Spagat zwischen Bau und Rathaus

von Redaktion

100 Tage im Amt Johann Murner (Parteifreie Bürger), Bürgermeister von Höslwang

Höslwang – Seit 100 Tagen ist Johann Murner (Parteifreie Bürger) Bürgermeister der Gemeinde Höslwang. Wie es dem einst selbstständigen Baggerunternehmer seit seinem Amtsantritt im Mai ergangen ist und welche Ziele er verfolgt, verrät er im Interview.

Herr Murner, die ersten 100 Tage im Amt liegen hinter Ihnen. Wie haben Sie sich inzwischen eingewöhnt?

Der Amtsantritt war allgemein eine große Umstellung für mich, da ich im Baugewerbe tätig bin. Ich habe einen Baggerbetrieb und bin ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Höslwang. In meinem Betrieb ist Büroarbeit untergeordnet und die praktische Arbeit steht im Vordergrund. Ich habe mich aber schon an die viele Büroarbeit im Rathaus gewöhnt. Man merkt jetzt, wie vielfältig die Aufgaben sind und mit welchen Problemen man zu kämpfen hat. Ich freue mich auf die vielen neuen Herausforderungen und hoffe, dass alles zu schaffen ist.

Sie kommen aus dem Baugewerbe. Können Sie von Ihrer beruflichen Erfahrung auch in Ihrem Amt als Bürgermeister profitieren?

Meine berufliche Erfahrung im Tief- und Straßenbau kann ich bei Bauangelegenheiten der Gemeinde gut verwenden. Durch die Kenntnisse aus der Praxis sind die Projekte gut abzuschätzen und bei der Umsetzung und Realisierung von Vorteil.

Wie wirken sich die Folgen der Corona-Pandemie in der Gemeinde Höslwang aus?

Höslwang ist eine kleine und ruhige Gemeinde. Die Auswirkungen von Corona sind mit Ausnahme der Gastronomie- und Übernachtungsbranche überschaubar. Da auch Bolz- und alle Spielplätze gesperrt waren, war es noch ein wenig stiller, das Lachen und Lärmen der Kinder fehlte. Auch das Vereinsleben war zum Stillstand gekommen, da keine Veranstaltungen mehr möglich waren. Vielen Dank an unsere Bürgerinnen und Bürger, die sich an die vorgegebenen Auflagen gehalten haben, sodass die Infektionszahlen so gering waren. Durch die Lockerungen der Beschränkungen ist nahezu wieder „normales Leben“ möglich. Eine Herausforderung stellen aber nach wie vor die Einschränkungen im schulischen und Kindergartenbereich dar. Die Organisation des Kindergarten- und Schulbetriebes mit den erforderlichen Hygieneschutzauflagen ist eine große Herausforderung. Hier möchte ich ein großes Lob an die Pädagoginnen im Haus für Kinder und der Schule aussprechen. Nun kommt es auf die nächsten Wochen an, wie sich die Infektionszahlen weiter entwickeln.

Welche Projekte Ihres Vorgängers wollen Sie weiterführen und welche eigenen Projekte liegen Ihnen für diese Legislaturperiode besonders am Herzen?

Eines der Ziele war, Wohnraum für unsere Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. Wir möchten bezahlbares Bauland für unsere jungen Familien anbieten, damit sie in der Gemeinde wohnhaft bleiben. Durch die Familien mit Kindern können der Schulstandort und die Kindertageseinrichtung in der Gemeinde Höslwang gesichert werden.

Stichpunkt Ortsentwicklung: Eine Mehrzweckhalle war immer wieder im Gespräch. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Für eine Mehrzweckhalle in der Ortsmitte sehe ich keine Option, da auf dem Areal in der Ortsmitte schlichtweg kein Platz dafür ist. Mir würde ein Bürgersaal oder eine Turnhalle, die vielfältig genutzt werden kann, besser gefallen. Vor Kurzem haben der Gemeinderat und der Vorstand der Dorferneuerung eine Turnhalle in Au besichtigt, die von der Größe passen könnte. Nun sind die Kosten zu ermitteln und eine mögliche Finanzierung abzuklären.

Wie ist es um das Dauerbrenner-Thema Wertstoffhof bestellt?

Wie es da weitergeht, müssen wir sehen. Der geplante Standort ist auf einem Erbpachtgrundstück der Kirche, was mit laufenden Erbpachtzinsen verbunden ist. Diese Kosten könnten wir einsparen, wenn der Wertstoffhof auf einem gemeindlichen Grundstück errichtet wird. Die Standortfrage möchte ich nochmals aufgreifen.

Wenn Sie etwas ändern könnten, sei es in der Verwaltung oder der Kommunalpolitik, was wäre das?

Leider gibt es für alle Bauvorhaben oder Vorhaben der Gemeinde Hölswang hohe Auflagen, die zu erfüllen sind. Ein Beispiel sind Ausgleichsflächen. Bei einer Baulandausweisung werden zusätzlich Ausgleichsflächen gefordert. Bei einer Bebauung werden auch diese aus der landwirtschaftlichen Nutzung entnommen und dürfen nur noch sehr eingeschränkt genutzt werden. Die Gesamtflächen fehlen wiederum in der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Die Landwirte können kaum Ersatzflächen zu einem annehmbaren Preis erwerben, da Grundstücke rar sind und der Preis auch für landwirtschaftliche Grundstücke immer weiter steigt.

Um Bauland zu sparen, sollte meiner Meinung nach mehr nachverdichtet werden, beispielsweise durch An- und Ausbau leerstehender Gebäude. So könnte mehr Wohnraum oder Fläche für Gewerbe entstehen, ohne Flächen neu zu versiegeln. Interview Kristina Blum

Liebe Leser,

falls Ihnen dieses Interview bekannt vorkommt – ja, dem ist so. Aufgrund eines technischen Fehlers ist die unautorisierte Rohfassung ins Blatt gerutscht. Zum besseren Verständnis: Wortlaut-Interviews werden den Gesprächspartnern üblicherweise zur Freigabe vorgelegt. In Rücksprache mit Bürgermeister Johann Murner veröffentlichen wir nun das autorisierte Interview im Wortlaut. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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