Raubling/Kirchdorf – „Ein Glück für die Raublinger, dass es die Nicklheimer Filze gibt“, sagt Gerhard van Eyken. Vor einigen Tagen sei er wieder „draußen“ in der „Fuizn“ gewesen. Etwa zwei Wochen sei das Hochwasser in Kirchdorf nun her. Und immer noch sei ein erhöhter Wasserspiegel zu sehen. Wenn all das Wasser, das dort im Torf gespeichert sei, zusätzlich nach Kirchdorf geflossen wäre – „ja mei, da hättens a Freid‘ g‘habt“, ist der 65-Jährige überzeugt.
Filzen haben
Wasser gespeichert
Van Eyken ist Raublinger und seit 2007 in das Projekt Renaturierung der Filzen eingebunden. Er ist sozusagen Experte und tritt etwaigen Spekulationen, ob die Renaturierung das Hochwasser in Kirchdorf begünstigt hätte, entschieden entgegen: Die Filzen hätten einiges an Wasser gespeichert und die Ortschaft dadurch vor größerem Unheil bewahrt. Diese Meinung teilt auch Olaf Kalsperger, Bürgermeister der Gemeinde Raubling: Der nasse Boden der Filzen sei wie ein „Schwamm“ und sauge das Wasser auf. Außerdem: „Der Litzldorfer Bach habe seinen Ursprung nicht in der Filzen“, stellt er klar.
Kirchdorf befindet sich an einem hydrologisch neuralgischen Punkt, an dem zwei Bäche – der Ammerbach und der Litzldorfer Bach – zusammenlaufen, bevor sie in den Inn entwässern, teilte Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamtes Rosenheim, auf Nachfrage mit. Dazu kämen die „naturräumlichen Gegebenheiten“ mit einem relativ großen Einzugsgebiet für das Bachsystem. „Die Renaturierungsmaßnahmen in der Filzen haben nach unserer Einschätzung eher noch stärkere Schäden verhindert, als eigens verursacht. Diese sorgen langfristig für eine erhöhte Wasserspeicherkapazität, haben also eine hochwasserrelevante Retentionsfunktion“, so Krug.
Entwarnung auch von Seiten der Autobahndirektion Südbayern: Anfang August kam es auf der Bundesautobahn A8 Ost zwischen den Anschlussstellen Bad Aibling und Rosenheim-West zu Überschwemmungen. Und diese seien „allein auf die starken Regenfälle am 3. und 4. August zurückzuführen“, teilte ein Pressesprecher der Autobahndirektion Südbayern mit. „Da der Grundwasserstand in diesem Bereich ohnehin knapp unter dem Gelände liegt, konnten die Regenmengen nicht mehr versickern. Die an die Autobahn angrenzenden Wiesen standen somit unter Wasser.“ Der an der Autobahn angrenzende Weiler habe den Namen „Wasserwiesen“, wohl nicht „von ungefähr“, ließ der Sprecher verlauten. Bauliche Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Überschwemmungen seien nicht geplant.
Gerhard van Eyken ist oft draußen bei den Filzen, gibt auch Führungen für Kinder und Erwachsene. Die Renaturierung hält er für eine wichtige Sache: Denn dadurch werde das Wasser im Moor gespeichert und der Torf beginne wieder zu wachsen.
Trockener Torf
hat Lufteinschlüsse
Trockener Torf habe viele Lufteinschlüsse, erklärt er, und könne kein Wasser speichern. Nasser Torf hingegen sei wie ein Schwamm: „Ein Kubikmeter Torf kann dreiviertel Kubikmeter Wasser speichern“, erklärt der Experte. Und Torfmoos könne das 25-fache seines Trockengewichts speichern. Abgeschlossen sei der Renaturierungsvorgang noch nicht. Je nach Haushaltsmitteln werde das Projekt fortgeführt, teilte van Eyken mit. Keine genaue Auskunft zu den Filzen in Bezug auf das Hochwasser-Geschehen gab es vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, aber: „Generell dienen die Maßnahmen in den Filzen dem Erhalt dieser wichtigen Moorlandschaft“, so ein Sprecher.