Oberaudorf/Kiefersfelden/Raubling – Mit einem Hilferuf der besonderen Art wandte sich der langjährige und auch aktuelle Leiter der Inntaler Blasmusi, Ludwig Resch aus Oberaudorf, an unsere Zeitung. „Bedingt durch die stringenten „Corona-Hygieneschutzmaßnahmen sind unter anderem Proben und Aufführungen von Orchestern und Blaskapellen insbesondere in geschlossenen Räumen arg eingeschränkt“, so Resch. Er weist damit auf die „prekäre Lage“ seiner 13-köpfigen Formation hin, die „in diesem Jahr keine einzige Aufführung bestreiten konnte, denn alle geplanten 15 öffentlichen Auftritte wurden vom Veranstalter abgesagt“.
Proberaum
ist zu klein
Weiter prangert Resch an: „Auch proben können wir seit Ausbruch der Pandemie nicht mehr, weil wir die vorgeschriebenen Abstandsflächen in unserem von einem Raublinger Wirt zur Verfügung gestellten Proberaum nicht einhalten können. Dazu bräuchten wir einen vielfach größeren Raum. Die übrigen Hygieneerfordernisse könnten wir aber liefern“. In der nun langsam nahenden „kälteren Jahreszeit“ sieht er weitere, schier unlösbare Probleme, „denn wenn nach jeweils 20 Minuten Probe wieder ordentlich durchzulüften ist, da würde man sich zu Tode heizen, wollte man diese Regelung befolgen. Eine Vorbereitung auf ein Jahreskonzert − meist der Höhepunkt eines Musikantenjahres − ist nicht nur für uns ad absurdum zu führen, da in geschlossenen Räumlichkeiten die Abstandserfordernisse nur eine beschränkte Zahl an Zuhörern zulassen. Dies wiederum führt zu erheblichen Mindereinnahmen, die zum Fortbestand einer jeden Musikformation aber dringend gebraucht werden.“
Nicht nur für ihn ziehen dunkle Wolken am Musikerhimmel auf, „denn wenn man eine so lange Karenzzeit bereits hinter sich hat und eine noch unbestimmte vor sich, werden ähnlich des vorhergesagten Wirtesterbens auch die eingangs zitierten musikalischen Laien- und Amateurgruppen arg zu knabbern haben. Daher brauchen auch wir im kulturellen Bereich von der Politik eine angemessene Berücksichtigung unserer Interessen und Bedürfnisse, um die von mir formulierten Probleme zumindest zu lindern. Wir hier in der Grenzregion zu Tirol spüren die Ungleichheit in der Thematik hautnah, oft mit Unverständnis der dort gezeigten Praxis“. Schlussendlich hinterlassen all die genannten Einschränkungen und Verbote auch zunehmend soziale und zwischenmenschliche Lücken. Resch: „Der Austausch unter uns Musikern und unserem Publikum fehlt uns doch sehr.“
Wie geht es nun weiter mit der Inntaler Blasmusi?, so die Frage an den langjährigen Leiter Ludwig Resch. „Ohne Proben können wir natürlich unser Niveau nicht halten oder gar verbessern.
Daher sollte die Abstandsfläche verringert werden und auch geeignete Hygieneerleichterungen wären für uns von großem Nutzen. Selbstverständlich anerkennen wir die derzeitigen Regelungen. Aber sie schnüren uns die Luft ab und wir können nichts dagegen tun“. Eine weitere Lösungsmöglichkeit sieht er in der Anmietung größerer Proberäume. „Aber das ist für uns finanziell nicht machbar“, so Resch. Allerdings könnte er sich gut vorstellen, „dass wir die unentgeltliche Überlassung eines Proberaums beispielsweise durch einen kostenlosen Auftritt kompensieren“. Oberaudorfs stellvertretender Bürgermeister Alois Holzmaier (CSU) sieht in der Initiative Reschs eher einen allgemeinen Hilferuf eines Musikanten, „er wollte darauf aufmerksam machen, dass die kleinen Musiker die gleichen Sorgen haben wie die großen“. Behelfslösungen müssen seiner Meinung nach „ausgewogen und durchdacht sein, was im Sommer weniger das Problem sein sollte“. Für die kältere Jahreszeit dagegen hat auch er „keine wirkliche Alternative, denn die Hygieneauflagen sind doch sehr gravierend“.
Nachwuchs
besonders betroffen
Auch die Musikkapelle Kiefersfelden ist von der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Musiker ebenfalls eiskalt erwischt worden. Deren Vorsitzender Werner Schroller verweist auf die zwingenden Hygienevorgaben vom Musikbund von Ober- und Niederbayern, dem Dachverband der Musikanten in der Region. „Auch wir können in unserem ursprünglichen Proberaum nicht üben, da die geforderte Mindestabstandshaltung nicht möglich ist. Unsere Proben“, so Schroller pragmatisch weiter, „sind die Auftritte, beispielsweise jeden Donnerstag bei Musik im Park oder ähnlichen Freiluftveranstaltungen“. Allerdings befürchtet auch Schroller ein Kapellensterben, denn von der Probenregelung sei vor allem der musikalische Nachwuchs betroffen, da nahezu kein Musikunterricht mehr abgehalten werden könne, und so eine langsame Integrierung der talentierten jungen Musiker in die Kapelle immer schwieriger werde.