Rohrdorf – Gellende Pfiffe der Güterzüge bringen die Anwohner der Bahnstrecke von Ziegelberg zum Zementwerk um Schlaf und Nerven. Aufgrund des Widerstands – Anwohner begannen eine Unterschriftensammlung, um ihren Interessen Nachdruck zu verleihen –, gab es einen Ortstermin des Bürgermeisters und einiger Gemeinderäte mit Vertretern der Bahn.
23 Bahnübergänge gibt es entlang der Strecke, eine Handvoll ist gesichert, der Rest nicht. An einem Dutzend der ungesicherten Übergänge muss der Lokführer pfeifen, drei Sekunden lang, nur wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt. Der Ortstermin sollte vor allem zur Sondierung der Lage dienen.
Hausaufgaben für
alle Beteiligten
„Konkrete Ergebnisse gab es noch keine“, sagt Bürgermeister Simon Hausstetter. Die seien aber auch nicht zu erwarten gewesen. Das sieht ein Sprecher der Deutschen Bahn, der die Strecke gehört, genauso: Bei dem Ortstermin sei es nicht darum gegangen, Entscheidungen bezüglich konkreter Bahnübergänge zu treffen. „Vielmehr haben beide Seiten Prüfaufträge für die weiteren Gespräche mitgenommen.“
Hausstetter muss zum Beispiel mit den Landwirten entlang der Strecke reden. Auf welche Übergänge, die zum Teil keine 50 Meter auseinander liegen, könnten die verzichten, auf welche nicht. BBV-Ortsobmann Bernhard Huber hatte schon zu Beginn der Unterschriftensammlung Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Vier Fahrten am Tag haben ihren Ursprung an der Müllumladestation des Landkreises. Dort kann die Lok nicht umgekoppelt werden, der Zug muss bis fast zum Zementwerk durch Thansau und Rohrdorf fahren, bis die Fahrtrichtung geändert werden kann. „Da soll versucht werden, irgendwoher eine zweite Lok zu bekommen“, so Hausstetter.
Der Bahnübergang in der Mitte von Thansau muss mit einer Schranke gesichert werden, das wurde beim Ortstermin klar. „Und das dauert…“, weiß Hausstetter. Bei etwa der Hälfte der nicht gesicherten Übergänge wäre eine technische Sicherung nötig. Das ginge am einfachsten mit einem Drehkreuz für Fußgänger und Radfahrer, ist aber nur selten eine gangbare Lösung. Die Alternative: Lichtzeichen. Da muss aber die Bahn prüfen, ob das rechtlich im Güterverkehr möglich ist.
Für die anderen Bahnübergänge müssen sich Gemeinde und DB überlegen, ob diese aufgehoben oder doch technisch gesichert werden, oder ob weiter gepfiffen wird.
Wer zahlt,
bestimmt auch mit
Finanziell wäre Rohrdorf eigentlich nicht betroffen, nach einer Novellierung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes zahlen Bahn, Land und Bund für die knapp 15400 Bahnübergänge im Netz der DB. „Wenn wir uns finanziell beteiligen, haben wir mehr Einfluss, können uns auch an der Planung beteiligen – was der Bahn recht wäre“, so Hausstetter. Damit muss sich der Gemeinderat beschäftigen.
Noch in diesem Jahr, wohl im Dezember, soll laut Bürgermeister und Bahn die nächste Verhandlungsrunde stattfinden. Hausstetter will versuchen, dann auch die österreichische Bahn mit an den Tisch zu bekommen, denn diese fährt für das Zementwerk.