Stephanskirchen/Riedering – Anders als in der britisch-amerikanischen Filmkomödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (von 1994) verhalten sich die Zahlen von Hochzeiten und Todesfällen in den beiden Gemeinden Stephanskirchen und Riedering.
Bei den Hochzeiten vermelden die beiden Standesämter Stephanskirchen und Riedering nur wenige Abweichungen zum Vorjahr. Heißt es so oft, dass der Wonnemonat Mai der Monat sei, in dem nicht nur das frische Grün sprießt, sondern auch ganz oft getraut wird, so trifft das in den beiden an den Simssee grenzenden Gemeinden wohl auch zu. Corona hin oder her, heiraten nur im kleinen Kreis oder verschieben – in Riedering entschied sich im ersten Halbjahr nur ein Paar, seine Trauung zu verschieben, ansonsten kann Standesbeamter Martin Ruhstorfer nichts Auffälliges vermelden. Im Vorjahr waren insgesamt 27 Trauungen zu verzeichnen, davon die Mehrzahl im zweiten Halbjahr, von daher findet der Riederinger Verwaltungsbeamte elf Trauungen im ersten Halbjahr 2020 wenig atypisch.
Hochzeit absagen? Gab‘s nur zweimal
Auch das Standesamt Stephanskirchen, zuständig auch für Vogtareuth, Prutting und Söchtenau, vermeldet einen ähnlichen Trend: Heuer ließen sich hier bisher 31 Paare trauen, im vergangenen Jahr waren es nur sechs Paare mehr, so Standesbeamter Christoph Meier. Laut Stephanskirchens Geschäftsleiter Georg Plankl wurden nur zwei standesamtliche Trauungen im ersten Halbjahr 2020 abgesagt. Eine dritte wurde zweimal verschoben „und am dritten Termin krankheitsbedingt abgesagt“, so Meier. Einige wenige Verschiebungen habe es in der Lockdown-Frühphase gegeben, das könne er nachvollziehen. 31 Hochzeiten stünden wohl kaum für weniger Lust am Heiraten, so Christoph Meier. Trotz der Corona-Auflage des Abstandsgebots und dass nur wenige Zeugen der standesamtlichen Zeremonie beiwohnen dürfen. „Da hatten alle Verständnis, die ganz große Enttäuschung blieb aus.“ Zehn Personen sind bei der standesamtlichen Trauung derzeit zugelassen, „ich habe aber nicht durchgezählt, ob es nicht vielleicht doch mal elf waren – so lange die Abstände groß genug sind, passt‘s.“
Deutlich mehr Sterbefälle
Ein anderes Bild ergibt sich hingegen bei den Sterbefällen. Auch wenn Riedering eine der vielfach von Corona betroffenen Gemeinden im Landkreis war, so möchte Martin Ruhstorfer nicht von einer höheren Todesrate sprechen. Aus Riedering werden für das erste Halbjahr 18 Sterbefälle vermeldet, im gesamten vergangenen Jahr waren es 31 Sterbefälle, für Ruhstorfer „alles im Rahmen.“
In der Nachbargemeinde Stephanskirchen ist es ganz anders. Seit 2013 ist Vogtareuth dem Standesamt Stephanskirchen zugeordnet, auch Prutting und Söchtenau fallen unter das Standesamt im Ortsteil Schloßberg.
Während Stephanskirchen nach Aussagen von Verwaltung und Bürgermeister am Rande einer Gemeinderatssitzung nicht spürbar mehr Todesfälle zu verzeichnen hatte, hat Corona im Standesamtsbezirk schon seine Spuren hinterlassen: Waren im Durchschnitt in den vergangenen Jahren im ersten Halbjahr 61 Todesfälle pro Jahr beim Standesamt Stephanskirchen zu verzeichnen, so sprechen die 83 Gestorbenen bis Ende Juni 2020 eine ernste Sprache. Das sind „deutlich Sterbefälle mehr“, so Standesbeamter Meier. Allerdings mussten weder in Prutting noch in Söchtenau noch in Vogtareuth im ersten Halbjahr 2020 merklich mehr Gemeindebürger zu Grabe getragen werden, war aus den Gemeindeverwaltungen und Pfarreien zu erfahren. In Prutting beispielsweise war es trotz zweier bekannter Corona-Fälle eine Person weniger. Das evangelische Pfarramt Stephanskirchen, das für fünf Gemeinden, darunter neben Stephanskirchen auch Vogtareuth und Riedering zuständig ist, hat im ersten Halbjahr 2020 drei Beerdigungen mehr zu verzeichnen als im gleichen Zeitraum 2019. In Vogtareuth wurden im ersten Halbjahr 2019 20 Menschen beerdigt, 2020 waren es 22, darunter drei Opfer einer Familientragödie. Die Corona-Pandemie habe in der Gemeinde im Bezug auf Todesfälle keine großen Spuren hinterlassen, so Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter, wie es in der Klinik aussehe, wisse er nicht. Dazu teilte eine Sprecherin mit, dass die Schön Kliniken keine detaillierten Zahlen nennen können.
Aber es gebe auch Erfreuliches aus dem Standesamt zu berichten, so die Herren Meier und Ruhstorfer einhellig. Ohne Geburtskrankenhaus hätten sich nämlich einige Familien für Hausgeburten entschieden. Und so gab es in Riedering in 2018 und 2019 jeweils eine Hausgeburt, „heuer noch keine,“ erklärt Ruhstorfer.
Stephanskirchen hat hingegen schon eine Hausgeburt zu verzeichnen, weiß Meier zu berichten, eine weitere steht in den nächsten Tagen an. Ob die Stephanskirchner im zweiten Halbjahr noch den Rekord von fünf (2019) knacken, weiß Christoph Meier nicht abzuschätzen. Das liegt ja aber auch nicht in seiner Hand.