Heilende Wirkung des Trommelns

von Redaktion

„Den Kopf frei – auf einen Schlag“ und „Mit einer Sprache mit nur fünf Buchstaben die innere Power wecken“ – das klingt nach Werbesprüchen. Aber wer Christian Partschs Anleitung folgt, merkt schnell: Trommeln ist kinderleicht und macht den Kopf frei. Ein Selbstversuch.

Eggstätt – In seinem Tonstudio in Eggstätt stapeln sich Cajons, die hintere Ecke füllt ein riesiges Schlagzeug mit verschiedenen Becken, dazu ein Computer sowie eine Mikro- und Soundanlage. Musikalität und Technikaffinität gehen hier Hand in Hand. Mittendrin: Chris „Groovesigns“ Partsch (48) aus Eggstätt.

Rhythmus als
geometrische Formen

Schon mit sechs Jahren hat er mit Schlagzeugspielen angefangen, berichtet er. Es folgte die klassische Ausbildung zum Schlagwerker und Schlagzeuger und eine internationale Karriere, unter anderem als Solopauker beim Cairo Symphony Orchester. Jetzt ist er selbstständiger Trommelcoach – und ist erfolgreich und glücklich damit. Vor einigen Jahren hat er die Groovesigns-Methode entwickelt, eine Methode, bei der man mit einfachen geometrischen Zeichen Musik lernt und begreift.

Es gibt Dreiecke, Kreise, Quadrate und Striche, wobei jedes Symbol für einen anderen Rhythmus steht. In einer Werkstätte in Oberbayern werden seine ergonomisch geformten Groovesigns-Cajons „handmade in Bavaria“ gefertigt.

Für kleinere Trommler gibt es sie mit seitlichen Fußstützen, die das Sitzen erleichtern. Eine von seinen Erfindungen, die sich Chris sogar beim Patentamt sichern ließ. „Ein Instrument fürs Leben“ nennt er seine Cajon. Seminare und Workshops hält Chris für Schulen, Hochschulen, Firmen und Behörden in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sein Ziel: „Ich will anderen Leuten Glück bringen. Ich will, dass sie einen Weg lernen, abzuschalten und ihre Sorgen zu vergessen.“ Die Corona-Zeit hat er genutzt, zahlreiche E-Books zu schreiben und seine Methode allen Interessierten näherzubringen. „Ich bin davon überzeugt, dass man auch ohne Notenlesen musizieren kann“, sagt er.

Sich selbst nennt er „Experte für Spaß und Begeisterung.“ Er erklärt mit Händen und Füßen, wofür Trommelsymbole stehen, klatscht sie vor, und zeichnet die Symbole an ein Whiteboard.

Bevor es für die Autorin mit dem Trommeln losgeht, wird erst einmal die sogenannte Body-Percussion geübt. Schlag auf den rechten Oberschenkel, Schlag auf den linken Oberschenkel, zwei mal Schnippen, dann zwei mal Klatschen. Dem gleichbleibenden Motiv schließt sich Partsch mit zarten, dann lauter werdenden Trommeln auf seiner Cajon an. Schnell erwächst eine Melodie. Dann nimmt die Autorin selbst auf einem Cajon Platz. Die Zeigefinger geben den Rhythmus vor, mit der übrigen Handinnenfläche werden dumpfe Schläge an den oberen Rand des Instruments gesetzt. Dann deutet Chris „Groovesigns“ Partsch, mit der rechten Hand den Basisrhythmus weiterzuschlagen, mit der linken flachen Hand jedoch links oben oder mittig einen Gegenrhythmus zu setzen.

Autorin probiert
sich an der Cajon

Nachdem man sich in die ungewohnte Rechts-Links-Koordination eingefunden hat, bereichert der Profi mit seinen Trommelfähigkeiten auf seinem Instrument die Melodie. Mit kleinen Shakern, die er sich über seine Mittelfinger streift, kommen weitere Klangelemente ins Spiel.

Der Funke der Begeisterung ist schnell übergesprungen. Um den Rhythmus zu halten, ist allerdings jede Menge Konzentration nötig. Gleichzeitig stellt sich ein befreiendes Gefühl ein: Nur das Hier und Jetzt zählt. Man lässt sich nur auf das Trommeln ein, den Alltag lässt man hinter sich.

Fazit nach dem Selbstversuch: Das gemeinsame Trommeln hat etwas. Chris „Groovesigns“ Partschs Ziel: Noch viel mehr Menschen davon überzeugen, dass das Trommeln den Kopf frei und glücklich macht. Auf seinem Youtube-Kanal Glückschlag können Interessierte schon einen ersten Eindruck von seiner Arbeit gewinnen. Weitere Infos gibt es auch auf seiner Homepage www.groovesigns.de.

Die Funktion von Musik und Trommeln

„Da wo unsere Sprache als Ausdrucksmittel versagt, kann Musik helfen“, erläutert Martin Kärcher, Musiktherapeut aus Rosenheim. Dass Trommeln eine therapeutische Wirkung hat, erlebt er täglich in seinem Beruf. Vor allem, wenn die persönliche Entwicklung bei Kindern ins Stocken kommt oder während einer depressiven Phase bei Erwachsenen könne das Bewusstsein über sich selbst durch Trommeln in Selbstbewusstsein umgewandelt werden. „Trommeln ist die Umwandlung von Energie“, so Kärcher. Über die rhythmische körperliche Aktion erhalte man das akustische Feedback über den Ton und die Melodie, die dabei entsteht. Wichtig sei jedoch immer das Setting, sprich die Intention hinter dem Trommeln. Auch im Krieg seien Trommeln verwendet worden – nicht mit dem Ziel der Entspannung. Kärcher verweist auch auf die Arbeit des Münchner Musik-, Kinder- und Jugendtherapeuten Dr. Andreas Wölfl. Dieser startete am Freien Musikzentrum München das Projekt „Trommelpower gegen Gewalt“. Dabei werden Kinder und Jugendliche angeleitet, wie sie sich und ihre Emotionen vorwiegend mit rhythmischen Instrumenten ausdrücken können. tib

Artikel 1 von 11