Obing – Der viel zitierte „Ernst des Lebens“ beginnt für die diesjährigen Erstklässler buchstäblich ein wenig ernster als gewohnt. Masken und Abstandsregeln sind angesagt. Trotzdem: Die Vorfreude ist groß, zeigt sich bei einem Besuch in zwei Obinger Familien, in denen Bene Schaffer und Miriam Kuchlbauer am Dienstag zum ersten Mal in der Schulbank Platz nehmen.
Heuer ist es nicht
ganz so feierlich
Große Schultüten, bunte Schulranzen, aufgeregte Abc-Schützen und eine stolze Familie – der Schulanfang steht bevor. Vor allem die kleinen Hauptakteure haben schon lange auf ihren großen Tag hingefiebert. Endlich zu den Großen gehören, Schreiben, Rechnen, Singen, fürs Leben lernen, Freunde finden und in den Pausen toben: „Hurra, ich bin ein Schulkind und nicht mehr klein“ – der Text des bekannten Einschulungslieds bringt es auf den Punkt.
Auch für die Familien ist der Tag der Einschulung meist ein freudiges Ereignis, das besonders gefeiert wird. Doch in diesem Jahr stehen auch Hygieneplan und Infektionsschutz im Mittelpunkt. So starten die Erstklässler heuer mit Schultüte und Maske, aber ohne Geschwister, Großeltern oder Patentante.
Wie genau die Einschulung am kommenden Dienstag gestaltet wird, entscheidet jede Grundschule für sich. Die gute Nachricht sei, dass der Schulbetrieb mit Präsenzunterricht für alle Jahrgangsstufen starte, sagt die Mama von Abc-Schützin Miriam Kuchlbauer aus Obing zuversichtlich. Besonders für die Erstklässler hofft sie, nach ihren Erfahrungen aus einigen Wochen Homeschooling ihrer beiden größeren Kinder, dass das auch weiterhin so bleibt. Auch wenn es kurz vor Schulbeginn situationsbedingt noch einige offene Fragen gebe.
Mit Tochter Miriam wird heuer ihr jüngstes Kind eingeschult. Wahrscheinlich werde der erste Schultag nicht ganz so feierlich ablaufen wie in den letzten Jahren, vermutet die dreifache Mutter. Dennoch gebe es einen Empfang im Schulhaus und auch den Segen in der Kirche geben. Corona habe den Alltag eben verändert und ein bisschen was von der Unbeschwertheit genommen. Man müsse das Beste daraus machen.
Für die Kinder sei das schon ein wenig schade, denn auch viele Vorschulkinder-Ereignisse hätten nicht stattfinden können und unvergessliche Gemeinschaftserlebnisse würden fehlen. So habe es beispielsweise keinen gemeinsamen Schulbesuch gegeben, der obligatorische Ausflug der Vorschulkinder und das Übernachten im Kindergarten seien ausgefallen. Die Schuleinschreibung erfolgte schriftlich und die Schultüte wurde auch nicht in einer Gemeinschaftsaktion, sondern mit der Mama daheim gebastelt.
Auf das Ergebnis ist Miriam besonders stolz. Vor allem auf die große Filzfee und die aufwendigen Verzierungen. Die Siebenjährige ist mit ihren Vorbereitungen für den ersten Schultag längst fertig. Der Schulranzen ist gepackt und die Maske für den ersten Schultag bereits ausgesucht. „Ich bin bereit“, sagt Miriam. Sie freut sich auf den ersten Schultag, auf Elena und Julia und alle anderen Freundinnen.
Auch der siebenjährige Bene Schaffer aus Frabertsham ist ein Erstklässler. „Endlich“ – wie er nach vier Jahren Kindergarten findet. Auch sein letztes Kindergartenjahr als Vorschulkind im Kinderstadl Liedering lief aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht „planmäßig“. „Kein Sommerfest, kein Übernachten im Kindergarten, kein Suppenfest“, bedauert der Siebenjährige und zuckt mit den Schultern. Doch die Freude auf die Schule macht die Abstriche wieder wett. Natürlich hat er den Schulranzen und die Maske für den großen Tag bereits hergerichtet. Um genug Wechselmaterial für die Schulzeit zu haben, hat er bereits weitere bunte Exemplare bei seiner Mama geordert. Schließlich ist er ein Buskind und braucht die Maske schon für die Fahrt zur Schule. Zudem muss er – wie alle bayerischen Grundschüler – den Mund-Nasen-Schutz auf dem Schulhof, auf der Toilette und auf dem Weg von oder zu seinem Platz tragen.
Für Bene ist das kein Problem. Ganz im Gegenteil. „Er ist derjenige in der Familie, der immer daran denkt, die Maske mitzunehmen“, erzählt Bruder Maxi.
Bene wird aufgrund eines sprachlichen Entwicklungsdefizits die Erdmännchenklasse an der Grund- und Mittelschule Obing besuchen. Die jahrgangsgemischte Diagnose-Förderklasse des Wilhem-Löhe-Förderzentrums Traunreut mit insgesamt 13 Schülern durchläuft den Lehrplan der Klasse 1 und 2 in drei Schuljahren. Anders als bei den übrigen Erstklässlern, habe die Klassenleiterin für die Eltern der vier Erdmännchen-Schulanfänger einen Elternabend „durchgeboxt“. Dabei sei es um ein erstes Kennenlernen gegangen, erzählt Benes Mama Tine Schaffer. Konkretere Informationen zum ersten Schultag und zum Unterricht mit Schulbegleitung unter Einhaltung des Hygieneplans und der Abstandsregeln habe es dabei nicht gegeben. In der Familie sei das auch kein Thema. „Wir lassen das auf uns zukommen“, sagt Tine Schaffer, die sich bei ihrem größeren Sohn über das Eltern-Schüler-Informations-System (ESIS) gut von der GMS Obing informiert gefühlt hat.
Hauptsache
Präsenzunterricht
Das Wichtigste sei, dass der erste Schultag überhaupt stattfinde, denn Bene rede viel von der Schule und er freue sich auf die anderen Kinder. Einen Teil seiner Mitschüler kennt er schon, denn nach Pfingsten durfte er bereits eine Woche in der Klasse hospitieren.