Griesstätt – Das Dachgeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses in der Alpenstraße in Griesstätt muss wegen eines Planungsfehlers zurückgebaut werden (wir berichteten). Nun meldet sich eine entnervte Mieterin zu Wort, die den Dauer-Baulärm und die Wasserschäden nach Starkregen seit Mai erdulden muss – genau wie drei weitere Parteien im Haus. Seit 2018 ist das Gebäude nämlich bewohnt.
„Es hieß, in sechs Wochen sei alles vorbei“, ärgert sich die Mieterin. Das Gespräch mit der Wasserburger Zeitung findet in ihrer Wohnküche statt. Es ist heiß. Die Fenster lässt die Frau dennoch geschlossen, denn der Lärm, das Gehämmer und Bohren sei sehr belastend.
„Seit einer Woche hab ich einen Bautrockner im Bad stehen, das eh nicht groß ist. Erst waren Wasserflecken an der Decke, jetzt ist da Schimmel“, sagt die 53-Jährige, die seit Mai 2019 im ersten Obergeschoss mit ihrem Kind wohnt. Erst im Juli 2019 erfuhr sie, was auf sie zukommen sollte.
Immerhin: Die Mieter bekommen 50 Prozent Mietminderung – so lange die Baumaßnahme andauert. Und die verlängert sich immer wieder – nicht zuletzt wegen Corona.
Mieterin vorab
über Maßnahme
nicht informiert
Als sie den Mietvertrag unterschrieben habe, sei sie nicht über die bevorstehende Baumaßnahme informiert worden, sagt die Mieterin. Generell lasse die Kommunikation seitens des Bauherrn, der Raiffeisenbank Griesstätt Halfing eG, „sehr zu wünschen übrig“, klagt sie.
„Der Rückbau war nicht von unserer Bank verschuldet, jedoch unvermeidbar. Dabei gab es für die Mieter Beeinträchtigungen und auch Baulärm, jedoch nicht permanent“, teilt Vorstandssprecher Florian Kreuz auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung mit. „Zwischen den einzelnen Gewerken gab es Ruhepausen. Und auch wetterbedingt kam es zu Stillstandszeiten. Auch an den Wochenenden gab es keinen Baulärm. Soweit es den Wassereintritt betrifft, war die Ursache ein unerwartet starker Unwetterniederschlag zur Unzeit. Und ferner kam es zu einem Wasserschaden durch ein versehentliches Anbohren einer Leitung. Es lag also eine Kette von sich aneinanderreihenden Unglücksfällen vor, für die die Raiffeisenbank Griesstätt-Halfing nichts kann. Durch die Schließung des Daches und die Behebung des Rohrschadens ist die Ursache des Wasserschadens nunmehr unterbunden. Ferner wurden sogleich Trocknungsmaßnahmen unternommen. Auch die Trocknungsarbeiten sind nach Einlassung der Mieter nunmehr abgeschlossen. Schimmelbefall wird gleichfalls zeitnah entfernt. Die Zeitabläufe hierzu müssen mit den Mietern abgestimmt werden“, so Kreuz weiter.
Die Mieterin kritisiert: „Es gibt kein Wort des Bedauerns seitens der Bank für unsere Situation.“ Inzwischen hat sie einen Leitz-Ordner angelegt mit dem Schriftverkehr mit der Bauherrin.
Es gibt Fotos, die die Baustelle dokumentieren und auch, wie etwa das Regenwasser im Treppenhaus runterplätschert, weil Platten das abgetragene Dach nicht ersetzen können. „Mit den anderen Mietern habe ich mich von einem Fachanwalt beraten lassen.“
Dachgeschoss war
schon komplett
bezugsfertig
„Das Dachgeschoss war ja komplett bezugsfertig. Tolle hohe Räume und schön hell“, sagt die Mieterin. „Die Fliesen, der Estrich, die Dämmung – alles musste raus. Das ist doch ein ökologischer Wahnsinn“, so die 53-Jährige. An die 40 bis 50 Container für den Bauschutt habe sie gesehen, „schließlich hat man 60 Zentimeter runtergeschnitten, dabei war das Haus an sich nicht höher als die angrenzenden Gebäude.“
Ihre Kritik gilt auch Bürgermeister Robert Aßmus und dem Gemeinderat. „Der Bau war doch abgesegnet. Und dann ist alles fertig und ein halbes Jahr später fällt ihnen der Fehler auf. Dann hätten sie das auch rückwirkend genehmigen können“, findet sie.
Im Zuge der Bauarbeiten wurden auch die Garagen entfernt, die bereits im April 2019 Thema im Gemeinderat waren (wir berichteten). Sie mussten ohnehin 65 Zentimeter zurückversetzt werden, wurde damals vom Gremium gefordert, weil der Abstand zur Straße nicht stimmte. Nach Abschluss des Dachrückbaus werden sie neu platziert.
Die Mietminderung wird wohl – Stand jetzt – noch bis zum Spätherbst andauern. Aus einem Schreiben der Bank an die Mieter gehe hervor, dass sich die Arbeiten noch den ganzen September hinziehen würden, sagt die verärgerte Mieterin. „Für mich bedeutet das, dass ich fünf Monate meinen Balkon nicht nutzen kann – bei so einem Sommer.“
Eine andere Wohnung zu suchen, sei aufgrund des angespannten Marktes ein schwieriges Unterfangen, sagt die Griesstätterin. Ja, die Bank habe eine Alternativwohnung während der Bauphase ins Spiel gebracht. „Ich brauche drei Zimmer, möbliert und gutes WLAN, wegen des Homeschoolings. Einen kompletten Umzug zu organisieren, wäre einfach nicht gegangen neben meiner Arbeit – und auch wegen Corona.“ Die Bank habe nichts Passendes angeboten.