Gellendes Pfeifen raubt den letzten Nerv

von Redaktion

Unterschriftenaktion in Rohrdorf gegen Signaltöne der Güterzüge

Rohrdorf – „Der Lärm ist unerträglich“ finden viele Rohrdorfer und Thansauer. „Der Lärm“ ist das Pfeifen der Güterzüge, wenn sie über einen der vielen ungesicherten Bahnübergänge im Gemeindebereich fahren. Vor wenigen Tagen traten Anwohner der Strecke eine Unterschriftenaktion los. Ziel sei es, so Sepp Wagner, einer der Initiatoren, die Bemühungen der Gemeinde Rohrdorf zu unterstützen. Diese versucht, mit den Verantwortlichen der Bahn, der Politik und der Wirtschaft eine Lösung des Problems zu finden.

„Pfeifton
ist Vorschrift,
kein Selbstzweck“

„Ein Pfeifton an Bahnübergängen wird nicht zum Selbstzweck abgegeben, sondern dient der Sicherheit“, so ein Sprecher der Deutschen Bahn. Er werde immer dann abgegeben, wenn an einem nicht gesicherten Bahnübergang die Strecke von den Verkehrsteilnehmern nicht weit genug eingesehen werden könne.

Und solche Bahnübergänge gibt es viele in der Gemeinde, zum Teil keine 100 Meter auseinander. Acht hat Wagner in Thansau gezählt, darunter zwei, an denen der Lokführer gleich zweimal pfeifen muss. Es gibt 15 weitere Bahnübergänge in Thansau und Rohrdorf, vier davon sind technisch gesichert, an zweien muss der Zug halten, die restlichen sind nicht gesichert. Die Initiatoren der Unterschriften-Aktion wollen sich dafür einsetzen, dass alle Bahnübergänge gesichert werden, keine Signaltöne mehr nötig sind. Simon Hausstetter, der Bürgermeister, ist um die Unterstützung seiner Bürger froh. Am Montagvormittag seien innerhalb weniger Stunden gut 50 Unterschriften im Rathaus eingegangen, erzählt er. Wagner hat übers Wochenende nur in seiner Nachbarschaft etwa 100 gesammelt.

Der Unmut der Anwohner bezieht sich nicht auf die Zugfahrten zur Müllumladestation im Griesenholz und zum Zementwerk, betont Wagner. „Wir sind sehr für die Züge“, versichert Wagner. Das Problem sei allein das Pfeifen. Das sei früher schon nervig gewesen, heute sei es unerträglich, laut und schrill. Zu hören bis zum Samerberg, nach Riedering, in die Kastenau und nach Happing, berichten Hausstetter und Wagner.

„Das Pfeifen tut direkt weh“, findet auch Bernhard Huber, Rohrdorfs BBV-Obmann. Für ihn ist der erste Schritt, zu klären, ob das Pfeifen tatsächlich so laut sein muss. „Der Pfeifton muss so laut sein, dass er vom Autofahrer im Fahrzeug gehört wird. Lautstärke und Art des Pfeiftons sind in einer Richtlinie geregelt“, so der Bahnsprecher.

Im Zweifelsfalle, so der BBV-Obmann, seien die Landwirte in der Gemeinde bereit, den einen oder anderen Bahnübergang aufzugeben, gerade in der Nähe von Siedlungen. Sie müssten aber noch zu ihren Feldern kommen. Er könne die Anwohner gut verstehen, so Huber, und gehe davon aus, dass auch seine Berufskollegen bereit seien, das Schlimmste abzuwenden.

Züge fahren zum
Zementwerk und zur
Müllumladestation

„Wir haben getan, was wir konnten“, versichert Dr.Benjamin Geller, Werkleiter bei Rohrdorfer Zement. Sie hätten die Wagengarnituren gewechselt, führen jetzt auch mit ganz modernen Loks, „die die ÖBB in Kooperation für uns entwickelt hat“. Die Frühzüge seien meist nicht vom Zementwerk „und wir versuchen, bis 22 Uhr längst durch zu sein“.

Die Frühzüge fahren zur Müllumladestation des Landkreises, „zwei hin und zwei zurück“, so Michael Fischer, der Sprecher des Landratsamtes. Allerdings fahren sie nicht nur zur Umladestation, sondern weiter bis Rohrdorf, „weil sie erst hier die Lok umkoppeln können“, verrät Hausstetter.

Mit ihm und den Gemeinderäten, die sich einig sind, dass etwas passieren muss, hatten sich Vertreter des Zementwerkes schon zu einem Gespräch getroffen, besprochen, wie die Lage aussieht. „Das war gut – und wir haben dann auch den Kontakt zur Bahn hergestellt“, so Geller. Die Gemeinde hat laut Bürgermeister zudem einen Rechtsanwalt beauftragt, der klären soll, was überhaupt möglich ist. Und eine Gutachterin eingeschaltet, um belastbare Zahlen zu haben, zum Beispiel zur Lautstärke des Signaltons.

Was mit den diversen Bahnübergängen geschehen soll, welche gesichert, welche aufgelassen werden, das soll beim Ortstermin am kommenden Montag, 26.Oktober, besprochen werden. Ziel sei es, die Situation der Anwohner zu verbessern, betonen sowohl Landratsamt wie Bürgermeister wie Bahn.

Im Vorfeld dieses Ortstermins wollte sich die Bahn nicht zu möglichen Kosten oder Realisierungszeiträumen äußern.

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