Aschau – 70 Jahre ist es her, dass Aschau Besuch vom damaligen Bundespräsidenten Dr. Theodor Heuss (FDP) bekam, der mit seiner Familie zu einem vierwöchigen Erholungsaufenthalt anreiste. Die Gäste weilten im damaligen Kurhaus Dr. Fahsel (heute in Privatbesitz) erstmals im Jahr 1950. Heuss wiederholte seinen Aufenthalt ein Jahr später im Jahr 1951 ein weiteres Mal.
Werbung für das Priental in Bonn
Aber wie kam es zu diesem hohen Besuch? Im Archiv der Gemeinde Aschau findet sich dazu ein Bericht des „Münchner Merkur“ vom 5. Juli 1950: Hanns Hüller soll als Zweiter Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins sehr reisefreudig gewesen sein. Er hat sich auf den Weg in die damalige Bundeshauptstadt Bonn gemacht, um für die damals noch selbstständigen Gemeinden Hohen- und Niederaschau zu werben.
Dabei ergab es sich, dass Hüller im Bundesparlament zu den Abgeordneten über die Lage des Fremdenverkehrs sprechen konnte.
Nach dieser Werbung schickte die Stadt Bonn zwei Kundschafter in geheimer Mission nach Aschau. Die vierwöchige Prüfung fiel gut aus, doch konnte man nicht damit rechnen, dass neben einigen Bundestagsabgeordneten auch der Bundespräsident persönlich dem Werberuf folgte.
Gut und gerne erinnert sich der heute 80-jährige Hubert Haas aus Bernau-Felden an die Besuche des Bundespräsidenten in Aschau. Als kleiner Trachtenbua durfte er zusammen mit seiner Schwester Liesi beim Empfang am Bahnhof einen Bergblumen-Strauß überreichen sowie den „Birkensteiner-Plattler“ zeigen. „Es freute mich, dass ich schulfrei bekam, aber dann war ich auch mächtig stolz, dass ich so nah dabei sein durfte“, so Haas. Zu Ehren des Bundespräsidenten wurde in der Hohenaschauer Festhalle ein Heimatabend gestaltet. Zum Auftritt kamen dabei am 29. Juli 1950 unter anderem die 100-jährige Chor- und Orchestervereinigung, eine Handharmonika-Kapelle sowie Gruppen aus Nieder- und Hohenaschau. Der damalige Bürgermeister von Hohenaschau, Georg Bauer, überreichte Theodor Heuss einen handwerklich gestalteten Wandteller mit Aschauer Wappen.
In einer kurzen Ansprache bedankte sich der Bundespräsident mit dem zu damaliger Zeit bedeutungsvollen Satz: „Wir haben ein Recht auf Freude und zum Humor.“ Dabei spielte er auf die Anordnung der bayerischen Staatskanzlei an, die in einem scharfen Zirkular ersucht hatte, alle offiziellen Kundgebungen während des Aufenthaltes des Bundespräsidenten im Priental zu unterlassen.
Hierzu sagte Heuss: „Wenn die bayerische Staatsregierung in diesem Abend eine Verletzung der Ruhe des Bundespräsidenten sieht, deren Schutz befohlen war, dann brauchen Sie sich, Herr Bürgermeister, nicht die grauen Haare wachsen lassen, die ich schon habe. Sie, Herr Bauer, und ich, wir werden mit der Staatskanzlei schon fertig“. Anton Hötzelsperger