Meer gegen Berge getauscht

von Redaktion

Zu Besuch bei Sennerin Franziska Bell auf der Feichteckalm am Samerberg

Samerberg – „Was tun, wenn wegen Corona der Arbeitsplatz auf einem Kreuzfahrtschiff und damit das Vorhaben, die Welt zu erkunden, nicht möglich sind?“ Diese Frage beantwortete Franziska Bell aus Antholling im Landkreis Ebersberg mit der Entscheidung, für einen Almsommer in die Chiemgauer Berge zu gehen. Und so tauschte sie das weite Meer gegen die Feichteckalm am Samerberg – bislang mit viel Freude und ohne Reue.

Durch Corona
Pläne geändert

Mit der Landwirtschaft kam Franziska schon daheim auf dem elterlichen Hof in Berührung, die Liebe zur Natur und zu den Tieren ergab sich dabei wie von selbst. Beruflich zog es die nunmehrige Almerin in die Gastronomie und Hotellerie. Sie studierte Betriebswirtschaft sowie Ernährungs- und Versorgungs-Management bei der Fachakademie in Miesbach. „Eineinhalb Jahre war ich bei Veranstaltungen tätig, vor allem bei der Organisation von Hochzeiten und Geburtstagsfeierlichkeiten, da kam der Wunsch zu einem außerbayerischen Gegenprogramm auf“ – so Franziska Bell, die sich dann Anfang Februar erfolgreich um eine Anstellung auf dem Kreuzfahrtschiff bewarb.

„Doch dann kamen Corona, mit ihr die Absage vom künftigen Arbeitgeber und erfolglose Versuche, in Österreich oder Deutschland eine Position in einem Hotel zu bekommen. Da entschied ich mich, mich nicht länger mit Kurzarbeit zu vertrösten, nahm einen Nebenjob in der Landwirtschaft an und meldete mich beim Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO)“ – so Bell.

Der AVO koordiniert die personellen Besetzungen auf den Almen im Sinne der Almbesitzer und Arbeitssuchenden. Kurz darauf meldete sich Almbauer Bartholomäus Mayer und seine Mutter Irmi aus Schilding am Samerberg bei der Bewerberin und schnell war man sich einig, dass Franziska den heurigen Almsommer auf der Feichteckalm verbringt.

Dort hat die junge Frau die herkömmlichen Aufgaben zu bewältigen: Jungrinder sind täglich zu zählen, die Weiden sind zu pflegen und die Zäune sind in Ordnung zu halten.

Melken braucht sie nicht, denn für die Zubereitung der Almbrotzeiten verwendet sie frische Milch vom Almbauernhof in Schilding. Viel Freude machen ihr der eigens angelegte Kräutergarten, die Küchenvorbereitungen und das Gespräch mit den Wanderern und Bergradlern. Zum Teil wird sie bei besonderen Arbeiten auf dem Feld, im Stall oder bei der Alm-Bewirtung von der Almbauern-Familie unterstützt. Franziska freut sich über jeden Besucher: „Neulich waren ganz interessierte Gäste aus der Gemeinde Weilrod im Hochtaunus da und manchmal kommen Verwandte, Freunde und Bekannte aus meiner Heimat, da freue ich mich ganz besonders, denn die bringen mir dann frische Erdbeeren oder andere Schmankerl vom Tal, die es hier auf dem Berg nicht gibt“, so die ehemalige Vorsitzende vom Bairer Dirndlverein.

Keine Langeweile
und viel Natur

Seit 16 Jahren gehört Franziska Bell dem Trachtenverein Bairer Winkl als Dreherin und Tänzerin an. „Gerade weil wir heuer nicht proben können, freuen wir uns auf unsere Treffen auf der Alm“.

Aufpassen will die Sennerin, dass nicht zu viele Leute auf einmal vor Ort sind. Wegen Corona und wegen der nicht möglichen Abstandsflächen in der engen Almstube wird nur eine Bewirtung im Freien angeboten. Für die in Almnähe tätigen Waldarbeiter gibt es sowieso immer eine Brotzeit oder einen Kuchen, sagt sie.

Langeweile kennt Franziska auf der Alm nicht: Arbeit, Besuche und Erholung wechseln sich ab. Der Almsommer dauere zwar noch, aber die Zeit gehe schnell vorbei, sagt sie. Ob sie im nächsten Jahr wieder auf die Alm geht? „Schauen wir mal“, lässt Franziska Bell diese Frage offen.

Artikel 1 von 11