Bad Endorf – Allen Menschen auf der Welt ein angemessenes und menschenwürdiges Leben sichern – ein zukunftsweisendes Ziel. Aber hat der Einzelne überhaupt Mitgestaltungsmöglichkeiten, wenn er sich um Fairness in Handel und Nachhaltigkeit in der Produktion bemühen würde? Bei der Gärtnerei Jolling ist man davon überzeugt.
Deshalb zeigen die Verantwortlichen der Endorfer Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft von morgigen Donnerstag, 15. Oktober, bis Samstag, 31. Oktober, eine Ausstellung mit dem Titel „Wege in die Zukunft – für Dich und die Welt“. Konzipiert wurde die Ausstellung von RENN, den „Regionalen Netzstellen für Nachhaltigkeitsstrategien“, die ihrerseits zum „Rat für nachhaltige Entwicklung“ gehören, einer Initiative der Bundesregierung.
Jeder Einzelne
kann etwas tun
Die Ausstellung will zeigen, dass keiner von uns auf einer Insel lebt: Vielmehr ist die Gesellschaft in jedem Bereich des Alltags, vom Wohnen, über Ernährung und Kleidung, bis zur Mobilität, mit der globalisierten Welt vernetzt. Was nach den Ausstellungsmachern jedem auch die Chance gibt, durch sein Verhalten Einfluss auf das große Ganze zu nehmen. Ihr Gewicht bekommt diese These vor allem durch die Gärtnerei Jolling. Schließlich beweisen die Endorfer seit fünf Jahren, dass alternative Erzeugungskonzepte Bestand und Erfolg haben können. Für Johannes Schindhelm, dem Mann der ersten Stunde in Jolling, liegt das Geheimnis darin, die großen anonymen Wertschöpfungsketten aufzubrechen und zumindest auf lokaler Ebene Erzeuger und Verbraucher miteinander in unmittelbaren Kontakt zu bringen. Geradezu symptomatisch hielt Silke Sesterhenn von RENN-Süd deshalb die Art und Weise, wie die Ausstellungsidee nach Bad Endorf gekommen war. Andrea Götte, eine Mitarbeiterin der Gärtnerei, habe vor einem Jahr während einer Bahnfahrt von der Ausstellung gelesen und sich gedacht, das wäre etwas für Jolling.
Durch Hartnäckigkeit und Nicht-locker-Lassen hätte man es dann in Jolling geschafft, trotz der coronabedingten Erschwernisse nicht nur die Ausstellung nach Bad Endorf zu holen, sondern auch ein attraktives Rahmenprogramm auf die Beine zu stellen. Für Sesterhenn ein Beispiel, wie aus einem kleinen Impuls durch Austausch und gemeinsames Anpacken durchaus Großes entstehen könne. Ein Beispiel, in das auch Endorfs Bürgermeister Alois Loferer große Hoffnungen setzt. Er wünschte sich in seiner Begrüßungsrede bei der Eröffnungsfeier, dass die Ausstellung als eine Art „Ideenkeimzelle“ fungieren könne: Ideen für die Weiterentwicklung Bad Endorfs, nicht zuletzt im Bereich Wohnen und Mobilität, die dann in Arbeitskreisen fortentwickelt werden könnten.
Gesamtes
Potenzial ausschöpfen
Die Aufgaben der Zukunft, so Loferer, werde auch der engagierteste Gemeinderat und die fitteste Verwaltung nicht alleine lösen können. Es brauche das Wissen und Können sowie die Erfahrungen der Bürger. „Wir wären töricht, wenn wir dieses Potenzial nicht ausschöpfen würden.“ Weswegen man beim Erstellen des Arbeitskreis-Konzeptes auch großen Wert darauf legen werde, dass enger Kontakt zur Verwaltung und Gemeinderat gewährleistet sei. Der Schulterschluss zwischen Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik funktioniere nur, wenn die Bürger auch das Gefühl hätten, dass sie mit ihren Ideen etwas bewegen könnten. Gelingt das, dann scheint der Satz aus Pfarrer Dietrich Kleins Grußworten, es sei in der Tat möglich, ausgehend von einer profunden Kenntnis der eigenen kleinen Räume die ganze Welt zu vermessen, nicht mehr so utopisch.