Aschau/Frasdorf – „Des einen Freud‘ ist des anderen Leid“ – diese Redewendung passt wohl auch auf das laufende Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der A8 zwischen Achenmühle und Bernauer Berg. Während vor einigen Jahren die Frasdorfer Bürgerinitiative – mit Erfolg – für eine Einhausung und einen besseren Lärmschutz auf der neuen Autobahn gekämpft hat, formierte sich kürzlich in Aschau die Bürgerinitiative (BI) „Stoppt das A8-Monster“, die sich gegen viele Aspekte des aktuellen Tekturplans der Autobahndirektion Südbayern ausspricht.
Scharfe Kritik an Flächenverbrauch
Ein Punkt ist der Flächenverbrauch. „Der Entwurf zeigt deutlich, wie viele Eingriffe allein auf dem kurzen Stück bei Frasdorf vorgenommen werden“, sagt Professor Dr. Edda Weimann. Sie ist Gemeinderätin (Grüne) in Aschau und gründete zu Beginn der neuen Amtsperiode die Aktionsgruppe Klimaschutz und ist die treibende Kraft der BI. Diese agiere losgelöst von Parteien, zahlreiche Bürger aus Aschau und Frasdorf würden sich gegen den „enormen Flächenfraß“ engagieren.
Auch an den Entwürfen für die Entwässerung, die das angrenzende Wasserschutzgebiet verunreinigen könnte, so die Bedenken vieler, und der Argumentation zur Verkehrsentlastung, die sich aus dem Ausbau ergeben soll, übt die Bürgerinitiative Kritik. „Das gesamte von der Regierung beschlossene Bauvorhaben widerspricht dem Koalitionsvertrag“, sagt Weimann. Die Planung sei nicht mit dem Pariser Klimaschutzabkommen und der Klimaschutz-Offensive der Bayerischen Staatsregierung vereinbar. Das Geld für den Autobahnbau sollte besser in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fließen, meint Weimann. Auch beim Lärmschutz kritisiert die BI, dass nicht alle Ortsteile gleichermaßen berücksichtigt wurden. Josef Stein aus dem Frasdorfer Ortsteil Leitenberg war 30 Jahre Gemeinderat in Frasdorf und engagiert sich jetzt in der Aschauer Bürgerinitiative. Auch er kritisiert den Flächenverbrauch. „Die Ausfahrt soll verlegt werden, es sind zwei Kreisel vorgeschlagen, die überhaupt nicht nötig sind“, meint er. Schon vor zehn Jahren habe er vorgeschlagen, das Baugebiet abzustecken, um das Ausmaß der künftigen Baustelle sichtbar zu machen. „Damals wurde mein Vorschlag abgelehnt“, berichtet er.
Auch in puncto Lärmschutz gebe es Nachholbedarf: „Der Lärmschutzwall sollte nach Norden hin höhergezogen werden, sonst haben wir in Leitenberg nichts davon“, sagt Stein. Ebenfalls problematisch sei die Entwässerung. Das Wasser solle in ein Auffangbecken abgeleitet werden. Der Überlauf würde dann direkt in das angrenzende Biotop fließen, welches an das Wasserbeschaffungsgebiet für Umrathshausen angrenze. „Jeder muss nach dem Wasseroberflächengesetz das Wasser reinigen, bevor er es ableiten darf. Dort fließt im Winter das Streusalz direkt in die Landschaft“, erläutert er.
Dieser Aspekt beschäftigt auch Kreisrat Helmut Freund und Gemeinderat Georg Wörndl (beide Bayernpartei) aus Frasdorf. „Ein Anwohner ist auf uns zugekommen und hat seine Bedenken zur Abwasserregelung geäußert“, berichtet Freund. Der Seehauser Quellbach sowie das gesamte Biotop seien dadurch bedroht.
Bau ja, aber nicht
auf Kosten der Natur
„Wir sind nicht partout gegen den Ausbau der Autobahn“, sagt Freund. Im Gegenteil: Die Erneuerung der vier Bestandsspuren mit je einem Standstreifen pro Seite in Verbindung mit den geplanten Lärmschutzvorkehrungen seien „absolut notwendig“. Allerdings seien auch Wasser und die Natur ein schützenswertes Gut. „Wenn man so ein großes Projekt plant und so viel Geld in die Hand nimmt, dann sollten dafür auch die entsprechenden Schritte ergriffen werden“, sagt Freund.
Georg Wörndl plädiert für eine Lösung, die im Gutachten der Autobahndirektion vorgeschlagen, aber seiner Ansicht nach aus Kostengründen wieder verworfen wurde. „Eine bessere Möglichkeit wäre, das Abwasser über Rohre in den nächstgrößeren Fluss abzuleiten“, erläutert er.
Der Frasdorfer Gemeinderat hat bereits in seiner Sitzung am 28. Juli eine Stellungnahme zum Tekturplan beschlossen, berichtet Bürgermeister Daniel Mair (CSU). „In der jüngsten Sitzung am 18. August haben wir einen Nachtrag beschlossen, da Anregungen von Bürgern für eine Erhöhung des Lärmschutzwalls zwischen Leitenberg und Umrathshausen kamen“, sagt der Rathauschef. An dieser Stelle sei der Lärmschutzwall niedriger geplant. Gleichzeitig betont Mair aber, dass die Gemeinde den Ausbau begrüßt. „Ich bin davon überzeugt, dass es durch den Bau langfristig eine Verbesserung für die Frasdorfer geben wird“, sagt Mair. Das gelte sowohl für den Lärmschutz, als auch für die Reduzierung des Verkehrsaufkommens im Ort.
Keine Stellungnahme von Gemeinde Aschau
Die Gemeinde Aschau hat sich dazu entschlossen, keine Stellungnahme einzureichen. „Wir wollen niemanden verärgern, aber der Ausbau ist längst überfällig. Wir sind davon überzeugt, dass der Lärmschutz die Lebensqualität der Frasdorfer verbessern wird“, erläutert Michael Andrelang (CSU), Zweiter Bürgermeister von Aschau.
Auch die Untere Naturschutzbehörde sowie das Sachgebiet Wasserrecht am Landratsamt bereite derzeit eine Stellungnahme vor, die sie bei der Autobahndirektion einreichen werden, bestätigt Pressesprecher Michael Fischer auf Nachfrage.