Stephanskirchen-Schloßberg – „Ich möchte nicht weinen müssen“ hat sich Eva Mayr für ihre Verabschiedung vorgenommen. Trockener Kommentar ihres Mannes: „Vergiss es!“ Er hatte recht. Sie hat geweint. Mit zu viel Freude ist Eva Mayr Lehrerin, seit sie sich nach einem Veto ihres Vaters gegen die Pfarrköchin, wahlweise Kinderdorfmutter, und für die Lehrerin entschieden hat. Wenn Schulamt, Kollegen oder Eltern die Rektorin mal zu sehr nervten, dann ist sie in ihre Klasse gegangen, „bei den Kindern war wieder alles gut.“ Und jetzt, ohne Kinder? „Geht‘s zu den Enkeln“, lacht Eva Mayr, die dreifache Mutter.
Schloßberg war ihre zwölfte Station als Lehrerin, gerade in den Anfangsjahren war sie in den Schulen der Region und bis ins Donaumoos viel unterwegs, als Schwangerschaftsvertretung oder mobile Reserve. Mit Nebenwirkungen. „Als ich das zweite Mal in Aising war, hatte ich lauter Kinder in der Klasse, mit deren Vätern ich bei der ersten Tour tanzen war“, erzählt sie strahlend. Da gab‘s Herrn Mayr offensichtlich noch nicht.
Der war und ist bevorzugter Partner bei „Bio-Radltouren“ (ohne Motor) in der Region, „da kriegt man den Kopf so schön frei“. Und das hatte die Schulleiterin eben auch mal nötig. Vor allem in ihrem letzten Schuljahr.
„Ja, das hatte ich mir anders vorgestellt, unter anderem einen Landschulaufenthalt mit meiner zweiten Klasse geplant.“ Und dann kam Corona. Die Schule war leer, die Kinder zu Hause. „Manche Eltern waren da echt am Limit“, sagt sie. Deswegen gab es auch in beiden Corona-Ferien Notbetreuung in der Schule. Und da kamen auch alle Kinder aus sozial schwächeren Familien, die es in Schloßberg auch gibt, denn „die Kinder wären sonst untergegangen.“ Systemrelevante Berufe der Eltern oder nicht, das war Eva Mayr und ihren Lehrern genauso egal wie die Regelung des Ministeriums. „Nicht lange fragen, einfach machen.“
Und ja: Die Zeit des Unterrichts zu Hause sei spürbar. So hätten zum Beispiel die Kinder der mittleren Leistungsebene die Zeit am besten verkraftet, gegenüber den Überfliegern deutlich aufgeholt. Und allen Kindern sei eines gemein: Seit sie wieder in der Schule sind, fragen sie bei Unklarheiten nicht mehr sofort nach. „Sie denken erst mal selber.“ Wissbegierig, schwungvoll, fröhlich, geduldig, engagiert, lebendig – nein, Eva Mayr wird sich als Pensionärin sicher nicht mit Strickzeug in den Ohrensessel zurückziehen. Was nun, Frau Mayr? „Ich werde mich sicher ehrenamtlich engagieren.“ Sie hat schon jahrelang ausrangierte Schulranzen für einen Mann gesammelt, der diese in die Ukraine brachte. „Vielleicht kann ich dem helfen“. Krebskranken Kindern Hausunterricht zu geben, auch das kann sie sich vorstellen. Eva Mayr grinst. „Ich habe eine IHK-Ausbildung als Servicekraft gemacht. Das machte mir Spaß. Aber jetzt nicht. Ich will denen, die davon leben, nichts wegnehmen.“ Eines ist klar: Hauptsache Menschen. Und nächstes Jahr, da fährt sie mit ihrer zweiten Klasse, die dann eine dritte Klasse ist, ins Landschulheim. Nicht als Rektorin, als Begleitperson, zum Gaudimachen. Eva Mayr freut sich heute schon darauf.