/ Parteifreie) hinein: Die Vogteistraße müsse nach Kanalbauarbeiten ohnehin wieder vernünftig hergestellt werden, der Moosweg sei marode. Über die Dorferneuerung gebe es bis zu 62 Prozent Zuschuss. Das müsse die Gemeinde nutzen. Dieser Teil der Dorferneuerung müsse für seine Begriffe in den nächsten zwei Jahren über die Bühne gehen.
Schauen, was sich mit
der Zeit entwickelt
Alles andere hat laut Höcherl Zeit. Er habe gerade in einer anderen Gemeinde die Dorferneuerung abgeschlossen – und die habe 1991 begonnen. „Wir haben keinen zeitlichen Stress, wir können immer wieder schauen, was sich im Laufe der Jahre wie entwickelt“, versicherte er. Offensichtlich überzeugend, denn der Maßnahmenbeschluss fiel, zur sichtlichen Freude des Bürgermeisters, einstimmig aus.