Zwischen Verständnis und Enttäuschung

von Redaktion

Absage der Eggstätter Dorfweihnacht – Gemischte Gefühle bei den Fieranten

Eggstätt – „Wir können die coronabedingten Regelungen nicht ohne Weiteres umsetzen. Die Sicherheit und Gesundheit unserer Besucherinnen und Besucher steht für uns an erster Stelle.“ Mit diesen Worten hatte Eggstätts Erster Bürgermeister, Christian Glas, die Absage des beliebten Weihnachtsmarktes am Hartsee bei der Entscheidung im August begründet.

Reifliche Überlegung
im Vorfeld

Auch Gesche Gierlinger, Eggstätts Tourist-Chefin, bedauerte den Schritt, und fügte hinzu, dass die Absage des Marktes nach reiflichen Überlegungen und Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Rosenheim, anderen Gemeinden und einvernehmlichen Gesprächen mit den Fieranten erfolgte. Und doch schmerzt die Absage die Standbetreiber, wie sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen berichten.

Barbara Lindner verkauft auf dem Weihnachtsmarkt Strick- und Filzwaren: „Von Jahr zu Jahr lief es besser“, berichtet die Rimstingerin. Zusammen mit der Eggstätterin Wilhemine Winkler, die Naturkosmetik auf dem Christkindlmarkt anbot, teilte sie sich seit gut zehn Jahren einen Stand.

Die drei Tage Adventsmarkt am Hartsee waren für die beiden ein Heimspiel. Aber auch immer etwas Besonderes, denn „irgendwie kannten sich alle und es war immer ein Riesen-Spaß.“ Seien es die Fieranten, die man auch auf anderen Märkten in der Adventszeit traf, oder die Kunden und Freunde, die einfach
so vorbeischauten: „Ein Plausch war immer drin“, erinnert sich Lindner. Man hätte das mit dem Abstandhalten hinbekommen, ist sie sich sicher, und auch der Glühwein-Stand hätte den Ausschank in vernünftigen Maßen hinbekommen.

Immer mehr Märkte
fallen aus

Der Christkindlmarkt in Mietenkam bei Grassau ist derzeit noch in der Schwebe. Auf der Webseite steht „unter Vorbehalt“. Doch die Liste der abgesagten Märkte der Region wird immer länger. Barbara Lindner befürchtet nun auch eine Absage aus Grassau. Das wäre „schade“, wie sie sagt. Denn insgesamt sei das vergangene Jahr richtig gut gelaufen. Denn abgesehen von den Einnahmen war für sie die gerade eben nicht stade Zeit auf den Märkten die schönste Zeit im Jahr.

Ähnlich äußert sich Madame Chocolat, die sich vor neuneinhalb Jahren mit einer Konfiserie in Albaching selbstständig gemacht hat. Für Sabine Rosenlehner – alias Madame Chocolat – ist 2020 ein schwieriges Jahr. Trotz Partner-Läden und Versand befürchte sie ohne das Weihnachtsmarkt-Geschäft starke Einbußen zu verzeichnen.

Rosenlehner habe Verständnis für die Absage, sie verstehe auch die Ängste der Gemeinde bezüglich der Corona-Auflagen. Dennoch hinterfragt sie die Entscheidung: „Ein Abgrenzen des Areals wäre doch möglich gewesen.“ Noch gebe es einige Gemeinden, die sich trauen, trotz der Corona-Pandemie zum Bummeln, Einkaufen und Einkehren einzuladen. Sei es der Haager Herbstmarkt oder der Bad Feilnbacher Bauernmarkt, der jeden ersten Samstag im Monat stattfindet.

Gesche Gierlinger kann die Sorgen der Fieranten verstehen. Gleichwohl ist sie angesichts der steigenden Fallzahlen froh, dass der Weihnachtsmarkt schon so frühzeitig abgesagt wurde. Den Markt unter solch hohen Corona-Auflagen zu organisieren, hätte für die Gemeinde einen logistisch hohen Aufwand bedeutet. Durch die frühe Entscheidung, hätten die treuen Standbetreiber Planungssicherheit gehabt. „Niemand bedauert die Entscheidung so sehr, wie wir, da gerade die Eggstätter Dorfweihnacht eine sehr verbindendes Element in unserm Dorfleben darstellt“, so die Touristik-Chefin.

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