Kiefersfelden/Rosenheim – Eine heldenhafte Tat hat ein 18-jähriger Kiefersfeldener vollbracht: Laut Polizei hat er Anfang Juli zwei junge Frauen vor sexuellen Übergriffen während einer Zugfahrt zwischen Kufstein und Rosenheim bewahrt. Für seine Zivilcourage wurde er am Donnerstag von der Rosenheimer Bundespolizei ausgezeichnet. Denn durch sein Engagement habe er zur Festnahme eines Tatverdächtigen beigetragen.
Junger Mann
greift ein
Erkenntnissen der Bundespolizei zufolge soll ein 40-jähriger Kroate am 8. Juli in einem Regionalzug zwei junge Frauen bedrängt und sexuell belästigt haben (wir berichteten). Die beiden jungen Frauen (17 und 19 Jahre alt) wurden laut Polizei zum Tathergang befragt. Ihren Schilderungen zufolge soll sich der 40-Jährige sehr aufdringlich verhalten haben. So habe er sie an den Oberschenkeln beziehungsweise an der Wade berührt. Die 17-Jährige sei regelrecht bedrängt worden, hieß es. Der Mann habe seinen Hosenbund samt Unterwäsche angehoben und sich mit der Hand an die Genitalien gefasst.
Der junge Kiefersfeldener, der ebenfalls im Zug Richtung Rosenheim saß, hatte die für die jungen Frauen unangenehme Situation bemerkt und stellte den aufdringlichen Mann zur Rede. Darüber hinaus informierte er den Zugbegleiter, der sich sogleich um die bedrängten Frauen kümmerte, und behielt den Mann weiterhin im Blick.
Laut Polizei konnte der kroatische Staatsangehörige nach Ankunft am Rosenheimer Bahnhof von verständigten Bundespolizisten festgenommen und anschließend aufgrund richterlich angeordneter Untersuchungshaft ins Gefängnis gebracht werden. Wie sich inzwischen herausgestellt habe, sei der polizeibekannte Mann wegen ähnlicher Taten bereits mehrfach in Erscheinung getreten.
Reinhard Tomm, Leiter der Bundespolizeiinspektion Rosenheim, hat dem couragierten 18-Jährigen seine Anerkennung ausgesprochen: „Dieses beispielhafte Engagement verdient Respekt“, sagt Polizeidirektor Tomm. Dank des Einschreitens sei einerseits nicht noch mehr passiert, und andererseits die Festnahme des Beschuldigten erleichtert worden.
Das Verhalten des jungen Kieferfeldeners sei ein „herausragendes Beispiel“, sagt Rainer Scharf, Pressesprecher der Bundespolizei Rosenheim. „Es gibt schon immer wieder Situationen, in denen Zivilcourage gezeigt wird. Es gibt aber auch genauso viele Situationen, in denen Menschen wegschauen“, erläutert Scharf. Oder – im Gegenteil: dann nur „gaffen“. „Gaffen und nicht einschreiten.“
Informationskette
in Gang gesetzt
Deshalb sei es der Bundespolizei so wichtig, den jungen Mann auszuzeichnen, weil er mit gutem Beispiel vorangegangen sei und gezeigt habe, wie man Zivilcourage an den Tag legen könne. „Das war perfekt, dass er noch jemanden hinzugezogen hat. So wurde eine Informationskette in Gang gesetzt“, lobt Scharf. Es gehe nicht darum, den Helden zu spielen und sich selbst in Gefahr zu bringen. „Aber man kann Hilfe holen und andere mit einbeziehen.“ Oft helfe schon eine klare, unmittelbare Ansprache, Sätze wie „Hören Sie damit auf“. Nütze das nichts, könne man immer noch den Notruf wählen oder anderweitig Hilfe holen, erläutert Scharf.
Das Einprägen von Tätermerkmalen sowie Zeugenaussagen würden der Polizei bei der Tätersuche außerdem sehr helfen. Wenn man all die Punkte beherzige, könne „im Notfall schon fast nichts mehr schiefgehen“, ist der Pressesprecher überzeugt. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, im Notfall zu helfen.