Gemeinsam dem Simssee helfen

von Redaktion

Wasserqualität bleibt trotz Anstrengungen mäßig – Suche nach Lösungen läuft

Riedering – Sie sind es langsam leid, die Landwirte rund um den Simssee: Immer wenn irgendetwas mit dem Seewasser nicht in Ordnung ist oder erscheint, werden sie als die Schuldigen ausgemacht.

Und das, wo die 200 Landwirte rund um den Simssee seit 17 Jahren mit dem Abwasserzweckverband (AZV) Simssee zum Gewässerschutz zusammenarbeiten. Rund 90 Prozent der 3000 Hektar großen landwirtschaftlichen Flächen sind das ganze Jahr über bewachsen, Untersaaten in den Maisfeldern sind schon mehr die Regel als die Ausnahme, Zwischenfrüchte sorgen auch im Winter für Bewuchs.

„Wir Landwirte haben doch ein gesteigertes Interesse daran, dass die Nährstoffe auf unseren Feldern bleiben, nicht in den See gespült werden“, sagt Richard Mühlbauer aus der Gemeinde Riedering. Denn nur auf den Feldern steigern sie den Ertrag, nicht im See.

Schuldzuweisungen
sind demotivierend

Auch Christoph Schlaipfer, Landwirt in der Gemeinde Bad Endorf, kann den Unmut seiner Kollegen nachvollziehen. „Wir bemühen uns seit Jahren, zum Teil Jahrzehnten, die Lage zu bessern, sind innovativ, probieren Neues aus und das funktioniert auch gut. Da sind wir bei Schuldzuweisungen schon sensibel. Zur Motivation tragen sie auch nicht bei.“

Ja, die Landwirte seien mit Schuld am Zustand des Sees, aber sicher nicht Hauptverantwortliche, sind sich Mühlbauer und Schlaipfer einig. Da spiele einiges zusammen. Das sehen auch andere so. Deswegen wurden für das Simsseeschutzprojekt Maßnahmen gemeinsam vom AZV, Behörden und Landwirten erarbeitet und in einem Agrarprogramm zusammengefasst.

Mit den seit 2003 laufenden Maßnahmen wurden Erfolge erzielt. Es bleibe aber noch viel zu tun. Denn die Verbesserungen in der Landwirtschaft hätten nicht die gewünschten Verbesserungen bei der Wasserqualität gebracht. Alle Beteiligten müssten sich überlegen, wie und wo man nachbessern könne, so Karl Mair, der AZV-Vorsitzende.

Da läuft er nicht nur bei seinen Bürgermeisterkollegen Alois Loferer (Bad Endorf) und Christoph Vodermaier (Riedering) offene Türen ein. Der Simssee sei nun mal ein Aushängeschild der Region, so Vodermaier. Dass Handlungsbedarf bestehe, sei allen klar, bestätigt Loferer. Deswegen ärgert sie auch der Vorwurf, dass die Gemeinden nichts täten. In wenigen Tagen kommen die fünf Bürgermeister wieder zusammen. Letztlich könne es nur darum gehen, wie die Gemeinden den AZV unterstützen können, so Loferer.

Denn der See selber sowie die Flächen am und um den See sind weit überwiegend in Privathand, Gemeinden und Landkreis nur als ganz normale Grundeigentümer beteiligt. Und der Simssee fällt als Gewässer erster Ordnung in die Zuständigkeit des Freistaats Bayern und damit des Wasserwirtschaftsamtes (WWA).

Das führt seit Jahrzehnten immer wieder Untersuchungen durch, seit drei Jahren beschäftigt sich ein österreichisches Büro ganz intensiv mit der Seequalität. Die ist laut Dr.Hadumar Roch in regenarmen Zeiten besser, was daran liege, dass aufgrund der hügeligen Landschaft das Oberflächenwasser sehr schnell in den See gelange, Straßenabrieb und Nährstoffe von den Feldern mitbringe.

„Wir düngen zwar fast alle mittlerweile sehr viel bodennäher, aber bei unvorhergesehenem Strakregen wäscht es trotzdem was weg“, sagt Landwirt Mühlbauer dazu. Und der Simssee sei vorbelastet: Bohrungen des WWA in den Ablagerungen am Seegrund zeigten, so der Landwirt, dass der Nährstoffeintrag bis weit in die 90er-Jahre viel gravierender gewesen sei.

Der Abteilungsleiter Bauen und Umwelt im Landratsamt, Dr.Rasso Ludwig, verweist darauf, dass in Zusammenarbeit mit den Gemeinden die Zuflüsse des Sees nochmal untersucht werden sollen, auch nach bisher unbekannten Zuflüssen wird geschaut werden. Die Gullys entlang der Straßen, vom Vorsitzenden des Seebesitzerverbandes und vom Vorsitzenden der „Aktionsgemeinschaft sauberer Simssee“ als Mitverursacher der schlechten Wasserqualität angeführt, könnten nach Dr. Ludwig in Absprache von Straßenbaulastträger und Grundeigentümern durchaus baulich verändert werden, wo das sinnvoll sei.

Dringender
Handlungsbedarf

Es liegt auch am Klimawandel, dass trotz der Maßnahmen des AZV die Wasserqualität des Sees weiterhin nur mit „mäßig“ bewertet wird, so die Einschätzung von Jürgen Lohse, Geschäftsführer des AZV.

Da ist er sich mit seinem Vorsitzenden, aber auch mit den Landwirten Schlaipfer und Mühlbauer durchaus einig. „Es gibt nicht nur einen Grund für die mäßige Wasserqualität des Simssees“, so Mair.

Einfache Lösungen und Antworten schon gar nicht. „Aber eines ist sicher: Es kann nicht so bleiben, es muss etwas passieren.“

Blaualgen: Konzentration gesundheitlich ungefährlich

Blaualgen, zu denen die im Simssee immer wieder auftauchende Burgunderblutalge gehört, kommen in geringer Menge praktisch in jedem Gewässer vor und sind weitgehend ungefährlich. Unter Bedingungen, beispielsweise warme Temperaturen in den Sommermonaten und vermehrter Nährstoffeintrag in die Gewässer, können sie sich allerdings massiv vermehren. Einige Cyanobakterien können Giftstoffe produzieren, die bei höherer Konzentration zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Menschen und Tieren führen können.

Deshalb werden Badegewässer gemäß Paragraf 8 Bayerischer Badegewässerverordnung hinsichtlich eines möglichen Massenvorkommens von Cyanobakterien untersucht. Im Simssee sei die Konzentration im Wasser im ungefährlichen Bereich, so das Landratsamt. Dessen Sprecher Michael Fischer erklärte, dass die Mitarbeiter des Landratsamtes den sich häufenden Meldungen zur Burgunderblutalge nachgegangen seien, bei ihren Proben an den Badeplätzen aber keine gesehen hätten.

„Die sind sehr dynamisch, tauchen plötzlich an einer Stelle auf und verschwinden genauso schnell wieder an eine andere Stelle.“ Er könne Schwimmer nur raten, von Algen befallene Bereiche zu meiden.

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