Eggstätt – Andreas Przybylski zelebrierte in der Pfarrkirche St. Georg in Eggstätt die Seelenmesse für Edith Stein-Lusnitz. Ihr Schwiegersohn Guy Graf Moy hielt die Lesung und drei Enkel sprachen die Fürbitten für ihre Nonna Ella. Der Eggstätter Kirchenchor begleitete die Messe.
Das Bild der Verstorbenen stelle nur eine Momentaufnahme aus dem langen bewegten Leben dar, so Pfarrer Przybylski. Edith von Stein-Lausnitz wurde am 17. September 1923 als Edith Hesshaimer geboren. Sie wuchs als Älteste von vier Geschwistern in Siebenbürgen (Rumänien) in Kronstadt und auf einem Landgut der Familie auf. Daher rührte ihre große Liebe zum Leben auf dem Land und dem Landleben.
1945, als der Besitz von den Kommunisten enteignet und die Besitzer vertrieben wurden, floh sie mit ihren beiden Schwestern nach Deutschland. Ihren Bruder und ihre Mutter, die in Rumänien festgehalten wurden, durfte sie erst nach 22 Jahren wiedersehen.
1946 heiratete sie Joachim von Stein-Lausnitz, der seine Heimat in Ostpreußen verloren hatte. Ihnen wurden drei Kinder geschenkt: Verena, Alexander und Albert.
1947 konnte die Familie den Lärchhof in Unterulsham erwerben. Er wurde zur festen Heimat. Sie wohnte eigentlich in Wien, wo ihr Vater eine Versicherungsgesellschaft aufbaute. Aber wann immer es ging, war man am Lärchhof. Die Verstorbene gehörte noch zu der Generation, die einen Haflinger vor den Pferdewagen einspannte und damit die Gäste am Bahnhof abholte.
1963 verstarb ihr Mann plötzlich und völlig unerwartet und ließ sie mit 40 Jahren zurück. Ihr Jüngster war gerade mal ein Jahr alt. 57 Jahre lang war Edith von Stein Witwe. Zwei Leitsprüche hatte sie: „Geht nicht – gibt’s nicht, es muss gehen!“ Und manches Familienmitglied durfte sich das anhören, solange, bis eine Lösung gefunden war!
Der andere Leitsatz war: „Nie mit leeren Händen!“ Wenn man irgendwo hinging, konnte man ebenso gut auf dem Weg noch etwas in die Hand nehmen und erledigen. Diese beiden Maximen hat sie bis zum Ende befolgt. Untätig zu sein, lag ihr völlig fern.
Der Lärchhof musste immer ein gastfreundliches, offenes Haus sein, an dessen Blumenpracht nicht nur sie selber, sondern möglichst viele Gäste sich erfreuen sollten. Das ganze Jahr über war sie um ihren Garten besorgt und bemüht. Viele, die am Lärchhof vorüber spaziert sind, blieben vor ihrem Blumenmeer bewundernd stehen. Ganz besonders stand ihr Haus ihren Kindern, ihren Enkeln und Urenkeln offen – wenn die Enkel in den Ferien kamen, freute sie sich von Herzen und war immer für ein Gespräch oder einen guten Rat da. Die letzten sechs Jahre war sie an ihren Rollstuhl und zuletzt an ihr Bett gefesselt. Sebastian Hering