Aschau – „Leader“ heißt das Zauberwort, mit dem viele Gemeinden Geldmittel für Projekte an Land ziehen, die zwar wünschenswert, aber für die Kommune zu teuer sind oder nicht zu den Pflichtaufgaben gehören. Auch die Gemeinde Aschau ist an mehreren Vorhaben der Leader-Gruppe Chiemgauer Alpen beteiligt. Bürgermeister Simon Frank (Zukunft für Aschau) informierte den Gemeinderat bei der jüngsten Sitzung über einige der laufenden Leader-Projekte und lud dazu die verantwortlichen Projektleiter ein.
„Römerregion“ in
vollem Gange
Annette Marquard-Mois, Leiterin und Koordinatorin des Leader-Projekts „Römerregion Chiemsee“ gab einen Überblick über die Planung und Vorhaben, die seit zwei Jahren laufen. In Aschau werden die geplanten Projekte gerade umgesetzt – zuletzt mit der Vorstellung der Informationstafel an der Schützenstraße. Weiter sollen Flyer zum Thema „Römer im Chiemgau“ herausgegeben werden, die Erarbeitung eines Führungskonzepts sowie die wissenschaftliche Auswertung weiterer römischer Fundstücke sind ebenfalls vorgesehen. Dies erfolge laut Marquard-Mois in enger Abstimmung mit dem Heimat- und Geschichtsverein Aschau und dem Aschauer Sondengeher Sebastian Aringer.
Das nächste Leader-Vorhaben stellten die beiden Vorsitzenden des lmkervereins Frasdorf-Aschau, Michael Herden und Christian Voggenauer, vor. Das Leader-Projekt „Lehrbienenstand mit Vereinsraum Frasdorf/ Aschau“ ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem lmkerverein Frasdorf- Aschau, dem Gartenbauverein Frasdorf sowie der beiden Gemeinden Frasdorf und Aschau.
Da für beide Vereine keine geeigneten Räume vorhanden sind, startete man dieses Projekt. Mit dem Bau des Lehrbienenstandes am Frasdorfer Sagberg-Parkplatz wird voraussichtlich nach den Sommerferien begonnen, die Bienen sollen noch in diesem Jahr einziehen.
Zuletzt stellte Kolja Zimmermann von der LAG Chiemgauer Alpen Routen und Möglichkeiten für die Beschilderung eines Mountainbike-Netzes in den Chiemgauer Bergen und auf dem Aschauer Gemeindegebiet vor.
Für das Gremium waren dabei vor allem die anfallenden Kosten und die künftige Nutzung oder Ausweitung des Netzes von Interesse. Da zeitgleich auch eine Aschauer Gruppe einen ersten Entwurf für das Miteinander von Mountainbikern und Wanderern vorgestellt hatte, wurden diese Ausführungen kritisch angehört.
Die Gemeinde Aschau hat sich 2017 neben anderen Gemeinden an der Erstellung eines landkreisübergreifenden Beschilderungskonzepts zur Entwicklung und Ausweisung einer einheitlichen Mountainbike-Region beteiligt. Dabei sollten Strecken angeschaut werden, welche infrage kommen könnten. Nach vielen Gesprächen mit dem Grundstückseigentümer Bayerische Staatsforsten und den beteiligten Gemeinden wurde ein gemeinsames Routennetz und Beschilderungssystem entworfen und erstellt.
Zimmermann brachte zur Gemeinderatssitzung einen fertig ausgearbeiteten Vertrag über Routen, Schilder und Kosten mit, der nach der Unterzeichnung als weitere Arbeitsgrundlage dienen sollte. Dieser Vertrag könne und solle sofort unterschrieben werden. Die Kosten für die Neuanschaffung einer Mountainbike-Beschilderung belaufen sich demzufolge auf rund 13000 Euro. Darin einkalkuliert sind der Druck und das Aufstellen der Markierungsschilder. Folgekosten könnten nicht mehr über Leader abgerechnet werden.
Kein Vertrag ohne
eingehende Prüfung
Zimmermann übersah dabei, dass die Grundstücksverhandlungen und Nutzungsverträge bisher nicht vorliegen. Sowohl Bürgermeister Frank wie auch die Gemeinderäte fühlten sich mit einer Vertragsunterzeichnung innerhalb der laufenden Sitzung überfahren. Eine Vertragsunterzeichnung sei, so Frank, erst nach Abschluss der Verhandlungen mit allen Grundstückseigentümern sowie einer Prüfung der Unterlagen durch die Verwaltung möglich.
Die erfahrenen Bergradler im Gemeinderat stellten fest, dass die vorgeschlagenen Strecken ohnehin bereits bekannt seien und in den Tourenvorschlägen im Internet bestens bekannt gemacht worden seien. Das Gremium war sich einig, dass es hier auf einige Tage mehr bestimmt nicht ankomme und stellte den Tagesordnungspunkt zurück.