Stephanskirchen – Genug Wasser da, Qualität stimmt auch – na, dann: Hahn auf und los? So einfach ist es nicht. Bis eine Gemeinde das eigene Trinkwasser ins Leitungsnetz einspeisen kann, dauert es.
Zehn Jahre von der Idee bis zum ersten Schluck eigenen Wassers aus dem Hahn – und dann ist vieles gut gegangen. Wie lange es nun tatsächlich noch dauern wird, bis die Stephanskirchener das eigene Wasser aus dem Brunnen Ödenwald trinken können, darauf hat die Gemeinde nicht mehr viel Einfluss. Der Gemeinderat brachte jetzt einstimmig den Antrag und die Unterlagen für Wasserentnahme und Wasserschutzgebiet auf den Weg.
Brunnenstandort war
schnell gefunden
Im April 2012 gab es ein erstes Gespräch mit Vertretern des Landrats- und des Wasserwirtschaftsamtes wegen der eigenen Wasserversorgung, im Oktober 2012 beschloss der Gemeinderat, östlich von Högering eine Probebohrung zu machen. Östlich von Högering, weil dort ein entsprechendes Grundwasservorkommen sehr wahrscheinlich war. 2013 ging die Probebohrung im Ödenwald nieder, inklusive vier Grundwasser-Messstellen. 14 weitere sollten bis 2016 folgen, zum Teil auch auf Wunsch des Wasserwirtschaftsamtes. Dazu kamen Untersuchungen, ob sich das Stephanskirchener und das Rosenheimer Wasser miteinander vertragen oder ob es zu unguten chemischen Reaktionen kommt. Langzeitpumpversuch, technische Planungen, Grundstücksverhandlungen für Brunnen und Zufahrt, Berechnung der benötigten Wassermenge, Brunnenbau und Berechnung der Größe des Wasserschutzgebietes – das alles dauert. Und wenn dann noch zwei Dürrjahre wie 2018 und 2019 dabei sind, in denen ein Leistungspumpversuch nicht möglich ist, dann dauert‘s noch ein wenig länger. Dieser Versuch ist nötig, um die Grenzen des Schutzgebietes deutlich zu machen, erklärte Geologe Axel Thiele vom Wasserburger Büro Crystal Geotechnik.
Die Schutzzone I umfasst nur ein paar Meter rund um den Brunnen, in der Schutzzone II ist das Wasser etwa 50 Tage bis zum Brunnen unterwegs und in der größten Schutzzone III kann es auch mal drei Jahre dauern, bis der Regentropfen am Brunnen ankommt. Die Schutzzonen I und II des Brunnens Ödenwald liegen im Wald, nur die Schutzzone III betrifft auch Felder. Da ist aber laut Thiele keine Veränderung zur derzeitigen Nutzung nötig, „die gute fachliche Praxis kann weiterlaufen“.
Ja, erklärte Thiele auf Nachfrage von Gerhard Scheuerer (Parteifreie), Gülle darf – selbstverständlich im Rahmen der Gülleverordnung – weiter auf den Feldern ausgebracht werden, mineralische Dünger hingegen nicht.
Das sei auch mit den betroffenen Landwirten alles besprochen, so Jürgen Lohse, der zuständige Mann in der Gemeindeverwaltung. Die seien von Anfang an erfreut und eingebunden gewesen, hätten immer alle Informationen gehabt, Widerstand gebe es kaum.
Dritte Bürgermeisterin Steffi Panhans (SPD) wunderte sich, dass der Nitratwert etwas höher sei, als im Rosenheimer Trinkwasser. Das liege daran, so Thiele, dass bei den vom Wald umschlossenen Feldern der Boden einen relativ geringen Schutz biete, das federe der Wald aber wieder ab. Die Werte seien völlig unbedenklich, weit unter den Grenzwerten von 50 Milligramm pro Liter „in einem Bereich, über den sich viele andere Wasserversorger freuen würden“, so Thiele.
Wenn alles gut geht,
noch zwei, drei Jahre
Herbert Bauer (Parteifreie) wollte wissen, wann er denn nun endlich Stephanskirchener Wasser aus dem Hahn trinken könne. „Mit Glück in zwei, drei Jahren“, so Thiele. Genauer sagen kann das auch Lohse nicht, denn auch wenn die Unterlagen in den nächsten Wochen bei den Fachbehörden landen, heißt das noch nicht, dass sie ab Herbst bearbeitet werden: Es gibt Gemeinden, in denen die Trinkwasserversorgung kritischer ist, als in Stephanskirchen, das seit 1. Januar 1981 von Rosenheim beliefert wird, so Lohse. Und diese Gemeinden haben Vorrang. „Wir müssen trotzdem Gas geben“, so Hubert Lechner (Parteifreie), „denn der Brenner-Nordzulauf droht.“