Aschau – Unter dem Motto „Wandern fürs Herz … miteinander in Bewegung“, stand der Vortrag von Dr.Birgit Böhm von der TU München, die dem Aschauer Gemeinderat in der jüngsten Sitzung des Gremiums ihr neues Projekt „Connect2Move“ vorstellte. Böhm ist in Aschau bereits mit ihrer Idee vom Frischluftbus bekannt geworden. Mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde, sollen unter anderem Kardio-Wanderwege eingerichtet, ausgebaut und beschildert werden.
Wanderwege
werden „Herzwege“
Dazu soll ein Teil der vorhandenen Wanderwege als „Herzwege“ klassifiziert und je nach Anforderungen an die Kondition der Wanderer in Klassen eingeteilt werden. Kartenblätter und Wanderführer sollen erstellt und an Interessierte ausgegeben werden. Die sächlichen Voraussetzungen, wie Messgeräte für die Herzfrequenz und die mathematische Auswertung werden aus EU-Mitteln der TU München finanziert.
Birgit Böhm stellte dem Gremium einen Vorhabens- und Zeitplan aus der Sicht der TU München vor: Nach diesem soll zunächst ein Kardiotrekking-Testweg mit einer Länge von einem Kilometer entwickelt werden. Hier sollen durch den Wegverlauf mittels Steigungen und Senken sowie verschiedene Wege-Beläge unterschiedliche Anforderungen an den Herzpatienten erzeugt werden. So können die individuellen, körperlichen Ausdauerleistungsfähigkeiten der Nutzer überprüft und erfasst werden.
Nach dem Eingangstest auf dem Testweg darf sich der Herzpatient im nächsten Schritt auf den Kardioprofil-Standardweg wagen. Dieser muss unter Berücksichtigung der medizinischen und leistungsphysiologischen Aspekte wissenschaftlich erarbeitet und entwickelt werden. Sind diese beiden theoretischen Schritte abgeschlossen, muss im Wanderwegenetz nach Möglichkeiten gesucht werden, dieses Konzept mit Leben zu füllen. Bereits vorhandene Wege werden dann ermittelt. Dabei seien laut Böhm nicht nur die Lage und das Profil der Wege, sondern auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplätze oder der Ausbau von Steigungen und Brücken zu berücksichtigen.
Für den Tourismus in Aschau und die Nutzer ergeben sich durch die Klassifizierung zahlreiche Vorteile. Der Wanderer kann einen Weg mit all seinen Anforderungen bereits im Vorfeld beurteilen.
Denn Herzpatienten sollten schwierige Wanderungen meiden und sich mit angemessenen Wanderungen begnügen. Die Tourist-Info und Gastgeber können den Wanderern Tipps über Schwierigkeit, Weglänge, Steigungen und Gefälle einer Strecke geben und damit zu einer richtigen Einschätzung der Belastung beitragen. Nach dem Abschluss der Qualifizierungen und der Einordnung der Wanderwege entstehe für die Gemeinde ein längerfristiges Gesundheitskonzept für eine „Region mit Herz“, das auch nach dem Ende des Projektes bestehen bleiben kann. Böhm hat für den Start das Frühjahr 2021 festgelegt, die wissenschaftliche Pilot- und Vorbereitungsphase beginnt noch in diesem Herbst.
Bis zum Start sollen die Vorbereitungen so weit gediehen sein, dass die Ausschilderung und Qualifizierung der vorgesehenen Wege steht und die Abholung und Rückgabe der Messgeräte festgelegt ist. Vorstellbar sind mit steigendem Schwierigkeitsgrad der Weg von der Abendmahlkapelle über die Maisalm zur Kampenwand, die Hofalmrunde, der Weg von Aschau über den Reitweg zur Gorialm oder in Sachrang der Weg zur Wildbichlalm oder ein neu zusammengestellter Rundweg.
Interessierte können
an Studie teilnehmen
Für die mathematische Auswertung finde, so Birgit Böhm, eine sportmedizinische Studie in Zusammenarbeit mit der St. Irmingard Klinik in Prien statt, verbunden mit einem kostenlosen kardiologischen Gesundheitscheck für Studienteilnehmer. Die Studie ist für alle Interessierten offen.
Der Gemeinderat stimmte einstimmig und ohne Debatte zu, für das Projekt in den kommenden zwei Jahren bis Ende Juni 2022 maximal 15000 Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung zu stellen.
Die Fördersumme aus EU-Geldern beträgt aktuell 31400 Euro, der Eigenanteil der Gemeinde ist mit 10467 Euro angesetzt.