Thomas Götz (53)
„Als Paar hatten wir zwei Autos, und beide standen meistens herum. Deshalb haben wir einen Wagen aufgegeben und sind Autoteiler geworden. Das Ausleihen klappt auch spontan; bei Bedarf so etwa zweimal im Quartal. Wir haben bisher ein zweites eigenes Auto nicht vermisst.“
Figen Gericke, 52 Jahre
„Wir sind 2018 aus Berlin zugezogen. Dort haben wir keinen Zweitwagen gebraucht. Hier fährt der Bus jedoch nicht alle zehn Minuten. Deshalb bin ich seit einem Jahr AmAg-Mitglied. Als Mutter bin ich flexibel und mobil, wenn mein Mann beruflich mit unserem Auto unterwegs ist.“
Tilo Teply (49)
„Ich nutze die Autos der Ameranger Autoteiler-Gemeinschaft als Hauptfahrzeuge und fahre etwa 8000 Kilometer im Jahr. Das hängt von den Kindern ab. Da ich im Ort arbeite, brauche ich das Auto hauptsächlich in der Freizeit und für Fahrten zum Sport oder zum Bahnhof.“
Jakob Teply (18)
Der angehende Student aus Amerang kennt Autoteilen seit seiner Kindheit und nutzt es mittlerweile selbst. „Als Schüler kann ich mir kein Auto leisten, aber mit der AmAG bin ich mobil. Es ist praktisch, dass ich so mal zur Schule fahren oder meine Geschwister vom Sport abholen kann.“
Amerang – „Ohne Auto geht es auf dem Land nicht“ – die Aussage kommt nicht von ungefähr. Zeitnahe Bus- und Bahnverbindungen sind häufig spärlich oder gar nicht vorhanden. Aber braucht man für die gewünschte Mobilität unbedingt einen eigenen Wagen? Eine Gruppe Ameranger findet: „Nein.“
Vor 14 Jahren starteten sie den Versuch „Carsharing“ und machten daraus ein Erfolgsmodell. Dabei war die Idee, mit der gemeinschaftlichen Nutzung eines Autos mobil zu sein und Geld zu sparen, nicht neu. Allerdings hatte sich die berechtigte Frage gestellt, ob das bis dahin nur in Großstädten erprobte Modell auch auf dem Land funktioniert.
Viel Kopfschütteln
bei der Gründung
der Gemeinschaft
Dementsprechend habe es bei der Gründung der Gemeinschaft viel Kopfschütteln gegeben über den bundesweit kleinsten Ort mit Car-Sharing-Angebot, erzählt Tilo Teply von den Autoteilern. Und ja, klar habe es ein wenig Pioniergeist gebraucht, doch allen Skeptikern zum Trotz habe sich das Gemeinschaftsmodell in der ländlichen Gemeinde etabliert. „Man sieht, es geht doch“, freut sich Teply.
Seit dem Start der Autoteiler-Gemeinschaft hat ihre Fahrzeugflotte mehr als sechsmal den Erdball umrundet; die Gesamtkilometerleistung liegt bei knapp 255000 Kilometer.
Obwohl die derzeit 16 Mitglieder – darunter auch die Gemeinde Amerang – gerne noch mehr werden dürften. Schließlich braucht es zum Erfolg Mitglieder mit Transportbedarf, denn die Fixkosten müssen hereingefahren werden. Für einen Monatsbeitrag von fünf Euro und einer günstigen Kilometer- und Mietdauer-Pauschale kommen die Autoteiler dann äußerst wirtschaftlich zum Ziel. Dafür braucht es eine gewisse Planung der Fahrten, aber über das Online-Portal ist die Buchung unkompliziert, finden die Nutzer.
„In all den Jahren ist es äußerst selten zu Terminüberschneidungen gekommen und wenn doch, dann ist immer eine gute Lösung gefunden worden“, sagt Walter Satzinger. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und sieht neben der Kostenersparnis auch die ökologischen Vorteile. Fakt sei, dass die Nutzer nicht wegen jeder Kleinigkeit ins Auto steigen würden, und das komme der Umwelt zugute. Ebenso wie die Tatsache, dass durch Carsharing weniger Autos gekauft würden, die vorher mit erheblichen Energieaufwand produziert und später entsorgt werden müssten.
Um den Umweltgedanken noch zu verstärken, setzen die Autoteiler auf die Gewinnung von weiteren Mitgliedern und auch auf Elektromobilität. Mit einem Twizzy 45 wurden auch junge Fahrer mit ins Boot geholt. Das Elektro-Ei ermöglicht Führerscheininhabern ab 17 selbstverantwortungsvolles Fahren ohne Begleitperson. Ein Fernziel ist ein Elektroauto, das in Evenhausen stationiert werden soll, um den Ort an die Autoteiler anzubinden. Doch vorher musste ein in die Jahre gekommenes Fahrzeug durch eine Neuanschaffung ersetzt werden. Nach längerem Suchen fiel die Wahl auf einen Hochdachkombi, der durch seinen variablen Innenraum überzeugte. Gut ausgestattet mit Glasdach, Sitzheizung, Einparkhilfe und abnehmbarer Anhängerkupplung steht der Wagen ab sofort für vielfältige Transportaufgaben zur Verfügung.
Die Fahrzeuge
sind neutral lackiert
und unauffällig
Mit dem VW Up und dem Elektromobil Renault Twizzy können die Mitglieder der AmAG nun drei unterschiedliche Fahrzeuge nutzen. Die Fahrzeuge sind neutral lackiert. Reserviert werden sie über eine Buchungsplattform im Internet. Die AmAG bietet Interessenten eine kostenfreie dreimonatige Schnuppermitgliedschaft.
Statt regulär fünf Euro monatlich fallen nur die Nutzungstarife zwischen 40 Cent pro gebuchter Stunde (nachts zehn Cent) und 20 bis 35 Cent pro Kilometer an Informationen unter www.amagonline.de, oder unter www.buergernetzwerk-amerang.de.